Schweinegrippe: Infektionsherd Schülerreisen

Es ist schon auffällig. Die meisten Fälle von Schweinegrippe betreffen Gymnasiasten der oberen Jahrgangsstufen. Kindergärten und Grundschulen sind bisher weitgehend verschont geblieben. Warum trifft es gerade diese Schülergruppe?

Die Wochen vor den Sommerferien werden gerne für Klassenfahrten genutzt. Spanien war heuer bei vielen Oberstufengruppen ein beliebtes Reiseziel. Ein Mitbringsel aus dem Urlaub hatte es jedoch in sich. Einige Schüler aus Oberbayern hatten sich mit Schweinegrippe infiziert. In nur kurzer Zeit mussten immer mehr Schulen oder – je nach Fallzahl – einzelne Jahrgangsstufen in die Zwangsferien geschickt werden.

„Das Risiko, sich im Ausland – insbesondere in Spanien – anzustecken, ist erheblich höher als bei einem Ausflug hier in der Region“, erklärt Gerhard Schmid, Leiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt München. Und typischerweise werden diese Auslandsreisen von Oberstufenschülern unternommen. Eine Rolle könne auch spielen, dass Klassenfahrten anstrengend sind und das Immunsystem, etwa durch Schlafmangel, geschwächt sei. Gestern wurden für den Kreis Fürstenfeldbruck die Fälle 14 und 15 gemeldet: Ein Abiturient, der mit Mitschülern auf Ibiza war, und ein 25-Jähriger, der aus dem Mallorca-Urlaub zurückgekommen war. Der Abiturient ist bereits der vierte Infizierte der Gruppe Brucker Schüler. Ein Erkrankter habe erklärt, wenn die Schweinegrippe nach einer Woche Orgie das einzige sei, was er sich eingehandelt habe, sei er sehr zufrieden, berichtetet Rudolf Summer, Leiter des Gesundheitsamtes. Auch in Ottobrunn (Kreis München) waren Infektionen nach der Fahrt der Jahrgangsstufe 12 nach Barcelona ausgebrochen.

„Wir verzeichnen relativ viele junge Fälle Neuer Influenza“, sagt Lea Estel vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Behörde in Erlangen ist die zentrale Meldestelle in Bayern für alle meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Gerade in Ländern, in denen die Neue Influenza stärker verbreitet ist, wie Spanien, sei die sorgfältige Einhaltung der Hygieneregeln besonders wichtig, vor allem bei Gruppenfahrten.

Das Robert Koch Institut hat – wie berichtet – die Vorsichtsmaßnahmen für die Kontaktpersonen von Schweinegrippepatienten, wie Familie und Mitbewohner, gelockert. Nach den ersten Fällen wurde noch die ganze Familie unter Quarantäne gestellt, erklärt Volker Juds, Leiter des Gesundheitsamtes Garmisch-Partenkirchen. Man schütze nur noch Gruppen wie Kranke, Säuglinge und Schwangere. Gründe für die Lockerungen seien, dass die Ansteckungsgefahr niedriger sei als bisher. Sollte das so bleiben, vermutet Rudolf Summer, könnte es gut sein, dass künftig nicht mehr wie bisher eine komplette Klasse zuhause bleiben muss, nur weil es einen Krankheitsfall gibt.

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