„I kenn mi do aus!“

Die sechs häufigsten Berg-Lügen – und wie Sie sich dagegen wappnen können

Sätze wie – auf gut Bairisch – „Glei samm da!“, „Des steilste Stück hamma scho!“ mögen als gut gemeinter Motivationskick ausgesprochen werden, sind aber oftmals alles andere als harmlos

Mitunter können bestimmte Sätze sogar gefährlich, meist kontraproduktiv und vor allem oftmals pure Lüge. Unsere Autorin Johanna Stöckl kennt die Sprüche nur allzu gut. Unsere Draußen-Expertin hat sich mit dem Thema beschäftigt und kommt zum Schluss: In den Bergen ist Vertrauen ja vielleicht ganz gut, Kontrolle allerdings viel besser. Sie trifft Vorbereitungen.

Wer regelmäßig in die Berge geht, kennt die Sprüche. Sätze, die einem Begleiter oftmals zurufen, wenn die Kräfte nachlassen, die Motivation sinkt, einem die Hitze zu schaffen macht, der Gipfel bzw. die Hütte nach einem endlos langen Hatscher immer noch nicht zu sehen ist. Mag sein, dass die Worte als lieb gemeinte Aufmunterung, als finale Motivation gedacht sind, bei mir allerdings gehen dann die Alarmglocken an. Zu oft schon habe ich das Gegenteil erlebt. Von wegen: Nur noch 20 Minuten! Ist man mit Kindern in den Bergen, sollte man auf Lügen dieser Art unbedingt verzichten bzw. grundsätzlich altersgerechte Touren wählen, bei denen Kids nicht an ihre Leistungsgrenze kommen und man als Eltern daher nicht flunkern muss. Man macht mit einer Überforderung nämlich unter Umständen viel kaputt. Kinder verlieren nicht nur ihr Vertrauen, sondern oftmals über viele Jahre die Freude am Wandern. Ich jedenfalls verlasse mich in den Bergen schon lange nicht mehr ausschließlich auf meinen Partner, sondern treffe für mich selbst entsprechende Vorbereitungen und hole Informationen ein.

Ich weiß exakt, was auf mich zukommt. Umgekehrt gilt das natürlich auch: Ich spare mir Sprüche dieser Art gegenüber meinen Begleitungen und bleibe in den Bergen bei der Wahrheit.

„Schaffst du locker!“

Vor etlichen Jahren wollte man mich mit diesem Spruch tatsächlich ohne Steigeisen über ein abschüssiges Blankeisfeld jagen. Nach etwa zehn Schritten kehrte ich kniezitternd um, obwohl der Gipfel wirklich zum Greifen nahe war. Zu gefährlich! Meine Ausrüstung für diese Tour, die mir als lang, aber einfach verkauft wurde, war alles andere als optimal.

Tipp: Informieren Sie sich vor jeder Bergtour bzw. Wanderung eingehend über das Ziel und stimmen Sie Ihre Ausrüstung ab! Dank Internet findet man zu jeder Tour detaillierte Wegbeschreibungen. Sind knifflige

Stellen zu erwarten, finden sich auf dem Videokanal YouTube häufig aufschlussreiche Videos dazu!

„Glei samma da!“

Diesen Spruch in all seinen Varianten à la „Nur noch 20 Minuten“, „Ein paar Kehren noch…“, „Die Hälfte hamma scho längst gschafft“ kann ich nicht mehr hören. Er stimmt in seltensten Fällen und drückt lediglich die Unsicherheit des Begleiters aus, der langsam, aber sicher selbst daran zweifelt, ob man der Tour rein kräftemäßig noch gewachsen ist.

Tipp: Besitzt man keine GPS-Sportarmbanduhr, studiere man daher vor (!) jeder Tour penibel Gehzeiten, Höhenprofile etc. und kaufe, gerade wenn’s in unbekannte Bergregionen geht, ganz klassisch eine Wanderkarte. Viele dieser Karten sind mittlerweile auch online einsehbar. Auch hilfreich: sich über Google Earth vorab – rein optisch – einen Überblick darüber zu verschaffen, was einen in etwa erwartet.

