Schwandorf ist eine Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis Schwandorf
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Schwandorf ist eine Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis Schwandorf

Kreisstadt in der Oberpfalz

Schwandorf

Die Stadt Schwandorf liegt inmitten des Oberpfälzer Walds und grenzt an das gleichnamige Seenland. Landschaftlich wird sie darüber hinaus vom Naabtal geprägt: Der Fluss nimmt seinen Lauf durch das Stadtgebiet.

  • Schwandorf besteht aus insgesamt 60 Ortsteilen.
  • Die Stadt grenzt an den Oberpfälzer Wald, das Oberpfälzer Seengebiet sowie das Naabtal.
  • Sie blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück.

Schwandorf – Nicht das Tier, sondern ein Bursche sind der Etymologie nach ursächlich für den Ortsnamen Schwandorf. Laut offizieller Stadtchronik geht er auf den slawischen Begriff „Suainicondorf“ zurück, was soviel wie Burschendorf bedeutet. Tatsächlich war die Region rund um Schwandorf in der Geschichte ein Ziel slawischer Auswanderer. Linguisten vermuten darüber hinaus althochdeutsche Wurzeln: „swein“ (Hirte, Knecht).

Schwandorf: Lage und Geografie

Die Stadt Schwandorf profitiert von einer vorteilhaften Lage an der Grenze des Oberpfälzer Seenlands. Dieses entstand nach dem Ende des Braunkohletagebaus: Die ehemaligen Gruben wurden geflutet und die umliegenden Flächen neu gestaltet. Einige Seen sind heute für den Badebetrieb freigegeben.

Im Süden von Schwandorf schließt sich der Oberpfälzer Wald an, wo er in die Cham-Further-Senke und weiter über den Bayerischen Wald in den Böhmerwald übergeht. Durch die Stadt fließt die Naab, ein Nebenfluss der Donau. An Schwandorf grenzen folgende Ortschaften im gleichnamigen Landkreis:

  • Fensterbach
  • Schwarzenfeld
  • Wackersdorf
  • Steinberg
  • Teublitz
  • Burglengenfeld

Im Westen schließt sich der Landkreis Amberg-Sulzbach an.

Schwandorf: Entstehung und Geschichte

Schwandorf blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Erste schriftliche Erwähnungen der Stadt stammen aus dem Jahr 1006. In einer Urkunde aus dem Regensburger Kloster Sankt Emmeran wurde von einem Ort Suainicondorf am Fluss Naba (Naab) berichtet. Besiedelt war das Gebiet rund um Schwandorf lange vorher: Archäologische Funde wurden auf die Zeit zwischen 1200 und 800 v. Chr. datiert.

Im Mittelalter war Schwandorf eines der Zentren des Bistums Regensburg. Im Januar 1299 erhielt der Ort das Marktrecht. Vollständige Stadtrechte sind seit 1446 nachweisbar.

Im Landshuter Erbfolgekrieg im Jahr 1504 wurde Schwandorf nahezu vollständig zerstört. Anschließend fiel es von 1555 bis 1617 in den Besitz des Fürstentums Pfalz-Neuburg. Im Dreißigjährigen Krieg drangen die Schweden, die weite Teile der Oberpfalz in ihren Besitz brachten, bis nach Schwandorf vor und nahmen die Stadt in ihren Besitz. Im April 1634 zogen sie sich nach der Übernahme der Bayern aus dem Gebiet zurück. Die Folge der Kämpfe waren Plünderungen und Zerstörungen.

Schwandorf auf dem Weg in die Neuzeit

Dennoch erlebte die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert aufgrund seiner exponierten Lage an einer historischen Handelsroute nach Böhmen einen wirtschaftlichen Aufschwung. In dieser Zeit entstanden zahlreiche bis heute erhaltene Bauwerke im historischen Kern. Mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinie im Jahr 1863 verstärkte sich der Aufschwung. Schwandorf erlangte als Eisenbahnknotenpunkt an der Strecke nach Weiden in der Oberpfalz zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 1907 zählte die Stadt 6.985 Einwohner. Verursacht wurde das Wachstum nicht zuletzt vom Braunkohletagebau, der ab 1906 rund um Schwandorf vorgenommen wurde. Die Kohle wurde im angrenzenden Dampfkraftwerk Dachelhofen verbrannt, das ebenfalls als wichtiger Arbeitgeber fungierte. Im Jahr 1936 eröffnete darüber hinaus ein Aluminiumwerk.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch Schwandorf nicht verschont. Heute erinnern 17 „Stolpersteine“, Gedenksteine für ermordete Juden, an deportierte Bürger. Im April 1945 bombardierten US-amerikanische Tiefflieger den Bahnhof und das Zentrum. Teile der Stadt wurden zerstört, insbesondere im Bahnhofsviertel. Am 23. April 1945 marschierten die Amerikaner in Schwandorf ein. Der Ort stand anschließend unter amerikanischer Militärverwaltung.

Schwandorf: Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Die ersten Nachkriegsjahre waren in Schwandorf vom Wiederaufbau geprägt. In den 1950er-Jahren wurde die Stadt Sitz einer Bundesgrenzschutz-Unterkunft. In die Garnison Schwandorf zogen im Februar 1960 erste Mitarbeiter ein. Bedeutung erlangte der Standort während der Proteste gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf in den 1980er-Jahren. Sie wurde zu einer Zentrale für die Einsatzkoordination und Hubschrauberbasis für die aktiven Sicherheitskräfte. Die Garnison wurde nach einer Umstrukturierung des Bundesgrenzschutzes zu einer Station der Bundespolizei. Seit 2008 befindet sich in dem Gebäude ein Zentrum von Zoll und Bundespolizei.

