Schutzwald
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Wegschäden bei Wagneritz am Grünten.

Idealer »Regenschirm«

Bei Unwettern und Starkregen schützt Bergwald am besten

Allgäu – Wald spielt als Bremse bei einem Zuviel an Wasser eine wichtige Rolle. Hatte das Allgäu bei den jüngsten Unwettern im Juli daher Glück im Unglück?

Wurden noch größere Schäden in den Siedlungsbereichen verhindert, weil der Wald, der Bergwald, seine Funktionen im Großen und Ganzen erfüllt hat? Solche Fragen wurden und werden gerade jetzt zunehmend diskutiert, sowohl bei der Wasserwirtschaft als auch bei der Forstverwaltung und dem Schutzwaldmanagement. Klar ist: Wald kann auch ein „Regenschirm“ sein, eine Bremse bei einem Zuviel an Wasser. Eine wichtige Rolle spielt er in jedem Fall.

„Die Funktion des Bergwaldes kann man dort am besten sehen, wo er nicht mehr vorhanden ist. Schauen Sie in die Länder in Südeuropa, wo die Wälder in früherer Zeit abgeholzt wurden. Die Erosion kann auch durch aufwändigste technische Maßnahmen nicht mehr aufgehalten werden und bei Hochwasser schießen die Schlamm- und Wassermassen ungebremst in die Täler“, zeichnet Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Kempten, ein Szenario, das man lieber nicht miterleben wolle.

Bergwald hält Wasser zurück

„Daher ist der Bergwald unglaublich wichtig für den Erosionsschutz und den natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche. Bei großen Hochwasserereignissen kann der Bergwald alleine unserer Siedlungen jedoch nicht ausreichend schützen. Der technische Hochwasserschutz muss hier ergänzend umgesetzt werden.“

In Bayern gibt es drei Fachstellen Schutzwaldmanagement. Sie sind bei den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten, Weilheim und Rosenheim angesiedelt. Das Schutzwaldmanagement ist ein Reparaturbetrieb. Bei der Bergwaldoffensive geht es um Vorbeugung.

Kann der Bergwald Hochwasserschutz gewährleisten?

Wenn Wasser über die Ufer tritt, geht es sehr schnell nicht nur um Hab und Gut, sondern um Leib und Leben. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben Fragen der Hochwasserprävention (wieder) in den Fokus gerückt. Zu den wichtigen Schutzwald-Funktionen gehört der Hochwasserschutz. Kann der Bergwald tatsächlich einen Beitrag leisten? Wenn ja, welchen?

Karl Schindele: „Er kann, aber nicht unbegrenzt. Bei der Vermeidung oder Reduzierung von Hochwasser steht im Allgäu der Wald in den Bergen am Anfang der Kausalkette.“

Tiefe Wurzeln, viel Speicherkapazität

Wenn es um den Rückhalt von Wasser gehe, spiele sich das Wichtigste unter der Erde ab, erläutert Schindele. „Von allen Landnutzungsformen hat der Bergmischwald den geringsten Oberflächenabfluss. Das heißt nicht, dass Waldboden unbegrenzt Wasser aufsaugen könnte.“ Wenn es stark genug und oder lange genug regnet, ist der „Schwamm Waldboden“ irgendwann zu voll, um das Wasser halten zu können. Er speichert es nur dort wo Poren sind. Ohne Wurzeln keine Poren. Je intensiver und tiefgründiger ein Boden durchwurzelt ist, desto höher ist seine Speicherkapazität. Die Tiefwurzlerin Tanne ist da besonders wertvoll. Aber: Es kommt auf die Baumartenmischung an. „Die Tanne braucht gute Gesellschaft.“

Günstig wirkt sich der große Wasserbedarf von Bäumen aus. Den decken sie dadurch, dass sie dem Boden Wasser entziehen. Auch die Bodenbeschaffenheit spielt eine Rolle. Wald kann „schlechte“ Böden sogar verbessern. Gras mit Wurzeltiefe im Zentimeterbereich könne da nicht mithalten.

Nackter Fels speichert kein Wasser

Und der Mensch spielt auch eine wichtige Rolle. Waldbauliche Maßnahmen wirken sich positiv oder negativ aus. Lücken im Baumbestand sollten so klein wie möglich sein, bei der Holzernte ist ein Maximum an Vorsicht geboten. Flächendeckendes Befahren ist zu vermeiden, weil bei einer Bodenverdichtung dessen Wasseraufnahmefähigkeit sinkt.

Die positiven Effekte zeigen sich auch über der Erde. Bäume halten Wasser in ihren Kronen zurück und über Nadeln und Blätter verdunstet es. Zurückgehaltenes und verdunstetes Wasser gelangt nicht in den Boden. So wird die zu speichernde Wassermenge reduziert, der Boden entlastet. Und zwar deutlich.

Bäume (Äste, Zweige, Nadeln, Blätter) brechen die Bewegungsenergie, was vor allem bei Starkniederschlagereignissen wichtig ist, weil dadurch der Aufprall auf den Boden gedämpft wird. Da ist Boden- gleich Erosionsschutz. Geschlossener Bergwald verhindert Bodenabtrag zu fast 100 Prozent. Wo im Gebirge Boden verschwunden ist, kommt er nicht wieder. Technische Maßnahmen sind mühsam, teuer und nicht immer erfolgreich. Nackter Fels speichert kein Wasser.

Quelle: Kreisbote

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