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Stand: 29. Oktober 2009

Zahl der Neuerkrankungen steigt - speziell in Bayern

Schweinegrippe: Impfbereitschaft steigt

München - Die Zahl der Neuerkrankungen bei der Schweinegrippe steigt – speziell in Bayern. Nach weiteren Grippetoten in Deutschland scheint Bewegung in die schleppende Impfbereitschaft gekommen zu sein.

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„Es war ein unglaublicher Ansturm“, berichtet Dr. Christian Sailer aus München über seinen gestrigen Arbeitstag. Nicht nur an erkrankten Patienten, sondern auch an Impfinteressenten – deutlich mehr Anmeldungen als in der gesamten vergangenen Woche hat der Internist allein am Montag erhalten. Heute ist die erste Impfstunde angesetzt. Zehn Patienten hat er dafür eingetragen. Die Vorbehalte gegenüber der Impfung scheinen nachzulassen. Das mag an den jüngsten Meldungen über den Verlauf der Schweinegrippe in der Ukraine liegen – und auch in Deutschland. Das Robert-Koch-Institut in Berlin berichtet von einem deutlichen Anstieg der Neuerkrankungen. Von den 3075 neu gemeldeten Fällen in der vergangenen Woche stammt über die Hälfte (1609) aus Bayern – auf Platz zwei liegt Nordrhein-Westfalen mit lediglich 464 Erkrankten.

Zuverlässig seien diese Zahlen jedoch nicht, mahnt Professor Christian Drosten von der Bonner Universitätsklinik: „Nicht jeder Patient wird auf Schweinegrippe getestet, da das im Gesundheitssystem so nicht zu bezahlen wäre.“ Die verfügbaren Schnelltests zeigten das Virus zudem nur schlecht an.

Das Robert-Koch-Institut befürchtet nun, dass in den kommenden Wochen mit einer „steigenden Zahl schwerer und tödlicher Krankheitsverläufe zu rechnen“ sei. Schon am vergangenen Freitag wurde über drei weitere Todesfälle berichtet, darunter eine Frau, die – im Gegensatz zu den bisherigen Opfern – keine klassische Vorerkrankungen aufgewiesen hatte.

Überraschend sei dieser Fall nicht, sagt Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Er sieht diesen Todesfall als Warnsignal. Deutschland sei bislang das Land mit den wenigsten schweren Verläufen gewesen, „aber wenn wir mehr Fälle in Deutschland haben, werden auch die schweren Fälle zunehmen“. Deshalb empfiehlt er: impfen.

Besonders bei Eltern scheint dieser Rat angekommen zu sein. Der Münchner Kinderarzt Dr. Heinz Reiniger hatte in der gesamten letzten Woche 30 Impfkandidaten, nun sind schon allein für den morgigen Tag 30 Impfungen eingeplant. Am Freitag wird der nächste Schub an Patienten geimpft.

Die Regionen rund um München müssen teilweise jedoch noch mit Verzögerungen bei der Impfstofflieferung kämpfen. Iris Meier aus dem Landkreis Dachau hat bereits eine kleine Odyssee hinter sich – geimpft ist sie aber immer noch nicht: „Ich habe einfach keine Möglichkeit dazu.“ Die 54-Jährige aus Odelzhausen hat schlichtweg bisher keinen Arzt in ihrer Umgebung gefunden, der über Impfstoff verfügt.

Möglicher Grund für die Lieferschwierigkeiten sind Unstimmigkeiten bei der Finanzierung der Impfstoffe, die erst am Freitag geklärt wurden. Vergangene Woche hieß es noch, dass alle bayerischen Apotheken für den Impfstoff in Vorkasse gehen müssten – anders als ihre Kollegen in den übrigen Bundesländern. Doch nun übernimmt das bayerische Gesundheitsministerium die Kosten. So dürfte der Impfstoff demnächst flächendeckend verfügbar sein.

Nina Praun

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