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Den Einsatzkräften bot sich ein grauenhaftes Bild auf der A 7 kurz vor der Anschlussstelle Woringen. Neun Autos waren im dichten Nebel ineinander gerast. Für sechs junge Menschen kam jede Hilfe zu spät.

Tragischer Unfall auf der A7

Sechs junge Menschen sterben in der Silvesternacht

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Bad Grönenbach - Auf der A7 im Allgäu hat das Neue Jahr mit einer Tragödie begonnen. Im dichten Nebel sind mehrere Sattelzüge und Autos ineinander gerast. Sechs junge Menschen sind ums Leben gekommen. 

Der Nebel ist dick wie eine Wand, als Stephan Schmidt und seine Kollegen vom Bayerischen Roten Kreuz unterwegs sind zur Unfallstelle. Die Rettungswagen müssen streckenweise langsamer als 50 km/h fahren, die Sicht reicht keine 30 Meter. Das Neue Jahr hat erst vor einer Stunde begonnen – die wenigen Informationen, die die Ersthelfer bisher haben, reichen, um zu ahnen, dass es ein grauenvoller erster Einsatz im Jahr 2017 sein wird.

Drei Sattelzüge und acht Autos sind auf der A 7 zwischen Bad Grönenbach und Woringen im Unterallgäu ineinander gerast. „Wir wussten schon durch die erste Meldung, dass es Tote gibt“, sagt Stephan Schmidt am Neujahrstag, wenige Stunden nach dem Einsatz. Wie tragisch die Massenkarambolage ist, erkennen sie erst, als sie die Unfallstelle erreichen. Im dichten Nebel erfahren die Ersthelfer einen grünen Kleinwagen, die Front ist völlig eingedrückt. Auch von den anderen Autos ist nicht mehr viel übrig. Sechs junge Menschen können die Retter nur noch tot aus den Wracks bergen, die beiden männlichen Fahrer waren erst 22 und 23 Jahre alt. In einem Auto saßen außerdem vier junge Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Keine von ihnen hat überlebt.

Der Gutachter war bis gestern Nachmittag an der Unglücksstelle. Doch auch danach konnte die Polizei noch nicht vollständig rekonstruieren, was kurz nach Mitternacht auf der Autobahn passiert war. Vermutlich haben die dicken Nebelbänke zu der ersten Kollision geführt. „Drei Laster und vier Autos sind ineinander gefahren“, berichtet Polizeisprecher Jürgen Krautwald. In die Unfallstelle sind zwei weitere Autos gerast. Keiner der sechs Insassen hat überlebt. „Noch können wir nichts darüber sagen, wie schnell die Autos unterwegs waren oder ob Alkohol oder andere Drogen im Spiel waren“, sagt Krautwald. „Es wird wohl noch Wochen dauern, bis wir den Unfall vollständig rekonstruiert haben.“

Die zehn weiteren Unfallopfer sind teils schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht worden. Auch dabei bereitete den Ersthelfern der ungewöhnlich dichte Nebel große Probleme. Hinzu kam, dass der Unfallort in einem Gebiet ohne Ballungszentrum liegt. Die nächsten Krankenhäuser sind mehr als 30 Kilometer entfernt. In der Nacht war die Lage zunächst so unübersichtlich, dass die Polizei lange keine Angaben zur Zahl der Toten und Verletzten machen konnten. Stephan Schmidt vom BRK war für die Organisation vor Ort zuständig. Es habe lange gedauert, bis die Helfer einen Überblick über die Situation hatten, berichtet auch er. „Es war selbst für sehr erfahrene Rettungskräfte alles andere als ein alltäglicher Einsatz“, sagt er. Rund hundert Einsatzkräfte mussten angefordert werden. Die meisten von ihnen sind Ehrenamtliche, die den Silvesterabend in Bereitschaft verbracht haben. Sie eilten von Feiern überall aus der Umgebung zur Unfallstelle, um zu helfen. Selbst ein Tierarzt war vor Ort, der sich um einen Hund zu kümmern.

Der Einsatz dauert für die meisten bis in die Morgenstunden. Stephan Schmidt verlässt die A 7 um kurz nach 5 Uhr früh. An Schlaf ist nach diesem Einsatz nicht zu denken. „Wir haben uns noch zusammengesetzt, geredet und versucht, die schrecklichen Bilder gemeinsam zu verarbeiten“, erzählt er. Auch professionelle Seelsorger waren im Einsatz.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich gestern zu dem tragischen Unfall. „Leider machen schon die ersten Stunden des Neuen Jahres deutlich, dass auch 2017 die Sicherheit im Straßenverkehr ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit sein muss und wird“, sagte er.

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