Altes Rathaus Schweinfurt
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Altes Rathaus Schweinfurt

Nordbayerische Industriestadt

Schweinfurt - Stadt und Landkreis

  • vonCarolin Schulz-Osterloh
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Schweinfurt zählt zu den wohlhabendsten Regionen in Bayern. Sowohl die Industrieproduktion als auch Land- und Forstwirtschaft tragen dazu bei.

  • Im Laufe der Geschichte gehörte Schweinfurt zu wechselnden Herrschaftsbereichen.
  • Schweinfurt war im Zweiten Weltkrieg ein bedeutender Rüstungsstandort.
  • Nach der Wiedervereinigung haben Stadt und Landkreis eine zentrale Lage in Deutschland.

Schweinfurt – Am 11. April 1945 nahmen Truppen der US-Army die Stadt ein. Zuvor wurde Schweinfurt massiv bombardiert, weil die Industriestadt kriegswichtige Rüstung produzierte. Die Wehrmacht baute eine leistungsstarke Fliegerabwehr auf. Am „Black Thursday“, dem 14. Oktober 1943, verlor die US-amerikanische Luftwaffe 60 B17-Bomber mit rund 600 Männern. Dies stellte die größte Niederlage der US-Airforce im Zweiten Weltkrieg dar. Um an Gedenkfeiern gemeinsam mit Schweinfurtern Bürgern teilzunehmen, kommen bis heute Angehörige der US-amerikanischen Streitkräfte regelmäßig zum Jahrestag der Schlacht in die Stadt.

Schweinfurt: Lage und Geografie

Der Landkreis Schweinfurt bildet die Mitte der Region Mainfranken und grenzt an die Bundesländer Hessen, Thüringen sowie Württemberg. Das Gebiet wird durch die Mittelgebirge Haßbergen, Vorrhön, Steigerwald und Gramschatzer Wald eingefasst. Der Main durchfließt den Landkreis und bildet hier mit seinen zwei Schenkeln das Maindreieck. Der Berg Laubhügel stellt mit einer Höhe von über 500 Metern die höchste Erhebung in dieser Region dar. Der Landkreis Schweinfurt hat eine Fläche von 841 Quadratkilometern. Die kreisfreie Stadt Schweinfurt wird vollständig vom gleichnamigen Landkreis umschlossen und erstreckt sich über eine Fläche von knapp 36 Quadratkilometern. Sie liegt auf einer Höhe von 226 Metern. Seit der deutschen Wiedervereinigung hat Schweinfurt verkehrstechnisch eine zentrale Lage.

Schweinfurt: Die Geschichte von den Anfängen bis ins Hochmittelalter

Die Geschichte Schweinfurts reicht weit in die Frühzeit zurück: Bereits während der letzten Eiszeit war die Region des heutigen Landkreises besiedelt. Auch für die verschiedenen Epochen der Steinzeit sowie der Eisenzeit liegen archäologische Fundstücke vor, die auf menschliche Siedlungen in der Gegend von Schweinfurt schließen lassen. Um 500 v. Chr. ließen sich Germanen und Kelten hier nieder.

Im frühen Mittelalter eroberten Franken den Schweinfurter Raum und christianisierten die dort lebenden Menschen. Die erste urkundliche Nennung der Stadt Schweinfurt ist für die Mitte des 8. Jahrhunderts überliefert. Im 10. Jahrhundert errichteten die Markgrafen von Schweinfurt eine Burg auf dem Berg Peterstirn. Die Schweinfurter Markgrafen stiegen in den folgenden Jahrzehnten zum mächtigsten Adelsgeschlecht Nordbayerns auf. Nach einer Auseinandersetzung mit dem deutsch-römischen Kaiser in der „Schweinfurter Fehde“ verloren die Markgrafen um die Jahrtausendwende ihre gesamten Ländereien.

Schweinfurt: Die Geschichte vom Ende des Mittelalters bis in die Neuzeit

Ein Teil der Region Schweinfurt geriet im weiteren Verlauf der Geschichte in den Einflussbereich des Hochstifts Eichstätt. Im 12. Jahrhundert gründeten die Staufer eine neue Stadt und siedelten die Bewohner der bisherigen Siedlung um. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Schweinfurt erstmals als Reichsstadt erwähnt. In dieser Zeit kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den fränkischen Grafen von Henneberg und dem Würzburger Bischof, die zur Zerstörung der Stadt führten. 1542 wandten sich die Bürger Schweinfurts vom katholischen Glauben ab und dem reformierten Bekenntnis zu. Wenige Jahre später kam es zu einem erneuten Kampf zwischen den Grafen von Henneberg und katholischen Institutionen, den Hochstiften, um die Vorherrschaft in der Region. Wiederum wurde Schweinfurt zerstört. Anfang des 17. Jahrhunderts erfolgte der Beitritt Schweinfurts zur Protestantischen Union.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) war Schweinfurt abwechselnd von schwedischen und kaiserlichen Truppen besetzt, dabei blieb die Stadt weitgehend unzerstört. Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in Schweinfurt erste Industriebetriebe.

Schweinfurt: Die Geschichte vom 19. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Durch den am 25. Februar 1803 in Regensburg gefassten Reichsdeputationsbeschluss wurde Schweinfurt ein Teil Bayerns – gegen den Willen vieler Bürger. In der Zeit von 1810 bis 1814 stand die Stadt im Besitz von Würzburg. Danach wurde Schweinfurt ins Königreich Bayern integriert.