„Das steilste Stück hamma scho!“ 

Pfeift man bereits aus dem letzten Loch und hört diesen Satz, sollte man sich auf Schlimmstes einstellen und dringend letzte Körner mobilisieren! In der Regel hat man die wirklich anspruchsvollen Steilpassagen nämlich erst noch vor sich!

Tipp: Tragen Sie daher immer ein paar Müsliriegel, Power-Gels oder kleine Snacks im Rucksack. Wenn’s hart auf hart kommt, ist ein schneller Energiekick effektiver als jeder Motivationsspruch. Trekkingstöcke sind in steilen Passagen extrem hilfreich. Was sonst noch hilft? Tempo extrem drosseln! Langsam, dafür stetig, kleine Schritte machen und sich wie eine Art lahme Nähmaschine pausenlos nach oben kämpfen. Im Extremfall den Steilhang in Serpentinen angehen!

„Schau, da hinten reißt’s schon auf!“

Es regnet in Strömen, man ist nass bis auf die Haut, doch die rettende Hütte ist nicht in Sicht. Schlimmer: Man gerät auf Tour in ein fürchterliches Gewitter, sucht in Panik unter einem Baum kauernd Schutz und just dann will dir einer weismachen, dass er am tiefschwarzen Horizont schon wieder helle Flecken sieht. Obacht! Aus Ihrer Begleitung spricht blanke Verzweiflung darüber, dass sie trotz schlechter Prognosen darauf bestanden hat, heute überhaupt aufzubrechen.

Tipp: Die komplexe Wettersituation in den Alpen lässt sich nicht wie bei gängigen Wetter-Apps auf drei Piktogramme „Wolken“, „Sonne“, „Wolken mit Regentropfen“ reduzieren. Wer sich in die Berge aufmacht, muss fundierte Prognosen einholen. Auf der Webseite des DAV z.B. sind tagesaktuelle Wettervorhersagen für die Alpenregion hinterlegt. Auf gute, wasserfeste Kleidung in den Bergen zu verzichten, ist außerdem fahrlässig. Was unsere Autorin immer dabeihat? Wechselklamotten und ein Paar Reservesocken. Eine Wohltat, wenn man pitschnass dann doch (irgendwann) die Hütte erreicht.

„I kenn’ mi do aus!“

Ich kenn’ a suppa Abkürzung! Zugegeben, das klingt auf einer Bergtour immer verlockend. Allerhöchste Vorsicht ist jedoch geboten, wenn dieser Satz nicht aus dem Munde eines Bergführers stammt. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit landet man dann nämlich in einem nicht enden wollenden Latschengürtel oder gefährlich steilen Graben. Auf die Ortskunde meiner Begleitung verlasse ich mich jedenfalls nicht mehr, seit man mir auf einem Gipfel sitzend einmal den Großvenediger als Matterhorn verkaufen wollte.

Tipp: Die ausgeschilderte Wegführung macht Sinn! Nicht selten verlängern Abkürzungen die Tour bis zur Erschöpfung. Ist doch wahr: Lieber zwei Stunden auf einem Forstweg talwärts latschen, als sich stundenlang durchs Gestrüpp den Weg zu bahnen. Darüber hinaus: Abkürzer schaden in meisten Fällen Flora und Fauna vor Ort.

„Ich hab no nia ned gschnarcht“

Manch einer kann der Hüttenübernachtung ja eine gewisse Romantik abgewinnen. Bei mir ist allerspätestens im Matratzenlager damit Schluss. Mit wildfremden Menschen dicht an dicht in einer Koje schlafen? Üble Luft. Sogar die beste Freundin schnarcht. Unruhe ab 3 Uhr morgens, weil die Überambitionierten ja schon der Gipfel ruft? Entsetzlich und alles andere als erholsam.

Tipp: Nicht nur Männer, auch Frauen schnarchen mitunter so laut, dass man nebendran liegend kein Auge zumacht. Ohropax anzuschaffen, ist daher ein Muss, bevor man aufbricht. Wohlriechend und daher hilfreich: Unsere Autorin trägt grundsätzlich ein kleines Lawendelsäckchen bei sich, wenn eine Hüttenübernachtung ansteht.

Von Johanna Stöckl

Rubriklistenbild: © fkn

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