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Bundestagswahl: So hat das Oberallgäu gewählt

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Von: Josef Gutsmiedl, Susanne Lüderitz, Christine Tröger, Antonia Knapp, Lena Fuhrmann

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Oberallgäu — Stimmungsbilder und Statements von den Wahlparties der Direktkandidaten im Oberallgäu.

Wahlparty CSU
1 / 7„Schon immer wollte ich in den Bundestag“, so Erststimmen-Siegerin Mechthilde Wittmann © Lena Fuhrmann
Wahlparty SPD
2 / 7Im Laufe des Abends hellten sich die Mienen bei der Stabilisierung des SPD-Ergebnisses als Wahlsieger auf. © SPD
Wahlparty Bündnis90/Die Grünen
3 / 7Es sei „ein harter Wahlkampf“ gewesen, bilanzierte Erna-Kathrein Groll, „wir haben mehr geackert als je zuvor“. © Antonia Knapp
Wahlparty FDP
4 / 7Die Anhänger der FDP waren zahlreich erschienen, die Stimmung entspannt und freudig. © Christine Tröger
Wahlparty Freie Wähler
5 / 7Hauser-Felberbaum zeigte sich glücklich über ihr persönliches Ergebnis von 9,0 Prozent bei den Erststimmen © FW
Wahlparty Die Linke
6 / 7„Das ist jetzt natürlich schon enttäuschend“, gab Engelbert Blessing auf der Wahlparty der Linken zu. © Blessing
AfD Wahlparty
7 / 7„Das Ticket für die Fahrt nach Berlin habe ich schon vor drei Wochen gekauft. Am Dienstag um 7.32 Uhr geht der Zug in Lindau ab“, zeigte sich Rothfuß optimitisch. © Josef Gutsmiedl

Zwischen Enttäuschung, vorsichtigem Optimismus und Jubel: Am Wahlabend kamen die Oberallgäuer Direktkandidaten jeweils mit ihren Partei-Mitstreitern für die obligatorische Wahlparty zusammen. Der Kreisbote fing die Stimmung sowie erste Statements ein. Der Wahlkreis 265 (Oberallgäu-Lindau-Kempten) bleibt in CSU-Hand, nachdem Mechthilde Wittmann das Direktmandat für die Christsozialen mit 29,7 Prozent der Erststimmen holen konnte.

Bundestagswahl 2021 im Oberallgäu: Wahlergebnis im Wahlkreis 256 - Direktkandidaten

Wahlergebnisse: Gemischte Gefühle bei der CSU

Rund 30 CSU-Anhänger und Anhängerinnen waren am Sonntag zur Wahlparty der CSU auf dem Gelände der Firma Berchthold in Kempten zusammengekommen, um erste Hochrechnungen und das Wahlergebnis gemeinsam mitzuverfolgen. Die acht Biertische waren mit Bayernfähnchen geschmückt, am Buffet gab es Hot-Dogs, Schupfnudeln, und belegte Brote. Als Mechthilde Wittmann, Kandidatin für den Bundestag, gegen 18.30 Uhr eintraf, applaudierte die Party-Gesellschaft unisono. Dennoch blieb die Stimmung insgesamt eher verhalten. Die ersten Hochrechnungen wurden mit gemischten Gefühlen verfolgt. „Ich bin ganz entspannt“, sagte Wittmann, „ich warte ab und beobachte.“

„Abwartend optimistisch“ beschrieb auch Landtagsabgeordneter Eric Beißwenger die Stimmung: „Rot-Rot-Grün verhindern war uns wichtig, und das haben wir geschafft.“ Mit 29,7 Prozent der Stimmen konnte Mechthilde Wittmann die Erststimmenvergabe im Wahlkreis Lindau-Kempten-Oberallgäu für sich entscheiden. Ihr Vorgänger Dr. Gerd Müller beglückwünschte sie herzlich. „Schon immer wollte ich in den Bundestag“, so die alleinerziehende zweifache Mutter. 2016 habe sie die Kandidatur schweren Herzens der Kinder wegen abgelehnt, umso mehr freue sie sich jetzt, wo die Kinder alt genug sind, auf die Arbeit im Bundestag. Und das natürlich am liebsten in der Regierung statt in der Opposition: „Politik ist Gestaltungswille!“

