Schwarze Schafe bei der Mitfahrzentrale

München/Düsseldorf – Praktisch, umweltfreundlich, günstig: Mitfahrzentralen sind eine beliebte Alternative zu Bahn oder Flugzeug. Doch nun tauchen immer mehr schwarze Schafe auf, die die Portale für gewerbliche Fahrten missbrauchen – und das Leben der Mitfahrer gefährden.

Von Wuppertal nach München, über Düsseldorf, Köln und Bonn – und dann wieder zurück. Jeden Tag 1324 Kilometer hinter dem Steuer. So verdiente ein 41-jähriger Iraker in den vergangenen Wochen sein Geld. Über Mitfahrzentralen bot er den Fahrdienst an, tägliche Abfahrt pünktlich um 9 Uhr in Wuppertal und um 16.30 Uhr in München. Dafür strich der Mann 30 Euro pro Person und Fahrt ein – bei vollbesetzten Kleinbussen kein schlechtes Geschäft.

Das ihm nun erst einmal vermiest wurde. Am vergangenen Mittwoch standen bei der Abfahrt am Münchner Hauptbahnhof pünktlich um 16.30 Uhr Beamte der Verkehrspolizei bereit. Sie ließen die sechs Fahrgäste aus dem Fahrzeug des Irakers aussteigen – und kamen der lukrativen Rückfahrt in die Quere.

„Der Mann ist kein Einzelfall mehr“, sagt Heinrich Schuster, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern. Solche schwarzen Schafe unter den Anbietern der Mitfahrzentralen in Deutschland erwischt die Polizei immer wieder. Menschen, die bewährte und viel genutzte Portale für ihr illegales Transportgewerbe missbrauchen. Allein in den vergangenen vier Wochen haben die Münchner Beamten vier auffällige Personen kontrolliert.

Die sechs potenziellen Kunden, die in München bleiben mussten, hatten also Glück: Die Polizei vermutet, dass der Fahrer wegen seines „ambitionierten Fahrplans“ oft übermüdet fuhr. „Autofahren ist einfach eine gefährliche Sache“, sagt Schuster. „Nicht umsonst gibt es Regeln wie Lenk- und Ruhezeiten.“

Regeln, von denen einige illegale Fahrer offensichtlich nicht viel halten. „Manche werden dazu nur einmal ermahnt, und hören dann sofort wieder auf“, berichtet Schuster. „Bei anderen hat man das Gefühl, dass das Ganze organisiert aufgezogen wird.“ Mit geliehenen Fahrzeugen und Inseraten bei verschiedenen Zentralen.

Auch der 41-jährige Iraker hatte Kleinbusse bei Autovermietungen besorgt und andere Fahrer angeworben. Sein Versuch, bei den Mitfahrportalen unerkannt zu agieren, indem er immer neue Namen angab, scheiterte jedoch letztendlich an der Telefonnummer – er gab konstant dieselbe an. Nun muss der 41-jährige Fahrer mit einem Bußgeld rechnen.

Die Mitfahrzentralen kennen das Problem schon länger. Solche schwarzen Schafe seien aber im Vergleich zur großen Zahl an legalen Nutzer sehr selten, erklärt ein Sprecher der Firma carpooling.com. Sie unterhält in Deutschland die Internetseite mitfahrgelegenheit.de. Unter den rund eine Million Nutzern monatlich sei die Zahl der illegalen Fahrer „sehr sehr klein“, so der Sprecher. Er versichert jedoch: „Wenn Nutzer sich beschweren, dann schreiten wir sofort ein.“

Auch die Behörden hören bei Beschwerden von Mitfahrern genau hin – bei Beschwerden, weil der Fahrer müde wirkte, weil anstatt eines Autos plötzlich ein Kleinbus da stand, oder weil ein Mitfahrer einfach ein ungutes Gefühl hatte. Diese Hinweise sind für die Regierung von Oberbayern und die Polizei wichtig, die die illegalen Fahrer weiter konsequent verfolgen wollen, so Schuster: „Die Nutzer können sich jederzeit bei uns melden.“

Nina Praun

Rubriklistenbild: © dpa

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