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Am Landgericht München I.

25-Jähriger vor Gericht

Schwäbischer Terrorhelfer: „Beitrag zum Dschihad leisten“

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München - Als Hüsrev Y. (25) in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird, trägt er schwarze Locken und einen sehr langen Vollbart. Er macht auch von Beginn an keinen Hehl aus seiner Gesinnung. „Ich glaube an den Dschihad“, sagt er.

An den heiligen Krieg glaubt er also. „Ich wollte einen Beitrag zum Dschihad leisten.“ Deshalb muss sich der deutsche Staatsbürger, der aus einer türkischen Familie stammt und in Senden (Kreis Neu-Ulm) wohnte, seit Dienstag vor dem Landgericht München I verantworten. Der Staatsanwalt wirft ihm die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Hüsrev Y., Fachkraft für Lagertechnik, sei „Anhänger einer extremistisch-islamischen Ideologie“, sagt der Ankläger. 

Er habe in Syrien im Namen des Dschihad an bewaffneten Kämpfen des IS teilnehmen und sich zu diesem Zweck zunächst in ein terroristisches Ausbildungslager begeben wollen. „Deshalb ist er am 19. Oktober 2015 nach Istanbul geflogen, von wo aus er zum IS im türkisch-syrischen Grenzgebiet weiterreisen wollte.“ Die türkischen Behörden verweigerten ihm aber die Einreise. Hüsrev Y.s Aussage kann man als Geständnis bewerten, sein Bekenntnis ist eindeutig: „Der Dschihad steht im Koran. Und wir stehen zu allen Versen im Koran.“ Der Dschihad habe einen Beitrag zur Ausbreitung des Islam geleistet. Auch er habe seinen Beitrag zum Dschihad leisten wollen. 

„Das war zu dieser Zeit nicht verboten“, sagt er. Erst danach sei es verboten worden. Als Anhänger einer extremistischen Ideologie sieht er sich nicht. Nach seiner gescheiterten Einreise in die Türkei informierte seine Ex-Frau in Senden die Polizei. Die Stadt erließ am 20. November 2015 eine Ausreiseuntersagung und entzog Hüsrev Y. den Reisepass. Deshalb soll er mit einer falschen Vollmacht drei Familienmitglieder bei der Stadt abgemeldet haben. So wollte er angeblich begründen, dass er seinen Reisepass wieder brauche, um seine Familie in der Türkei besuchen zu können. Y. sagt, dass er seine Familie nur abgemeldet habe, weil die drei tatsächlich in der Türkei gewesen seien. 

Das sieht die Anklage anders: Als der Plan mit dem Pass nicht klappte, habe Y. sich falsche bulgarische Ausweise verschafft, um über diesen Umweg nach Syrien zu gelangen. Am 10. April 2016 fand die Polizei die gefälschten Dokumente im Wäschekorb seiner Schwester – am selben Tag wurde der 25-Jährige verhaftet. Y. gibt zu, dass er die falschen Papiere für 2000 Euro gekauft hat. „Ich brauchte die Papiere“, sagt er. „Meine Frau war in Istanbul.“ Diese hatte er im September 2015 nach islamischen Ritus geheiratet. Der Prozess dauert an.

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