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Objekte der Reform: Fünftklässler am G8.

Seehofer erfindet das „Flexibilisierungsjahr“

München – War’s das jetzt? Der Runde Tisch zur Reform des achtjährigen Gymnasiums hat gestern erneut in der Staatskanzlei getagt. Ob das Gymnasium jetzt sozusagen fertigreformiert ist, scheint immer noch nicht klar.

Auf die Einführung eines G9 wollte sich (fast) niemand mehr einlassen. Lediglich der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, wies auf Hessen oder Baden-Württemberg hin, wo die Gymnasien selbst entscheiden dürfen, ob sie auf G9 umstellen. „Bayern befindet sich in Konkurrenz mit anderen Bundesländern“, erläuterte Meidinger unserer Zeitung auf Nachfrage.

Noch nicht ganz erkennbar ist, wie das Flexibilisierungsjahr gestaltet wird. Bisher existiert nur ein vierseitiges „Grundkonzept“ unter der Überschrift „Für den Schüler mehr Zeit – nicht für das System“.

Selbst Seehofer erhielt es offenbar so knapp vor der Sitzung, dass er es nicht mehr gründlich lesen konnte – was er dem Kultusminister in der vertrauten Runde fast genüsslich unter die Nase gerieben haben soll.

Nun denn: Das Papier, das unserer Zeitung vorliegt, gibt als Fallbeispiel einen Schüler Anton B. an, Siebtklässler, naturwissenschaftlich sehr interessiert, dafür mit Schwächen in Deutsch und Französisch. Ein Mentor berät den Schüler. Am Ende des Jahres kann sich Anton B. zur freiwilligen Wiederholung anmelden. Er verzichtet dann auf die Fächer Geographie, Geschichte und Kunst, bekommt dafür Förderstunden in Französisch und Deutsch.

„Das ist ein echtes Angebot für die Schüler“, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt. Er geht davon aus, dass das Förderjahr erst 2013/14 kommen wird. Denn für eine Einführung schon im nächsten Schuljahr sei die Zeit zu knapp. Allgemein wird ein „hoher Beratungsbedarf“ für dieses Zusatzjahr eingeräumt, in dem Papier ist von „Fachmentoren“ die Rede, die „bei Planung und Durchführung von häuslichen Lerneinheiten“ helfen.

Kaum weniger umstritten ist ein weiterer Eckpunkt der G8-Reform: die Kürzung des Lehrplans. Seehofer ist das so wichtig, dass er sogar die Vokabel „maßvoll“ beim Kürzungsumfang streichen wollte. Details der Kürzungen, die von Kultusstaatssekretär Bernd Sibler verantwortet werden, liegen selbst Spezialisten nicht vor – und ob das Ganze schon ab September gelten soll, weiß auch niemand. So bleibt unklar, was der Ministerrat, dem das G8 heute zum Abnicken vorgelegt wird, beschließen soll.

Dirk Walter

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