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Das Opfer und sein Retter: Torsten Hiljanen (links) drückte so lange mit der Hand auf die stark blutende Halsschlagader von Thomas Krenn (r.), bis der Notarzt eintraf.

Nicht immer mit Happy End

Bayern ehrt morgen 129 Lebensretter, die in der Not alles riskierten

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Sie retten Menschen das Leben – und setzen dabei ihr eigenes aufs Spiel. Am Dienstag ehrt Ministerpräsident Horst Seehofer 129 Menschen aus Bayern, die in höchster Not ihr Herz in die Hand genommen haben. Nicht immer mit Happy End.

München – Noch heute hat Susanne Daxlberger die Schreie ihrer Kinder im Ohr, als die im Mai vor vier Jahren in den Hof in Riedering (Kreis Rosenheim) rannten. „Der Stier bringt den Papa um“, brüllte der 13-jährige Sohn. Da gab es für Susanne Daxlberger kein Halten mehr. Sie stürmte aus der Küche, griff nach dem erstbesten Gegenstand, einer Gartenharke, und sprintete zur Weide. Dort wollte ihr Mann Bernhard eigentlich mit dem Sohnemann ein Wasserfass austauschen. Doch dann sah der 800 Kilo schwere und bis dahin immer friedliche Stier rot – und attackierte Bernhard Daxlberger. „Er hat ihn in die Luft geworfen und immer wieder auf den Boden gedrückt.“ Ihr Mann brach sich dabei sechs Rippen. Später sagte er seiner Frau, er habe schon mit dem Leben abgeschlossen gehabt. Doch dann kam Susanne Daxlberger. Seine Frau. Seine Rettung.

Ehefrau und Lebensretterin: Susanne Daxlberger stellte sich mutig zwischen ihren verletzten Mann und den Stier auf der Weide, der ihn angegriffen hatte. 

Die heute 44-Jährige schlüpfte durch den Zaun und schlug dem wild gewordenen Stier mit der Harke auf den Kopf. Das Tier wich ein paar Meter zurück. Sie stellte sich zwischen ihren Mann und den Stier – und schrie. „Ich war so wütend, ich habe ihm mit dem Metzger gedroht“, sagt sie. Heute kann sie darüber lachen. Die lautstarke Standpauke wirkte offenbar, denn der Stier griff nicht noch mal an. Susanne Daxlbergers Mann konnte sich mit Mühe hinter den Zaun retten. Noch heute spürt er manchmal seine Rippen. Aber in der Rückschau ist die Sache glimpflich ausgegangen. Außer für den Stier. Denn am nächsten Tag machte Susanne Daxlberger ihre Drohung wahr. Es ging zum Metzger. „Nach so einer Aktion ist leider kein Vertrauen mehr da“, sagt sie.

Für ihren mutigen Einsatz bekommt Susanne Daxlberger am Dienstag von Ministerpräsident Horst Seehofer die Bayerische Rettungsmedaille verliehen – gemeinsam mit 64 selbstlosen Rettern aus Bayern. 64 weitere Personen bekommen die Christophorus-Medaille für eine Lebensrettung aus besonders schwierigen Umständen.

Unvergessen: Werner Jablonsky starb nach einem Rettungseinsatz.

Leider gehen die Geschichten der bayerischen Lebensretter nicht immer gut aus. Das zeigt der Fall des ehrenamtlichen Rettungssanitäters Werner Jablonsky aus Bad Heilbrunn (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Er war im März 2015 bei einem Unfall auf der A 95 in der Nähe von Penzberg im Einsatz und leistete Erste Hilfe, als ein 20-Jähriger mit einem 400 PS starken Sportwagen in die Unfallstelle raste. Er erwischte das Unfallopfer – einen 61-jährigen Münchner – und Werner Jablonsky. Der Münchner starb noch an der Unfallstelle, Jablonsky später an den Folgen. Morgen wird seine Frau Marlene die Bayerische Rettungsmedaille für ihren verstorbenen Ehemann entgegennehmen.

Auch ein Polizist ist unter den Geehrten: Torsten Hiljanen war 2013 Teil der „Wiesn-Einsatzgruppe“. Zufällig beobachtete er, wie ein Schausteller einem Oktoberfest-Gast vor der Bräurosl ein Weißbierglas ins Gesicht rammte. Die Scherben bohrten sich in die Halsschlagader des 27-jährigen, das Blut spritzte nur so aus dem Hals. Torsten Hiljanen reagierte sofort – und drückte so lange mit der Hand auf die Arterie, bis der Notarzt eintraf. Deshalb wird auch er am Dienstag unter den 129 bayerischen Schutzengeln sein, denen der Ministerpräsident für ihr selbstloses Verhalten dankt. 

Alle wichtigen Geschichten aus Bayern lesen Sie auf unserer Themenseite

Lesen Sie auch diese Geschichte: Ein Vater will seinen Sohn aus dem Wasser retten - und stirbt dabei selbst.

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