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Valentin Urban aus Steinhöring (Kreis Ebersberg) war elf Jahre alt, als er seine Schwester aus einem Brunnenschacht rettete. Er wurde von Horst Seehofer ausgezeichnet.

Ein Saal voller Helden

München – Sie haben Menschen aus brennenden Autos befreit, Ertrinkende aus dem Wasser gezogen oder beim Bergsteigen vor dem Sturz in den Tod bewahrt: 149 bayerische Lebensretter wurden am Dienstag für ihre Taten geehrt – und zwar an einem der ehrwürdigsten Orte von München.

„Wenn das Schicksal so etwas an einen heranträgt, dann handelt man eben.“ Was Thomas Schultz-Wittner so pragmatisch und bescheiden beschreibt, war in Wirklichkeit eine Heldentat: Es ist Sommer vergangenen Jahres, als der Fürstenfeldbrucker Hausarzt gerade auf dem Weg zu einem Patientenbesuch ist. Als er durch den Brucker Ortsteil Buchenau an der Amper entlangfährt, wird er von einer hilfesuchenden Passantin aufgehalten: Im nahen Fluss treibt ein verunglückter Rollstuhlfahrer, doch die Frau kann ihm nicht helfen. Schultz-Wittner eilt zum Steilufer, das an dieser Stelle vier Meter abfällt, klettert zu dem Mann ins Wasser und zieht ihn zurück ans Ufer. „Als er mich gesehen hat“, erinnert sich Schultz-Wittner, „hat er nur ,Gott sei Dank!‘ gerufen“. In der Zwischenzeit treffen Rettungskräfte ein und kümmern sich um den verunglückten Mann, der zwei Beinprothesen trägt und so alleine keine Chance gegen die Wassermassen gehabt hätte. Der 58-jährige Schultz-Wittner, der Lebensretter, steigt wieder in sein Auto und fährt weiter, zu seinem Patienten. Ganz so, als wäre nichts gewesen.

Gestern wurde der Fürstenfeldbrucker in der Münchner Residenz ausgezeichnet. Ministerpräsident Horst Seehofer überreichte ihm und 63 anderen bayerischen Helden die Christophorus-Medaille für ihre „echte Zivilcourage und gelebte Solidarität“, wie Seehofer es ausdrückte. 85 weitere Menschen erhielten im Rahmen der Feierlichkeit die Bayerische Rettungsmedaille. „Menschen wie Sie machen unsere Heimat so lebenswert“, lobte der Ministerpräsident die Schar an Rettern. „Und deshalb stellt der Freistaat zu diesem Anlass auch den schönsten Raum zur Verfügung, den wir in Bayern haben“, sagte Seehofer und ließ seinen Blick über die prunkvollen Gewölbe des Antiquariums der Münchner Residenz schweifen.

Nicole Schellenberger ist bereits zum zweiten Mal im Antiquarium, „das erste Mal beim Wandertag mit der Schule“, erinnert sich die 17-jährige Poingerin (Kreis Ebersberg). Dass sie einmal hier vor großem Publikum für eine Heldentat geehrt wird, hätte sich die Schülerin damals nicht träumen lassen. Doch weil sie im April bei Seebruck zwei gekenterte Kajakfahrer aus dem sieben Grad kalten Chiemsee gezogen hat, darf auch Nicole eine Christophorus-Medaille entgegennehmen. Für die Ehrung hat sie extra zwei Tage schulfrei bekommen, „mein 13-jähriger Bruder wäre am liebsten auch mitgekommen, der schreibt heute Englisch-Schulaufgabe“, erzählt Nicole und lacht. Doch als Begleitung wurde schließlich Papa Gerhard auserwählt. Stolz steht er nach der Verleihung an der Seite seiner Tochter, während die ein Interview nach dem anderen geben muss.

Auch Valentin Urban ist am Dienstag eine gefragte Person: Der 13-jährige Habersdorfer (Kreis Ebersberg) ist einer der Jüngsten unter den Medaillenträgern. Im November 2010 sprang er zu seiner zweijährigen Schwester Amelie in einen tiefen Brunnenschacht, nachdem das Mädchen kopfüber in den Untergrund gestürzt war und beruhigte sie im eiskalten Wasser, bis Hilfe aus der Nachbarschaft eintraf. Zur Verleihung in die Residenz hat Valentin gleich eine ganze Fangemeinde mitgebracht: Neben den stolzen Eltern und seinen beiden Schwestern, darunter auch Amelie, sitzt auch Valentins Oma im Publikum – und Nachbarin Regina Gilg. Sie hatte Valentin für die Rettungsmedaille vorgeschlagen.

Ein selbstloser Retter fehlte gestern in der feierlichen Runde: Der Münchner Karl-Albert Dankert. Er hatte im Juni 2010 versucht, seinen kleinen Sohn zu retten, der von einer Wasserwalze an der Isar erfasst worden war. Dabei wurde der Vater selbst von der Strömung mitgerissen. Das Kind konnte gerettet werden, doch für Karl-Albert Dankert kam jede Hilfe zu spät. Horst Seehofer ehrte den Münchner posthum mit der Rettungsmedaille, die gestern seine Frau entgegen nahm.

Armin Forster

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