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Die erste Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft —Auszeichnungen für Artenvielfalt

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Von: Josef Gutsmiedl

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Wiesenmeisterschaft
Arten-Inventur in der Blütenpracht einer Bergwiese. © Marina Gabler, Alpinium

Oberallgäu – Um die Leistungen der Land- und Alpwirtschaft für die Artenvielfalt zu würdigen wurde die „Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft“ ins Leben gerufen.

Mit einem bislang einzigartigen Wettbewerb wollte der Landkreis Oberallgäu die Bewirtschafter besonders artenreichen Grünlands auszeichnen und deren Leidenschaft für bunte Wiesen und Weiden würdigen. Fast 60 Landwirte aus allen Ecken des Oberallgäus machten mit bei der ersten „Wiesenmeisterschaft“.

Die besonderen Leistungen der Land- und Alpwirtschaft für die Artenvielfalt zu würdigen – das hatte sich das Projekt Allgäuer Alpvielfalt und die Biodiversitätsberatung des Landkreises Oberallgäu sowie das Zentrum Naturerlebnis „Alpinium“ mit dem Gemeinschaftsprojekt „Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft“ zur Aufgabe gemacht.

Betriebe mit bunten Wiesen

Gesucht wurden Wiesen und Weiden, die einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig gut in den landwirtschaftlichen Betrieb integriert sind. Denn nur seltene oder besonders viele verschiedene Arten reichten nicht aus, um die ersten Plätze bei der Meisterschaft zu belegen.

Für eine bessere Vergleichbarkeit der teilnehmenden Flächen wurde in unterschiedlichen Kategorien bewertet, die sich nach Nutzungsweise und Standortbedingungen richteten. „Die Streuwiese im Oberallgäuer Norden trat also nicht gegen die Arnikaweide einer Alpe an – beide sind wertvoll und konnten in ihrer jeweiligen Kategorie ausgezeichnet werden“, erklärt Fabian Höß vom Organisationsteam.

Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft

Die Schirmherrschaft für die Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft hatte Landrätin Indra Baier-Müller übernommen. Sie ist überzeugt vom guten Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft im Oberallgäu. „Bei unseren bunten Wiesen und Weiden geht einem das Herz auf. Diese Artenvielfalt und die Allgäuer Bäuerinnen und Bauern sind uns Gold wert! Denn dieser Schatz kann nur mit Hilfe unserer Landwirte erhalten werden“, so die Landrätin. Dennoch: Man müsse von diesen Feldern und Wiesen, von dieser Arbeit, auch leben können.

Wiesenmeisterschaft
Mit dem „Wiesenmeisterschaftskalender“ präsentierte Fabian Höß (von links) eine Überraschung für die Teilnehmer aber auch die Förderer des Wettbewerbes – hier Landrätin Indra Baier-Müller, Sparkassen-Chef Manfred Hegedüs, Rainer Hoffmann vom Landwirtschaftsamt und Ethelbert Babl vom „Alpinium“. © Josef Gutsmiedl

Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, überreichte jeweils den drei Preisträgern aus den fünf Kategorien die Goldpreise der Sparkasse Allgäu.

In aufwändigen fachlichen Exkursionen wurden die für den Wettbewerb nominierten Flächen unter die Lupe genommen und bewertet. Der fachliche Check zeigte übrigens, dass die Artenvielfalt oft deutlich über den Einschätzungen der bewirtschaftenden Landwirte liegt.

Von Generation zu Generation

In den Diskussionen und Beurteilungen vor Ort stellte sich zudem heraus, dass die vorgestellten Flächen seit Generationen – oft im mühevoller Handarbeit – sorgfältig und umsichtig bewirtschaftet werden. Die Artenvielfalt ist Ergebnis der Bewirtschaftungsform, an der die Hofnachfolger aller Mühe zum Trotz mit gleicher Leidenschaft festhalten haben wie ihre Vorgänger.

Bei vielen „Ortsterminen“ waren die Kinder und Enkel der Landwirte dabei; für die Jury ein Zeichen, dass hier Artenschutz und Tradition eine Herzensangelegenheit seien. Das sei schon in seiner Kindheit so gewesen, erinnert sich Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA an spannenden Naturkundeunterricht durch seinen Vater. Das könne er jetzt an die Enkel weitergeben.

Die Sieger der einzelnen Kategorien

Bergmähwiesen: Johannes König (Oberstdorf), David Berktold, (Oberstdorf), Martin Blanz (Hindelang)

Mähwiesen/Mähweiden: Stefan Bentele (Immenstadt), Benedikt Hagg (Buchenberg), Anton Gabler (Oy-Mittelberg)

Alpweiden: Benedikt Beßler (Alpe Mitterhaus, Hindelang), Jan Biebricher-Reicherzer (Alpe Mittelhäderich, Oberstaufen), Georg Rädler (Alpe Nicken, Hindelang)

Talweiden: Tobias Weizenhöfer (Haldenwang), Stefan Göhl, (Rettenberg), Xaver und Martin Rietzler (Obermaiselstein)

Streuwiesen: Johannes Speiser (Wertach), Joachim Huber (Unterjoch), Christian Bergmann (Buchenberg)

„Durch die Aufteilung in die Kategorien Alpweiden, Bergmähwiesen, Mähwiesen, Talweiden und Streuwiesen haben wir heuer eigentlich fünf Wiesenmeisterschaften ausgerichtet“, bemerkte Fabian Höß abschließend. Die positive Resonanz der Teilnehmenden motiviere Projektteam und Jury, zukünftig wieder eine Meisterschaft auszurichten. Noch haben sie nicht alle Schätze im Oberallgäu gesehen, sind sich alle Beteiligten einig.

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