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Erst Schupf, dann Kapelle: Johann Staudinger und sein Bau.

Kuriose Fälle aus Oberbayern

Schwarzbauhochburg Bayern: Hier wurde ohne Genehmigung gebaut

Bauen kann nicht nur sehr teuer sein. Auch die Behörden wollen mitreden. Aber den Prozess für die Genehmigung mag nicht jeder auf sich nehmen. Deshalb stellt immer mal wieder jemand einen Schwarzbau hin – und riskiert Ärger. Wie in diesen Fällen aus der Region.

Bürg – Ein Grundstück im Wald. Ein Stadel. Das klingt idyllisch und in jedem Fall harmlos. Ist es aber im speziellen Fall von Johann Staudinger nicht. Der Austragsbauer aus Bürg in Warngau (Kreis Miesbach) wollte eine Scheune in seinem Wald haben. Nur ließ er sie sich nicht vom Landratsamt genehmigen. Erst, als Staudinger schon gebaut hatte, kam’s raus. Selbst im Wald bleibt so ein Bau nicht unentdeckt. „Wir haben recht aufmerksame Mitbürger“, sagt Cornelius Mager, Chef der Lokalbaukommission München – und das gilt für Stadt und Land. Also denkt Staudinger um. Um seinen Schwarzbau zu retten, macht er eine Kapelle daraus. Doch es hilft alles nichts. Staudinger soll abreißen. Ende September lässt er noch verlauten, er werde Klage beim Verwaltungsgericht einreichen, „die Kapelle kommt nur über meine Leiche weg“, sagt er. Seine Frau sagt, er habe es sich anders überlegt. Tatsächlich scheint es so, als habe der Landwirt doch keine Klage eingereicht. Ausgang: immer noch offen.

Johann Staudingers Streit mit den Behörden ist kein Einzelfall. Eine Auswahl der kurioseren Fälle aus Bayern und der Region:

Die Hütte desWiesn-Wirts

Zu den „Top 10“ der oberbayerischen Schwarzbauten hat ein Landesanwalt einmal eine Hütte gezählt, die nicht nur deshalb in die Schlagzeilen geriet. Sondern auch, weil der Bauherr eine regionale Größe ist: Augustiner-Wiesn-Wirt Manfred Vollmer. Zehn Jahre ist es her, da kommt Vollmer nach Böbing (Kreis Weilheim-Schongau) und legt seine Pläne für ein Wellnesshotel vor. Dafür bekommt er den Segen des Gemeinderats, die Bauarbeiten beginnen. Das Ziel des Wiesn-Wirts: Idylle und Natur – neben dem Geschäft natürlich. Nur eines passt nicht in sein Bild: der Graner Weiher unterhalb des Anwesens. Vernachlässigt, die Fische tot, das Fischerhäuschen marode. Also baut er ein Fischerhäuschen und eine Mauer aus Natursteinen. Ein Schwarzbau. Die Beseitigungsanordnung landet vor Gericht, ausgefochten ist die Sache noch nicht. Aber die Fledermäuse, die sich in der Hütte niedergelassen haben, fühlen sich wohl. So sehr, dass der Schwarzbau jetzt wohl stehen bleiben darf.

Haus am See: Diese Hütte baute Wiesn-Wirt Vollmer.

Eine Garageauf Gemeindegrund

Verkehrt findet Bayrischzell (Kreis Miesbach) den Plan eines Ehepaars für eine Garage. Vor allem, weil sie schon steht. Die beiden Osterhofer bauten ihr Parkdeck – neun auf 4,80 Meter mit einer Wandhöhe von 2,47 Meter – ohne Genehmigung. Eine rund elf Quadratmeter große Holzkonstruktion, zum Teil auf einem gemeindlichen Straßengrundstück. Den Antrag für den Bau reichten sie nach. Das war dem Gemeinderat zu viel, das Gremium sagte Nein. Pikant: Die beiden hatten schon einmal eine Baugenehmigung, und zwar für eine größere Garage. Da die ihnen zu teuer war, haben sie eine kleinere Variante gebaut. Das müsse doch in Ordnung sein, dachten sie. Die Verwaltung hält dagegen: Jetzt hätten sie sich dafür auf Land der Gemeinde ausgestreckt, das gehe nicht. Das Paar musste seine Garage wieder abreißen. Und ärgert sich.