Sieger der Bundestagswahl: Freude bei der SPD

Gut 40 Personen nahmen mit dem SPD-Bundestagskandidaten im Löwensaal in Lindenberg die ersten Hochrechnungen zur Kenntnis. Im Laufe des Abends hellten sich die Mienen bei der Stabilisierung des SPD-Ergebnisses als Wahlsieger auf. Besonderen Jubel gab es beim örtlichen Ergebnis. Martin Holderied hatte mit 30,4 Prozent der Erststimmen deutlich den Sieg in seinem Heimatort errungen. Großartig insgesamt das Ergebnis im Stimmkreis Kempten-Lindau-Oberallgäu mit dem Zweiten Platz bei den Erststimmen mit 15,8 Prozent.

Holderied bedankte sich in zwei kurzen Ansprachen für den Zuspruch. Besonders erwähnte er die Unterstützung seiner Eltern und seiner Partnerin, und seines Wahlkampfteams und erinnerte dabei an den verstorbenen Freund und Begleiter Gerd Ilg. Im Rückblick, ausgehend von der Aufstellungskonferenz im Schnee in Immenstadt, den vielen Aktionen, den Zuspruch und die vielfältige Unterstützung, betonte er das gemeinsame Handeln für diesen Erfolg. Neben Speis und Trank bedankte er sich mit einem kleinen Erinnerungspräsent bei den Helferinnen und Helfern.

3. Platz: Verhaltener Optimismus bei den Grünen

Die Oberallgäuer Grünen trafen sich am Wahlabend im Café Majoca des Margaretha-und Josefinen-Stifts, während ihr Direktkandidat für den Bundestag, Pius Bandte, dem der Einzug in den Bundestag mit 15,4 Prozent nicht gelungen war, bei den Lindauer Grünen weilte. Die ersten Hochrechnungen, die die Grünen bei 14 bis 15 Prozent sahen, lösten keine Begeisterung aus, schienen aber auch niemanden wirklich zu überraschen. Es sei „ein harter Wahlkampf“ gewesen, bilanzierte Erna-Kathrein Groll, „wir haben mehr geackert als je zuvor“.

Auch für Thomas Hartmann war „schon länger klar“, dass den Grünen „kein Durchmarsch“ gelingen wird. Es gebe nun „keine andere Priorität als wirksamen Klimaschutz“, ist sich Hartmann mit Groll einig. Entscheidend sei, in einer künftigen Regierungskoalition „genügend Einfluss zu gewinnen, um das, was wesentlich ist, durchzubringen“. Anders als Groll, für die FDP und Grüne zumindest auf Bundesebene in „völlig unterschiedlichen Welten“ leben, hofft Hartmann, dass ein Bündnis mit den Liberalen „mehr Akzeptanz in Wirtschaft und Gesellschaft“ bewirken könnte für die „deutlichen Veränderungen“, die für eine effektive Klimaschutzpolitik unerlässlich sein seien.

Jubelrufe bei der FDP

Gegen 19.30 Uhr tönten Jubelrufe aus der oberen Etage der Fasshalle in Kempten, die man schon im Eingangsbereich vernehmen konnte. Die Liberalen verfolgen auf einem großen Bildschirm aufmerksam die Hochrechnungen und Interviews. Die Anhänger der FDP waren zahlreich erschienen, die Stimmung entspannt und freudig. Man ist zufrieden mit dem Wahlergebnis und gespannt auf die Koalitionsverhandlungen, wie Landtagsabgeordneter und Kemptener Stadtrat Dr. Dominik Spitzer (2.v.li. hinten) sagt. Und mehr noch: Die Mitgliederzahl ist laut Stadtrat Ullrich Kremser (re.) in den letzten Monaten zudem ordentlich angestiegen. Besonders freut ihn, dass viele junge Leute der Partei beigetreten seien.

Für die Liberalen also reichlich Grund zum feiern, sieht es doch nach einem erstarken der einst schwächelnden Partei aus. Ebenfalls auf dem Foto zu sehen sind Kreisvorsitzender Frank Häring (hinten li.) und zwei liberale „Urgesteine“, das Ehepaar Dr. Holger Bock (vorne li.), daneben Dr. Gisela Bock und rechts von ihr Melanie Bindhammer vom Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Stefan Thomae (13,1 Prozent), der als stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion in Berlin feierte und immer wieder via Bildschirm zugeschaltet wurde.

