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In einer Obdachlosenunterkunft in Schweinfurt gab es einen Chemikalien-Fund.

Kontrollierte Sprengung in der Nacht

Chemikalien-Fund in Schweinfurt: LKA gibt weitere Details bekannt

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In einer Schweinfurter Wohnung wurden Chemikalien entdeckt, die zum Bau von Rohrbomben geeignet wären. Nun hat das LKA weitere Details bekanntgegeben.

Update 27. März, 11.55 Uhr 

Der Fund von Chemikalien und Sprengstoff in einer Schweinfurter Obdachlosen-Unterkunft gibt den Ermittlern Rätsel auf. Das Landeskriminalamt (LKA) prüft nun, ob Anhaltspunkte für eine extremistische Tat vorliegen. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf einen 35 Jahre alten Mann. Er sollte noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, wie ein Sprecher des LKA sagte. Der Deutsche war am Montag, als die Polizei das Gebäude abgesperrt hatte, an die Absperrung getreten und hatte gesagt, die Chemikalien gehörten ihm. Daraufhin wurde er festgenommen.

Am Montag hatte es zunächst geheißen, in der Sozial-Unterkunft seien Chemikalien entdeckt worden, die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass auch schon hochexplosiver Sprengstoff dort deponiert war. Ersten Untersuchungen zufolge habe es sich um den Stoff TATP gehandelt, sagte der LKA-Sprecher. Dieser Sprengstoff gilt als sehr instabil und hoch explosiv. Deshalb sei der Sprengstoff vor Ort unschädlich gemacht worden. In einer Grube auf einer Wiese wurde der Sprengstoff in der Nacht zum Dienstag kontrolliert gesprengt; etwa 100 Menschen mussten deshalb ihre Wohnungen vorsichtshalber verlassen. TATP war beispielsweise bei den Pariser Terroranschlägen vom November 2015 von islamistischen Gewalttätern verwendet worden.

Welche Chemikalien sonst noch gefunden wurden, wollte das LKA noch nicht bekanntgeben. Insgesamt stießen die Ermittler auf mehr als 30 Liter Chemikalien und ein Kilo selbst hergestellten Sprengstoff.

Ein Gerichtsvollzieher hatte am Montag die Polizei verständigt, dass er im Rahmen einer Zwangsräumung in der Sozial-Unterkunft etliche Chemikalien entdeckt hatte. Die Wohnung hatte zuletzt eine 30 Jahre alte Frau bewohnt, die vorläufig festgenommen wurde, inzwischen aber wieder auf freiem Fuß ist. Auch zwei weitere Männer, die die Polizei festgenommen hatte, sind wieder frei.

Update 27. März, 10.06 Uhr

In einer Pressemitteilung hat das LKA zum Vorfall in Schweinfurt Stellung genommen. Die Erklärung im Wortlaut:

Verständigte Spezialisten der Technischen Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamtes bestätigten nach einer ersten Inaugenscheinnahme die Gefährlichkeit der aufgefunden Chemikalien, die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind. Die sofort eingeleiteten umfangreichen Ermittlungen zur Herkunft der gefährlichen Stoffe und den Wohnungsinhabern ergaben, dass die Wohnung zuletzt von einer 30-jährigen Frau bewohnt wurde. 

Diese konnte bei ihrem Bruder, einem ebenfalls in Schweinfurt wohnenden 32-Jährigen, angetroffen und vorläufig festgenommen werden. Gegen 13.30 Uhr meldete sich an der Absperrung ein 35-Jähriger und gab an, dass die aufgefundenen Stoffe ihm gehören. Daraufhin wurde dem Mann die vorläufige Festnahme erklärt. Da er einen Rucksack bei sich führte, mussten auch hier umfangreiche Absperrungen durchgeführt werden, bis dieser von den Experten durchsucht und als ungefährlich eingestuft werden konnte. 

Die 30-Jährige gab in einer ersten Befragung an, dass der 35-Jährige auch noch in einem anderen Kellerabteil des Anwesens, das einem 34-jährigen gehört, Chemikalien und Sprengmittel versteckt habe. Dieser 34-Jährige konnte in der Folge gegen 16.00 Uhr im Stadtgebiet Schweinfurt festgenommen werden. Bei der Durchsuchung einer Wohnung fanden die Sprengstoffexperten dann eine größere Menge eines selbst hergestellten, hochexplosiven Sprengstoffes, der nicht gefahrlos abtransportiert werden konnte. 

Deshalb entschieden die LKA-Experten, dass dieser Stoff unter hohen Sicherheitsvorkehrungen auf einem freien Feld in einer extra dafür ausgehobenen Grube kontrolliert gesprengt wird. Dies konnte gegen 21.30 Uhr erfolgreich durchgeführt werden. Gegen 02.15 Uhr kehrten die letzten Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurück, die Durchsuchungen waren abgeschlossen. 

Die Ermittlungen wurden vom Bayerischen Landeskriminalamt übernommen. Nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen wurden noch in der Nacht die 30- jährige Bewohnerin und der 34-Jährige, der im Stadtgebiet Schweinfurt festgenommen wurde, wieder entlassen. 

Der 32-jährige Bruder der Frau war bereits vorher wieder aus dem Gewahrsam entlassen worden. Der 35-Jährige, der sich an der Absperrung selbst gemeldet hatte, wird heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt. 

