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Sebastian Frankenberger erzürnte mit seinem Volksbegehren Millionen Raucher.

Großes Interview

Frankenberger: Mein Leben nach dem Rauchverbot

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München - Sebastian Frankenberger initiierte 2007 das Volksbegehren, welches Bayerns Gaststätten und Kneipen frei von Rauchgestank machte. So geht es ihm heute.

Als wir Sebastian Frankenberger (35) gestern am Telefon erreichen, sitzt er grad vor einem Teller Sauerkraut in einem Restaurant in der Wachau. „Das ist das einzige Vegetarische, das sie haben. Ich bin schon eine Spaßbremse“, grinst er. Das war er für Millionen Raucher. Er war das Gesicht zum Verbot. Wie sieht’s mittlerweile aus?

Herr Frankenberger, würden Sie heute alles wieder genauso machen?

Sebastian Frankenberger: Ja. Vielleicht bis auf ein paar Kleinigkeiten. Ich hätte das Ganze ruhiger angehen lassen sollen.

Das heißt?

Wir leben in einer Medienwelt, und die braucht Köpfe. Ich war zu sehr im Mittelpunkt der Kampagne. Die Frage ist allerdings: Hätten wir ohne mein Gesicht eine Chance gegen den übermächtigen Gegner gehabt?

Was waren die schlimmsten Erlebnisse nach dem Durchsetzen des Rauchverbots?

In der Hochphase gab’s, Hass, Hetze und Morddrohungen. Ich war damals bei der Passauer Polizei, die mit mir die ernst zu nehmenden Drohungen per Mail und Post herausgefiltert hat.

Dennoch hatten Sie stets Ihre Adresse und Ihre Handynummer im Internet stehen …

Ja, das war und ist mir wichtig. Allerdings hatte ich in meiner Passauer Wohnung, in der ich immer noch lebe, eine Alarmanlage installieren lassen. Das war in der Zeit, wo auch aus der eigenen Partei, der ÖDP, extreme Anfeindungen kamen. Als dann beim Aufstellen der Europaliste im Herbst 2013 etliche Intrigen und Falschaussagen auf mich einprasselten, habe ich gesagt: Diese Grabenkämpfe mache ich nicht mehr mit.

Und damit ist das Thema Politik abgeschlossen?

Sag niemals nie. Ich halte die ÖDP nach wie vor für die Partei mit den besten Inhalten, aber ich kann mit der Führungsebene nichts anfangen. Mittlerweile machen mir die Passauer Grünen und auch die CSU Avancen.

Sogar die CSU?

Der Tourismusdirektor im österreichischen Linz und ich arbeiten beruflich sehr eng zusammen (siehe unten). Er ist Stadtrat der CSU in Passau. Die Partei ist sehr engagiert und nicht zu vergleichen mit dem regierenden Rathaus-Schnarchverein rund um die SPD.

Frankenberger: „Ich hatte lange eine Therapie“

Hatten Sie in der dunklen Zeit professionelle Hilfe?

Nicht nur da, ich habe schon lange eine Therapeutin. Während man in diesem ganzen Strudel drinsteckt, kriegt man den Stress gar nicht so mit. Aber danach, wenn man alles realisiert hat, die ganzen Morddrohungen, Anfeindungen, Kneipen- und Bierzeltrauswürfe – da habe ich die Therapie sehr gebraucht.

Sagt Ihnen Christa Strixner noch was? Die hatte Ihnen in der Münchner Kult-Boazn „Geierwally“ mal den Eintritt verwehrt.

Mich sieht man seit zwei Jahren in Deutschland so gut wie nicht mehr. Und Bayern ist nicht mehr meine Heimat. Sogar die eigene Partei wollte, dass ich das Land verlasse. Aber ich bin froh, dass ich mittlerweile fast nur noch gelobt werde – auch heute noch erhalte ich E-Mails mit dankbaren Worten. Der Rauch hat sich verzogen, ganz klar. Übrigens auch gerade im Winter erhalte ich viel positive Rückmeldung.

Wie kommt das?

Weil dann viele deutsche Touristen in Österreich beim Skifahren sind und erst jetzt wieder merken, wie schön es in Bayern ist, wo keiner mehr in den Wirtschaften qualmen darf. Übrigens soll am 1. Januar 2018 das Rauchverbot auch in Österreich kommen. Aber sicher ist das für mich noch nicht. Bei der österreichischen Politik weiß man ja nie …

Das macht Frankenberger heute

Sebastian Frankenberger hat sich aus der Politik vorerst zurückgezogen - er leitet heute Reisegruppen. So war er 2016 in Barcelona, Moskau, Schottland und Italien. Er macht kostümierte Stadtführungen in Linz, ist auch in der Notfall-Seelsorge tätig - und Branchensprecher von Austria Guides, also Delegiertensprecher der österreichischen Wirtschaftskammer.

Die Shisha-Bars freuen sich

Shisha-Bars schießen aus dem Boden. Wasserpfeifen sind legal, weil sie nicht rauchen, sondern dampfen. Ob Passivrauchen bei Wasserpfeifen gefährlich ist, steht noch nicht fest. Allerdings belegen Studien, dass man über die Wirkung der Zusatzstoffe noch viel zu wenig weiß. Das Fachjournal Public Health Reports fasst das Ergebnis von 17 Studien zum Tabakrauchen so zusammen: „Shisha-Raucher sind hohen Giftmengen ausgesetzt.“ Der Verkauf von Pfeifen- und Shisha-Tabak stieg im Vorvorjahr im Vergleich zu 2014 um fast 30 Prozent.

Rauchen in Gaststätten: So halten es die anderen Bundesländer

Baden-Württemberg: Erlaubt: abgetrennte Raucherräume mit weniger als 75 Quadratmetern, hier lediglich kalte Speisen zum Verzehr.

Berlin: Nebenräume, Servierverbot.

Brandenburg: Abgetrennte Raucherräume, gilt nicht in Diskotheken.

Bremen: Abgetrennte Raucherräume zulässig.

Hamburg: Rauchverbot. Ausgenommen Bars und Einraumkneipen mit weniger als 75 Quadratmetern, die ausschließlich Getränke ausschenken.

Hessen: Rauchverbot. Einraumkneipen dürfen Rauchergasttätten sein – wenn nicht großer als 75 Quadratmeter, nur kalte und einfache warme Speisen.

Mecklenburg-Vorpommern: Rauchen in kleinen Eckkneipen erlaubt, in Spielhallen und Spielbanken verboten.

Niedersachsen: Rauchverbot.

Nordrhein-Westfalen: Bisherige Ausnahmen und Schlupflöcher vom Rauchverbot sollen geändert werden.

Rheinland-Pfalz: Rauchen erlaubt in abgetrennten Nebenräumen und Einraumkneipen, falls sie vom Inhaber selbst geführt werden.

Saarland: Rauchverbot.

Sachsen: Abgetrennte Raucherräume in Gastronomie, nicht in Diskotheken. Einraumkneipen (vom Inhaber geführt) ist Rauchen ebenfalls erlaubt.

Sachsen-Anhalt: Rauchen erlaubt in Eckkneipen ohne Angestellte und in Hotels und Restaurants mit mehr als einer Gaststube, gilt nicht in Diskotheken.

Schleswig-Holstein: Feuer frei in abgetrennten Raucherräumen und Festzelten, ebenfalls in Einraumkneipen ohne Angestellte.

Thüringen: Abgetrennte Raucherzimmer okay. In Diskos nur, wenn keine Tanzfläche im Raum.

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