Freie Wähler: Fokus auf die Zukunft

„An uns liegt es nicht, dass wir nicht in den Bundestag eingezogen sind“, ist sich Alexander Hold sicher. Noch vor etwa zwei Wochen seien die Freien Wähler in den Umfragen bei dreieinhalb bis vier Prozent gelegen und „nur noch ein kleiner Schubs“ habe gefehlt, um zum ersten Mal auch auf Bundesebene im Parlament vertreten zu sein.

Direktkandidatin Annette Hauser-Felberbaum habe im Wahlkampf viel Zustimmung erfahren: „Ganz viele Wähler fühlen sich“ von den etablierten Parteien „nicht mehr richtig verstanden“. Sie sehnten sich nach einer „unverbrauchten bürgerlichen Kraft, nach ganz normalen Menschen, die vor Ort sind“, sagt Hold und sieht sich durch das Ergebnis von 8,3 Prozent im Wahlkreis Oberallgäu bestätigt.

Bei Sekt und Häppchen im kleinen Wahlkampfbüro der Freien Wähler ist Hauser-Felberbaum dennoch „glücklich“ über ihr persönliches Ergebnis von 9,0 Prozent und überzeugt, dass die Zukunft einer „bürgernahen, lösungsorientierten Politik“ mit „Bodenhaftung“ gehört. Ihre Partei werde auch weiterhin daran festhalten, „keine Konzernspenden“ anzunehmen, auch wenn sie so mit den Kampagnen der etablierteren Parteien nicht mithalten könne.

Enttäuschung bei Die Linke

Direktkandidat Engelbert Blessing hat 2,7 Prozent der Erststimmen geholt. „Das ist jetzt nicht so ein tolles Ergebnis, da lässt sich auch nicht darüber streiten“, sagte er. Für die Wahlparty haben sich die Linken der Oberallgäuer und Ostallgäuer Wahlkreise in Kaufbeuren zusammengetan. Ein harter Kern von rund 20 Leuten aus Wahlhelfern und ein paar Gästen verfolgte die Hochrechnungen in der Café Bar „Zurek’s“.

Mit einem Direktmandat hatte Blessing nie gerechnet, denn „die Chancen, sich gegen die CSU durchzusetzen, waren ja im 256er-Wahlkreis nie besonders groß.“ Und auch eine Listenplatzierung sei nie eine Prämisse gewesen. „Mein Ziel war immer ein gutes Ergebnis“, sagt der 36-jährige gebürtige Gunzesrieder, „und das ist jetzt natürlich schon enttäuschend.“ Dennoch zeigte sich Blessing froh, dass seine Partei auch weiterhin die „wichtige“ Oppositionsarbeit leisten kann. 

AfD: Trotz Verlusten optimistisch

Der Direktkandidat der AfD, Dr. Rainer Rothfuß, und rund 60 AfD-Unterstützer versammelten sich am Wahlabend in der Pizzeria Bassano in Oberstaufen. Rothfuß sprach in einem ersten Kommentar von einem „schönen Signal“ und einer „Anerkennung für die Arbeit“. Die Orts- und Kreisverbände hätten im Wahlkampf der vergangenen Monate eine „tolle Arbeit“ geleistet. Rothfuß selbst landete mit 8 Prozent hinter Stephan Thomae (FDP) und Annette Hauser-Felberbaum (FW).

Bewusst habe die AfD konkrete Themen angesprochen, wie etwa Sicherheit und die Pandemie. Jetzt gelte es die endgültige Zusammensetzung des Bundestags abzuwarten: Über Ausgleichs- und Überhangmandate rechne er sich gute Chancen aus, ins Parlament einzuziehen. „Das Ticket für die Fahrt nach Berlin habe ich schon vor drei Wochen gekauft. Am Dienstag um 7.32 Uhr geht der Zug in Lindau ab“, zeigte sich Rothfuß am Wahlabend optimistisch. Er freue sich auf die weitere politische Arbeit.

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