Die Entwicklung zur Industriemetropole wurde durch den frühen Anschluss ans Eisenbahnnetz begünstigt: Bereits 1852 wurde die Strecke Schweinfurt-Bamberg eröffnet. Innerstädtisch übernahm die Straßenbahn die Verbindung von Zentrum und Bahnhof.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in der Weimarer Republik wie in vielen anderen Teilen Bayerns zu politischen Unruhen. In den Zwischenkriegsjahren stieg Schweinfurt zu einem führenden Industriestandort für die metallverarbeitende Branche auf. Die Walzlager-Produktion stellte einen wichtigen Zweig der Rüstungsproduktion dar. Aus diesem Grund wurde Schweinfurt im Zweiten Weltkrieg von den alliierten Luftkräften intensiv angegriffen, die Stadt hatte jedoch eine hervorragende Luftverteidigung. Bei einem Angriff im August und Oktober 1943 erlitt die US-Airforce große Verluste.

Schweinfurt: Die Geschichte bis zur Gegenwart

In der Nachkriegszeit wurde Schweinfurt zu einem wichtigen Standort der US-Truppen. Die Wirtschaft wuchs kontinuierlich bis zur Ölkrise und dem damit verbundenen Konjunktureinbruch in den 70er-Jahren. In den 90er-Jahren kam es zu einem erneuten wirtschaftlichen Aufschwung. Aufgrund ihrer zentralen Lage entwickelte sich die Region Schweinfurt in den Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu einem bedeutenden Logistik-Standort. Dies wurde auch durch den Neubau der Autobahn A71 von Erfurt nach Schweinfurt gefördert. Darüber hinaus wurden von der Deutschen Bahn mehrere neue ICE-Verbindungen von und nach Schweinfurt eröffnet.

Schweinfurt: Die Entstehung des Landkreises

Der Landkreis Schweinfurt in seiner heutigen Form existiert seit der großen bayerischen Gebietsreform am 1. Juli 1972. Wie zahlreiche andere bayerische Landkreise entstand er durch die Zusammenlegung von mehreren Gemeinden, um eine effizientere Verwaltung zu ermöglichen. Die folgenden ehemaligen Landkreise gingen zu mehr oder weniger großen Teilen im neu gegründeten Landkreis Schweinfurt auf:

  • Gerolzhofen
  • Karlstadt
  • Hammelburg
  • Bad Kissingen
  • Hofheim in Unterfranken

Die kreisfreie Stadt Schweinfurt übernahm die Funktion des Verwaltungssitzes des neuen Landkreises.

Schweinfurt: Einwohner und Verwaltung

Der Landkreis Schweinfurt hat 115.445 Einwohner. In der Stadt Schweinfurt leben 53.426 Personen. Die Bevölkerungsdichte liegt hier bei 1.497 Einwohner je Quadratkilometern, im Landkreis liegt sie bei 137 Personen (Stand 31. Dezember 2019).

Der Landkreis Schweinfurt besteht aus 29 Gemeinden, unter anderem:

  • Dittelbrunn
  • Donnersdorf
  • Michelau im Steigerwald
  • Poppenhausen
  • Schonungen
  • Sulzheim
  • Werneck

Die Stadt Schweinfurt hat keine verwaltungstechnische Gemeindegliederung, sondern nur eine Einteilung in 26 statistische Bezirke.

Schweinfurt: Politik und Wirtschaft

Die Politik im Landkreis Schweinfurt wird seit Jahrzehnten maßgeblich von der Partei CSU bestimmt. In der letzten Kommunalwahl 2020 sicherte sie sich 25 von 60 Sitzen im Kreistag. Zweit- und drittstärkste Kraft wurden die SPD mit elf und die Freien Wähler mit zehn Sitzen. Seit 2013 hat Florian Töpper von der SPD das Amt des Schweinfurter Landrats inne.

In der kreisfreien Stadt Schweinfurt gewann ebenfalls die CSU die letzten Kommunalwahlen und errang 17 der insgesamt 44 Sitze des Stadtrats. Die SPD erhielt acht und die Grünen sechs Sitze. Die Wahl zum Oberbürgermeister gewann Sebastian Remele von der CSU.

Die Stadt Schweinfurt ist ein großer Industrie- und Logistik-Standort. Unter anderem unterhalten die folgenden Unternehmen ihren Sitz beziehungsweise Produktionsstätten in der fränkischen Stadt:

  • Carl Kühne KG
  • Bosch Rexroth
  • Schaeffler KG
  • Fresenius Medical Care

Auch im Landkreis Schweinfurt sind einige größere Unternehmen ansässig, vor allem im südlichen, an die Stadt angrenzenden Industriegebiet. Ansonsten ist der Landkreis landwirtschaftlich geprägt und dient als Wohnort von Pendlern sowie als Naherholungsgebiet.

Schweinfurt: Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sowohl die Stadt als auch der Landkreis Schweinfurt bieten zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten. So können Einheimische und Touristen die folgenden Museen besuchen:

  • Brauhausmuseum (Fuchsheim)
  • Passionsmuseum (Sommersdorf)
  • Museum Georg Schäfer (Schweinfurt)
  • Kunsthalle Schweinfurt

Der Landkreis Schweinfurt hat verschiedene Naherholungsgebiete mit ausgedehnten Wanderwegen, dazu zählen die Naturparks Haßberge und Steigerwald.

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