Das Jagdhausim Wald

Ein zweigeschossiges Gebäude – als Futter- und Jagdschuppen? Wuchtig und als Rohbau steht der Bau am Ortsrand von Osterwarngau (Kreis Miesbach). Und zwar schon seit sieben Jahren. Ein Jagdpächter hatte ihn aufgestellt. Aber er hat nicht die Privilegien eines Landwirts, deshalb sollte er den Schuppen wieder abreißen. Dazu brachten ihn allerdings nicht einmal 8000 Euro angedrohtes Zwangsgeld.

Ist das eine Jagdhütte? In Osterwarngau im Kreis Miesbach stritten Besitzer und Behörden jahrelang um die Rechtmäßigkeit.

Bis vors Verwaltungsgericht ging auch dieser Fall, und zwar schon zweimal, aber auch diesmal lautet die Entscheidung: Das Ding muss weg. Es ist den Behörden zu weit weg vom Hof des Eigentümers, und auch der Trick, es als Gerätehalle zu legalisieren, brachte nichts. Der Eigentümer ist enttäuscht. Der Schuppen wird abgerissen, sagt er, und woanders neu gebaut. Ihm erscheine das Baurecht widersinnig.

Die eingestürzte Schwarzbau-Halle

Vor bald zwölf Jahren stürzte die Eislaufhalle ein. 15 Tote gab es in Bad Reichenhall (Kreis Berchtesgadener Land) zu beklagen. Unter der Last der Schneemassen war die Halle zusammengebrochen, unter den Opfern waren zwölf Kinder. 34 Menschen wurden verletzt. Nach dem Einsturz wurde bekannt, dass es sich bei der Halle um einen Schwarzbau gehandelt hatte. Bis die Schuldfrage geklärt war, dauerte es Jahre.

Die TutzingerToranlage

Meterlang und aus Stahl: So hat sich ein Grundstückseigentümer in Tutzing (Kreis Starnberg) sein Hoftor vorgestellt. Als Toranlage hat er sie gebaut. Einen Antrag hatte er gestellt, der aber war abgelehnt worden: Das Rathaus wollte keinen massiven Riegel. Doch der Eigentümer hat Tatsachen geschaffen. Im Bauausschuss wollen nun einige dagegen vorgehen und den Schwarzbau rückgängig machen lassen. Nicht nur, weil es manche an die „Abschottung von Hausbesitzern in Miami“ erinnert. Sondern auch, weil sich die Kommunalpolitiker missachtet fühlen.

MünchensMondscheinsiedlung

Nicht immer geht es schlecht aus für Schwarzbauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in Zeiten größter Wohnungsnot, wurden wieder Grundsteine gelegt. Allerdings ohne Baugenehmigung, und etliche dieser Siedlungen wurden auch in München hochgezogen. Erst Jahrzehnte später hat die Stadt diese sogenannten illegalen Mondscheinsiedlungen, gebaut nach der Arbeit, in der Nacht, nach und nach legalisiert. Wie viele dieser Siedlungen es bayern- oder gar bundesweit gibt, wissen die für Bau zuständigen Ministerien von Bund und Freistaat nicht. Die wohl letzte dieser Siedlungen in München, „Am Dratfeld“, ist seit vergangenem Jahr legal. Jahrzehntelang haben die Menschen auf endgültige Anerkennung gehofft und vor der Abrissbirne gebangt. „Ich habe schon oft Schiss gehabt“, sagt Maria Knäbl, eine der Bewohnerinnen. „Wir haben mal einen Abrissbescheid gekriegt in den 80er-Jahren.“ Zwei Wochen später sei die Sache zwar vom Tisch gewesen, aber „da waren wir ganz schön aufgebracht“. Einige dieser Bauten hat es auch tatsächlich erwischt.

Herrschings illegale Gartenhäuschen

Auch mehr als zwei Dutzend Gartenhäuschen haben Glück, zumindest noch für ein paar Jahre. An die 30 dieser Häuschen, illegal errichtet, und noch dazu im Landschaftsschutzgebiet. Trotzdem hat diese Schwarzbau-Siedlung in Herrsching am Ammersee (Kreis Starnberg) eine lange „Gnadenfrist“ bekommen, bis Ende 2023. Darauf einigten sich die Eigentümer der Schrebergarten-Siedlung und das Landratsamt. Sie zogen ihre Klagen gegen die Beseitigungsanordnung der Behörde zurück. Dafür bekamen sie zugesichert, dass ihre bis zu 60 Jahre alten Häuschen noch ein paar Jahre bestehen bleiben dürfen.

Sophie Rohrmeier

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