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„Snus“ für alle. Henrik Olsson vom Hersteller „Swedish Match“ plädiert für eine Freigabe des Lutschtabaks.

Lutschtabak-Offensive - Kampf um Drogenfreigabe

München - Es enthält Nikotin - und ist verboten. Die Rede ist von Lutschtabak, von „Snus". In manchen Kreisen ist die Droge auch in Bayern begehrt. Jetzt starten die schwedischen Produzenten eine Offensive. Sie wollen die Legalisierung.

Droht dem Schnupftabak Konkurrenz aus dem Ausland?

Zehn Prozent aller erwachsenen Schweden tun es. Sie klemmen sich ein kleines Beutelchen mit Tabak unter die Lippe. Seit Jahrhunderten machen das die Skandinavier jetzt schon, sie „snusen“. Der Lutschtabak ist eine Volksdroge. Während der Zigarettenkonsum in dem Land zurückgeht, steigt die Nachfrage nach Snus.

Der nächste Schritt? Die Schweden wollen auch Deutschland erobern. Sie wollen ihnen das Snusen beibringen. In bestimmten Kreisen ist der Lutschtabak bereits heute in Bayern beliebt, unter Snowboardern, heißt es beispielsweise bei Drogenberatungsstellen, oder unter Eishockeyspielern.

Snus ist offensichtlich im Kommen. Es gibt nur ein Problem für Snus-Hersteller wie „Swedish Match“: Man darf die Droge in Deutschland zwar konsumieren, allerdings ist der Verkauf verboten, lediglich Internetshops schaffen Abhilfe. Eine Sache, die Henrik Olsson, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei „Swedish Match“, mächtig wurmt. Schnupftabak, Pfeife, Zigarren, Zigaretten - alles erlaubt in Bayern. Nur Snus nicht. Olssons Argument: Klar, Snus ist gesundheitsschädlich, „allerdings 90 Prozent weniger als Zigaretten“, sagt er bei seinem Besuch in München. Und: „Es besteht kein Zusammenhang zwischen Krebs und Snus.“ Das hätten Studien bewiesen. Zudem könne man sich per Lutschtabak das Rauchen abgewöhnen. Snus ist seiner Meinung nach die bessere Droge, die „gesündere“. Bei seinem EU-Beitritt hat Schweden extra eine Sonderregelung ausgehandelt: Snus ist in dem Land weiterhin erlaubt, aus Tradition gewisserweise, während es in der restlichen EU verboten ist. Demnächst will die Europäische Union ihre Tabak-Richtlinien überarbeiten. Die Lutschtabak-Hersteller hoffen auf eine Liberalisierung, die Chancen sind jedoch gering. Die jetzigen Regelungen seien ein Hindernis für den freien Handel, sagt Olsson. „Sollen die Verbraucher doch entscheiden.“ Gleichwohl weiß der Lobbyist: „Tabak ist heutzutage ein kontroverses Thema.“

Geht es nach Kathrin Sonnenholzner, Ärztin und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, dann soll der Lutschtabak bleiben, wo er ist. Nämlich im Verbotsschrank. Sie halte die Argumentation der Snus-Hersteller für „zynisch“, dieses Zeug, das „krebserregende Stoffe“ enthalte, in der Rauchentwöhnung einzusetzen. „Nach meiner gesundheitspolitischen Einschätzung fände ich es nicht gut, wenn die EU ihre Richtlinie verändern würde.“

Sieht schlecht aus für die bayerischen Snuser, vorsichtshalber beackert „Swedish Match“ bereits neue Märkte, Taiwan, Kanada und Russland.

Stefan Sessler

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