G8, G9, oder beides?

Seehofer: „Wer will, kann sich mehr Zeit nehmen“

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München - Auch wenn es in der CSU-Fraktion nach wie vor gewisse Widerstände gibt: Die reinen G8-Zeiten an den bayerischen Gymnasien sind vorbei. In den kommenden Monaten sollen nun die Details festgelegt werden.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich klar zur geplanten Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium bekannt. Die Zusage, dass es künftig acht- und neunjährige Züge bis zum Abitur geben werde, stehe, sagte Seehofer. „Wer will, kann sich mehr Zeit zum Lernen nehmen. Das ist ein Beitrag zur Entschleunigung. Politik muss nicht immer nur das Schneller, Höher, Weiter formulieren, sondern die unterschiedlichen Lebensumstände berücksichtigen“, betonte er.

Wer will, soll das Abitur nach den Worten Seehofers aber auch weiterhin nach acht Jahren Gymnasium ablegen können. „Es wird einen gewissen Prozentsatz von Schülern geben, um die 30 Prozent meiner Meinung nach, die schneller ans Ziel wollen. Und die können das auch“, sagte er. „Bildung auf die einzelnen Personen und ihre unterschiedlichen Talente auszurichten, das ist der große Gedanke dahinter. Das wird so kommen. Wie wir es organisieren, ist Sache des Kultusministers.“

Kabinett beschließt ein Nebeneinander

Das Kabinett hatte im vergangenen Sommer beschlossen, dass es künftig ein Nebeneinander von acht- und neunjährigen Gymnasien in Bayern geben soll. Demnach sollen die einzelnen Schulen völlig frei entscheiden dürfen, ob sie vom Schuljahr 2018/19 an oder auch später bei der achtjährigen Dauer bleiben, auf ein neunjähriges Modell wechseln oder im Einzelfall auch beide Varianten parallel anbieten. Die konkrete Ausgestaltung ist jedoch noch unklar. Darüber soll nach Abschluss der laufenden Dialogphase von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) mit Verbänden und anderen Beteiligten entschieden werden.

Glühende G8-Befürworter, die es in der CSU nach wie vor gibt, werden neunjährige Varianten am Ende wohl nicht verhindern können. „Denen sage ich, ihr müsst mal schauen, was seit der überstürzten Einführung des G8 passiert ist, welche Folgen eingetreten sind“, erklärte Seehofer und fügte warnend hinzu: „Beim Verlust der absoluten Mehrheit 2008 war auch der Streit ums G8 ein Faktor.“

Spaenle wollte sich zuletzt nicht auf ein konkretes Modell festlegen – die Entscheidung darüber liege bei der Fraktion, betonte er. Gleichwohl stünden eine Reihe von Eckpunkten fest. „Wir wollen ein bayerisches Gymnasium“, sagte er. Klar sei zudem, dass nach der zehnten Jahrgangsstufe der mittlere Abschluss erreicht werden solle. Und Spaenle stellte klar: „Es wird an jeder Schule in Bayern möglich sein, nach acht Jahren das Abitur zu machen.“ Hier habe die Dialogphase bereits konkrete Ergebnisse gebracht, betonte er.

Gymnasien haben im Schuljahr 2017/18 Zeit für eine Entscheidung

Diese Phase soll nach Worten Seehofers und Spaenles in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Am Ende soll es voraussichtlich eine Art Runden Tisch in der Staatskanzlei geben, bevor die Entscheidungen in Kabinett, Fraktion und Landtag anstehen. Die Grundlagen – auch der Entwurf für eine Stundentafel – sollten bis Ende Juli klar sein, sagte Spaenle. Ziel ist demnach, dass die Gymnasien im Schuljahr 2017/18 Zeit haben, zu entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen.

Für Susanne Arndt von der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern macht eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 nur dann Sinn, wenn es die Eltern sind, die entscheiden können. „Es darf nicht sein, dass die Schule das festlegt und die Eltern damit zum einen oder anderen Modell gezwungen werden.“ Das Pilotprojekt Mittelstufe Plus habe gezeigt, wie schwierig es ist, beide Modelle unter einen Hut zu bekommen. So oder so wünscht sich Arndt aber vor allem endlich eine Entscheidung. „Es gibt so viele Dinge, die zu verbessern wären, aber nicht angegangen werden, weil wir immer noch bei der Zeitfrage festhängen.“

Auch der bayerische Philologenverband wünscht sich klare Verhältnisse. Eine zweigleisige Lösung werde „ein Spagat“, sagte Verbandssprecher Wolfram Janke. Grundsätzlich plädiert der Philologenverband für eine Lernzeit von neun Jahren. „Aber wer das Abitur in acht Jahren machen will, sollte auch die Möglichkeit dazu haben.“ Dafür müssten an den Schulen entweder attraktive Verkürzungsangebote, also eine Überholspur, geschaffen werden – oder eben Dehnungsmöglichkeiten für diejenigen, die auf mehr Lernzeit setzen.

Rubriklistenbild: © dpa

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