Insgesamt wurden mehr als 30 Liter verschiedene Chemikalien und ca. 1 kg selbst hergestellter Sprengstoff gefunden und sichergestellt bzw. vernichtet. Alle vier Festgenommen sind deutsche Staatsangehörige. Zu den weiteren Ermittlungen, die von den Sprengstoffermittlern des Bayerischen Landeskriminalamtes geführt werden, können zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben gemacht werden. 

Die Staatschutzabteilung des Bayerischen Landeskriminalamtes ist in die Ermittlungen eingebunden. Derzeit wird ermittelt, ob Anhaltspunkte für eine geplante extremistische Tat feststellbar sind. Insgesamt waren ca. 180 Kräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Johanniter Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst, ASB, SEG, CBRN (E) und mehr als 150 Polizeibeamte im stundenlangen Einsatz.

Update 27. März, 8.45 Uhr

Nach dem Fund von Chemikalien in einer Schweinfurter Obdachlosen-Unterkunft haben Experten Teile des gefährlichen Materials vor Ort gesprengt. Die Chemikalien waren dazu geeignet, Sprengstoff herzustellen. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) gibt es bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Spezialisten des LKA untersuchten die Stoffe, zu denen Details und Herkunft zunächst völlig unklar waren.

Wie ein Polizeisprecher sagte, sei ein Teil der Chemikalien, der nicht transportiert werden konnte, in der Nacht zum Dienstag kontrolliert gesprengt worden. Deshalb hatten zuvor etwa 100 Menschen aus der näheren Umgebung ihre Wohnungen verlassen müssen. In den frühen Morgenstunden konnten sie aber wieder zurückkehren. Die Evakuierung sei problemlos abgelaufen, „die Leute waren gut betreut“, sagte der Sprecher.

Nach dem Fund der Chemikalien hatte die Polizei am Montag zwei Männer und eine Frau festgenommen. Gegen sie wird wegen Verstößen gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz ermittelt.


Update von 20 Uhr: Festgenommene sind deutsche Staatsbürger

Wie die Polizei mitteilt, werden die Chemikalien gerade von Experten untersucht. Sollte es nicht möglich sein, sie zu transportieren, werden die Stoffe im Laufe der Nacht ins Freie gebracht und dort dann unschädlich gemacht. Natürlich in sicherer Umgebung.

Außerdem betont die Polizei, dass in der Unterkunft, in der die Stoffe gefunden wurden, Bedürftige, aber keine Flüchtlinge leben. Bei den Festgenommenen handele es sich um deutsche Staatsangehörige. Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund habe es zunächst nicht gegeben, sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA).

Update 19.33 Uhr: Verdacht gegen Festgenommene erhärtet sich

Bei der Wohnung, in der die Substanzen gefunden wurden, handelt es sich nach Auskunft der Polizei um eine Obdachlosenunterkunft. Die Ermittlungen hinsichtlich der Herkunft und der Bestimmung der Stoffe lief auch am Abend noch auf Hochtouren. In diesem Zusammenhang kam es auch zu Überprüfungen von Personen und deren mitgeführter Gegenstände.

Wie die Polizei Unterfranken am Montagabend auf ihrer Twitterseite schrieb, sei der Einsatz noch im Gange. Bei drei der vier Festgenommenen habe sich der Verdacht erhärtet, dass sie mit den gefundenen Chemikalien zu tun haben könnten.

Update 17.34 Uhr: Suche nach Anschlagsplänen läuft

Bei der Zwangsräumung einer Wohnung wurden im Keller eines Mehrfamilienhauses Chemikalien und Substanzen gefunden, die zusammengesetzt zur Herstellung von Rohrbomben benutzt werden können. Das bestätigte Polizeisprecher Andreas Laake gegenüber merkur.de. 

Laake teilte auf Nachfrage mit, dass vier Personen festgenommen wurde, darunter eine Frau. Diese befanden sich nicht in der Wohnung. Ob sie alle dort gemeldet waren, wollte Laake aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen. 

In einem Radius von rund 200 Metern mussten weitere Wohnhäuser evakuiert werden. Etwa 50 Rettungsdienst-Mitarbeiter sind im Einsatz und betreuen die betroffenen Anwohner im Heim eines Sportvereins. 

Derzeit werde die Wohnung weiter untersucht - auch nach möglichen Anschlagsplänen. Zu einem extremistischen oder islamistischen Hintergrund der Festgenommenen konnte Laake keine Auskunft geben. Bisher sei über Terrorpläne nichts bekannt. „Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen“, so der Polizeisprecher. 

Sprengstoffexperten des LKA sind aus München angereist, um die Stoffe im Keller eingehender zu untersuchen. 

Gefährliche Chemikalien in Schweinfurt entdeckt: Bilder des Einsatzorts

Erstmeldung

Schweinfurt - Offenbar sind die Stoffe bei einer geplanten Räumung der Wohnung in der Euerbacher Straße in Schweinfurth am Montagmorgen von einem Gerichtsvollzieher entdeckt worden. Er verständigte unbestätigten Meldungen vom Einsatzort zufolge die Polizei. 

Die riegelte den Bereich großräumig ab. Dem Vernehmen nach geht der Radius rund 200 Meter um das Gebäude. Nach Medienberichten läuft derzeit eine Evakuierung aller Gebäude innerhalb des Radius. Ein Großaufgebot an Polizeikräften sowie der Rettungsdienst ist vor Ort.

kmm/mag

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