Schweinegrippe sorgt für Überstunden

München - Die Sicherheitsvorschriften zur Schweinegrippe lassen die Gesundheitsämter im Freistaat rotieren. Nur mit Überstunden ist die Arbeit noch zu schaffen, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Ob er aufgrund der Schweinegrippe mehr Personal zur Verfügung gestellt bekommt? Hermann Büchner lacht schallend los. „Wir müssen die Arbeit natürlich mit dem bestehenden Personal bewältigen“, sagt der Leiter des Gesundheitsamts Ebersberg. Er hatte bisher fünf positive Fälle im Landkreis und musste sogar das Gymnasium in Markt Schwaben mehrere Tage schließen. Viele Anrufe von informationswilligen Bürgern, zuletzt vor allem Eltern und Schülern, kosten Zeit. „Es bleibt einiges liegen und ist nur mit Überstunden zu bewältigen. Ich zum Beispiel war auch Samstag und Sonntag mehrere Stunden hier“, sagt Büchner.

Von Überstunden können auch die Mitarbeiter am Gesundheitsamt Erding (drei Fälle) ein Liedchen singen. Vor allem die Ermittlung aller Personen, die sich bei einem Schweinegrippe-Infizierten angesteckt haben könnten, kostet zum Teil extrem viel Zeit. „Da macht es schon einen Unterschied, ob jemand die Tage zuvor nur daheim war oder eine Abiturfeier besucht hat“, sagt Landratsamts-Sprecherin Christina Centner. Ein Mitarbeiter kann mit der Ermittlung der Adressen aller Kontakpersonen schon einmal einen ganzen Tag beschäftigt sein.

Weil Erding auch für den Flughafen zuständig ist, war dort am Anfang erheblich mehr Personal notwendig. „Das wurde aus Ämtern aus Schwaben und Niederbayern ausgeliehen, aus München kam leider nichts“, sagt Centner. Mittlerweile wurden die Maßnahmen zurückgefahren, doch noch immer hat ein Mitarbeiter von 8 bis 18 Uhr Präsenzpflicht am Airport. In der übrigen Zeit herrscht Rufbereitschaft. Just gestern wurde auch der erste Grippefall direkt am Flughafen gemeldet – ein Österreicher, der vor dem Heimflug über Beschwerden geklagt hatte.

Auch für die Ärzte bedeutet ein Schweinegrippe-Verdachtsfall umfangreiche Schutzmaßnahmen wie Mundschutz und Schutzkleidung, die gar nicht jeder Arzt in der Praxis habe, sagt Werner Kainzinger, Vorsitzender des Kreis-Ärztebundes Fürstenfeldbruck. Dort gibt es ebenfalls fünf Fälle. Theoretisch drohe sogar eine einwöchige Schließung der Praxis. Büchner versucht, mit einem guten Fax-Verteiler alle örtlichen Ärzte über neue Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Doch bei der Schließung des Gymnasiums waren auch Schüler anderer Landkreise betroffen, da stößt das System an die Grenzen. Und die Zahl der bayernweit derzeit 115 bestätigten Fälle wird wohl noch steigen. Büchner: „Wir führen jetzt schon Debatten, was wir im Winter machen, wenn die normale Influenza dazukommt.“ Aber daran will er lieber noch nicht denken.

Von Boris Forstner und Thomas Steinhardt

Rubriklistenbild: © dpa

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