Im Zuge der bayerischen Gebietsreform am 1. Juli 1972 wurde Schwandorf zur Großen Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises ernannt. Der Ortsname wurde von „Schwandorf in Bayern“ zum heutigen Namen geändert. In der Folge wuchs die Stadt aufgrund von zahlreichen Eingemeindungen deutlich. So gehören seitdem folgende zuvor selbstständige Gemeinden inklusive zugehöriger Ortschaften zu Schwandorf:

  • Ettmannsdorf
  • Fronberg
  • Haselbach
  • Krondorf
  • Kronstetten
  • Pittersberg
  • Gögglbach
  • Bubach an der Naab
  • Dachelhofen
  • Klardorf
  • Naabeck
  • Neukirchen

Am 1. Januar 1979 folgte Kapflhof, ein Teil der Gemeinde Büchheim.

Im Jahr 1988 zählte Schwandorf 25.874 Einwohner. Die Zahl wuchs bis 2018 auf 2.954 an. Das entspricht einem Wachstum von 11,4 Prozent.

Schwandorf: Wichtige Industrie- und Wirtschaftszweige

Schwandorf fungiert als wichtigstes ökonomisches Zentrum der Region. Vor allem der Dienstleistungssektor trägt zum Wachstum der Wirtschaft bei. Rund die Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist in diesem Bereich tätig. Stark vertreten ist auch das produzierende Gewerbe. Insbesondere Unternehmen der Druckindustrie und Automobilzulieferer haben sich in der Stadt niedergelassen. Zu den wichtigsten Betrieben zählen die folgenden:

  • Nabaltec AG (chemische Industrie)
  • Schmack Biogas GmbH (Produzent von Biogas-Anlagen)
  • Paragon Customer Communications (Direktmarketing)
  • Firmengruppe Wolf (Fleisch- und Wurstlieferant)
  • Benteler Automobiltechnik (Automobilzulieferer)
  • Horsch Maschinen GmbH (Landmaschinenproduzent)

Schwandorf: Sehenswürdigkeiten in der Stadt und in der Umgebung

Schwandorf liegt an der Europäischen Goethe-Straße, die vom tschechischen Karlovy Vary/Karlsbad über Regensburg nach Venedig in Italien führt. In der Stadt selbst befinden sich zwei Museen: das Stadtmuseum, das die Geschichte und Kultur von Schwandorf und Umgebung thematisiert, und das Oberpfälzer Künstlerhaus. In diesem stellen Maler, Grafiker und Bildhauer aus der Region ihre Werke aus.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehört der Felsenkeller. Das unterirdische Labyrinth besteht aus rund 130 Kellern, die vermutlich um 1380 in den Sandstein gehauen wurden. Heute sind 60 davon im Rahmen von Führungen zugänglich.

Das Wahrzeichen der Stadt ist der 1494 vollendete Blasturm. Er war einst Teil der 1,3 Kilometer langen Stadtmauer. Zahlreiche weitere Gebäude aus dem 15. bis 17. Jahrhundert sind in Schwandorf bis heute erhalten:

  • Pfarrhof (1491)
  • Färberhaus (1559)
  • Hierlhaus (1577)
  • Spitalkirche (1657)
  • Gasthof zur Post (vor 1504)
  • Bengler-Haus (Mitte des 16. Jahrhunderts)

Schwandorf: Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Eine Sehenswürdigkeit im angrenzenden gleichnamigen Landkreis Schwandorf ist das Charlottenhofer Weihergebiet. Das rund 830 Hektar große Naturschutzgebiet ist das zweitgrößte seiner Art in der Oberpfalz. Zu den weiteren Ausflugszielen in der Region gehören die folgenden:

  • Golfplatz und Skilift Oedengrub
  • Klausensee (Badesee mit Sandstrand und Liegewiese)
  • Murner See (Badesee, Teil der Bodenwöhrer Bucht)
  • Pfaffensteig (Wanderweg von Kronstetten nach Fronberg)
  • Wildpark Höllohe in Teublitz
  • Burg Burglengenfeld (Burganlage aus dem 11. Jahrhundert)
  • historische Altstadt von Nabburg
  • Freizeitpark Monte Kaolino (Sandskiberg mit Kletterpark, Spielplatz und Bob-Bahn)
  • Walhalla in Donaustauf (historische Ruhmeshalle vor den Toren von Regensburg)
  • Befreiungshalle Michelsberg bei Kehlheim (Denkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon)

Schwandorf: Politik im Stadtrat

Die Politik von Schwandorf wird im Stadtrat bestimmt. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 erlangte die CSU als stärkste Kraft 38,5 Prozent der Stimmen. Das entspricht einem Plus von 1,8 Prozent im Vergleich zur Kommunalwahl 2014. Die Partei nimmt im Tat seitdem zwölf von insgesamt 30 Sitzen ein. Die weitere Verteilung und die Wahlergebnisse im Überblick:

  • SPD: 7 (20,8 %)
  • UW(Unabhängige Wählergruppe): 3 (10,2 %)
  • AfD: 3 (8,8 %)
  • Grüne: 2 (7,5 %)
  • FW (Freie Wähler): 2 (5,6 %)
  • ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei): 1 (4,8 %)

Seit 2014 ist Andreas Feller (CSU) Oberbürgermeister. Er löste Helmut Hey (SPD) ab.

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