Ein „Schwarzmarkierer“ malt im Nationalpark Berchtesgaden mit Kunstharzfarbe inoffizielle Wegweiser. Damit legt er falsche Fährten und verärgert Wanderer. 

Schwarzmarkierer malt falsche Fährten

Berchtesgaden - Ein „Schwarzmarkierer“ malt im Nationalpark Berchtesgaden mit Kunstharzfarbe inoffizielle Wegweiser. Damit legt er falsche Fährten und verärgert Wanderer. 

Die Handschrift ist immer die gleiche: tellergroße rote Farbkreise. Ein „Schwarzmarkierer“ treibt im Nationalpark Berchtesgaden sein Unwesen. Bereits vergangenes Jahr hat er Wanderer mit inoffiziellen Wegweisern auf falsche Fährten gelockt. Michaela Künzl, Leiterin Naturschutz der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, warnt vor den Gefahren: „Besucher werden plötzlich auf ein Gelände geschickt, das sie überfordert“, sagt sie. „Oder sie verlaufen sich, schaffen es vor der Dunkelheit nicht mehr zurück.“

Betroffen ist vorwiegend das Gebiet im Klausbachtal mit den Gebirgsstöcken Hochkalter und Reiter Alpe. An der Westseite des Hochkalters endet ein Steig in einer Höhe von rund 1900 Metern mitten im steilen Schrofengelände. Der Nationalpark hat in diesen Gebieten Verkehrssicherungspflicht. Und das Entfernen der Markierungen ist schwerste Handarbeit: „Letztes Mal haben wir sie mit Drahtbürsten von den Felsen gekratzt“, sagt Künzl. Jetzt überpinselt die Parkverwaltung mit einem Grauton die Kleckse. Rund 800 Markierungen warten auf Wegereferent Lorenz Köppl. „Wir haben es mit einem Profi zu tun, der hartnäckige Kunstharzfarbe verwendet“, so Köppl.

Er schätzt den Schaden auf 10 000 Euro. Die Arbeiten beginnen heute. Verärgert ist auch Rudi Fendt, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau, in deren Einsatzgebiet der „Maler“ seine Spuren hinterließ. „Es ist gefährlich und vorsätzlich“, wettert er. Ohnehin verstiegen sich in dieser Region häufig Leute. Kletterunfälle, Abstürze oder Wanderer, die in ein Gewitter kommen, holt die Bergwacht zu Fuß oder mit dem Hubschrauber ab. „Das ist ein großer Aufwand“, sagt Fendt. Als Motiv für die Tat vermutet er „eine Protestaktion gegen den Nationalpark“. Eine Annahme, die auch durch die Parkverwaltung geistert: „Jemand will zeigen, dass es mehr Möglichkeiten gibt, sich in dem Gelände zu bewegen“, sagt Künzl.

Die offiziellen Wege seien aber wichtig, da sie Besucher um Brut- und Balzplätze von gefährdeten Tieren wie Auerhühnern, Gämsen sowie Steinadlern leiteten. Trampelpfade durch empfindliche Pflanzen, die wie die Krumm-Segge nur einen Millimeter pro Jahr wachsen, sollen dadurch vermieden werden. Die Polizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung und vermutet einen oder mehrere Täter, die sich im Gebirge auskennen. Für Hinweise hat die Nationalparkverwaltung eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.

Von Marlene Kadach

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