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Kapitän Günter Engel-Arlt hat auf der Brücke der MS Starnberg alles im Griff.

Starnberger Seemannsgarn

Starnberg - In unserer Sommerserie stellen wir die oberbayerischen Seen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln vor. Heute: der Kapitän vom Starnberger See.

Die MS Starnberg wird von 1000 PS angetrieben und ist derzeit das modernste Schiff der Flotte der Bayerischen Seenschifffahrt.

Die Stoibers, die Söders, die Ballacks – Kapitän Günter Engel-Arlt hat sie alle gefahren auf seiner MS Starnberg. Sogar die Zillertaler Schürzenjäger sind mal mitgeschippert. „An Bord wurden goldene Schallplatten verliehen“, sagt der Kapitän. „Da haben’s ordentlich gefeiert.“ So ordentlich, dass die Schürzenjäger am nächsten Tag nochmal kommen mussten, um die vergessene goldene Schallplatte wieder abzuholen. Auch Popstar-Pianist Lang Lang gab sich schon die Ehre mit einem Konzert. Es musste extra ein Flügel auf’s Schiff gehievt werden. „Ein Riesenaufwand war das“, erinnert sich der Kapitän.

An diesem Tag geht es auf dem Katamaran Starnberg, dem Vorzeigeschiff der Bayerischen Seenschifffahrt, eher beschaulich zu. Der Regen prasselt beharrlich auf die Scheibe der Brücke, ein riesiger Scheibenwischer schiebt die Tropfen wieder beiseite. Nur wenige Passagiere fahren an diesem Tag auf der Starnberg mit. Nicht mal Stammgast Georg ist dabei.

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„Das mag er nicht, wenn’s regnet und kühl ist“, sagt Kapitän Günter Engel-Arlt, der es sich gerade auf seinem Kapitänsstuhl gemütlich gemacht hat. „Der Georg fährt sonst immer mit, die Seeluft tue ihm gut, sagt er“, erzählt der 51-Jährige und blickt hinaus über das Wasser. Der Kapitän mit dem grauen Rauschebart und der Mütze mit dem Anker auf dem Kopf kennt seine Stammgäste. Mindestens genauso gut wie er den Starnberger See kennt.

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Auch wenn Kapitän Engel-Arlt da, wo gerade eine trübe Suppe am Horizont hängt, oft bis zur Zugspitze sieht – das Navigieren ist für ihn kein Problem. Radar, GPS, Kameras, alles drin in der Brücke. Wenn der See ruhig ist, kann man auf dem Display Schwäne erkennen. Stellt man das Gerät noch feiner ein, sogar Regentropfen.

„Als ich 1993 mein Patent gemacht hab, da gab’s das in der Form ja alles nicht“, sagt der Kapitän. In seiner Prü

Prüfung war kein technischer Schnickschnack erlaubt. Stattdessen hängte der Prüfer die Fenster der Brücke mit Tüchern ab, Günter Engel- Arlt durfte nur mit Kompass und Stoppuhr navigieren. Von Starnberg bis Berg. Blind. „Direkt vor dem Steg in Berg hat er dann die Vorhänge weggezogen“, sagt der Kapitän stolz.

Bei aller Technik, die in dem modernen Schiff steckt, braucht es trotzdem einen stinknormalen Zündschlüssel zum Losschippern.

Engel-Arlt war aber nicht immer See-Fahrer. Der gelernte Lackierer hatte in den 80er Jahren in einer Brauerei gearbeitet. „Eines Tages kam der Braumeister mit der Zeitung unterm Arm und zeigte mir ein Inserat, in dem Matrosen gesucht wurden“, erzählt der Kapitän. „Und 2012 bin ich schon 30 Jahre dabei.“ Diese Karriere ist bei der Bayerischen Seenschifffahrt nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil. „Bei uns hat eigentlich jeder vorher ein Handwerk gelernt“, sagt Engel-Arlt. „Wir warten ja auch die Schiffe.“

Der Münchner Biergartenführer

Der Kapitän wird für zwei Stationen von Jörg Skibba abgelöst – es ist Zeit fürs Mittagessen. Der 37-Jährige wurde in Kiel geboren, kommt aus einer norddeutschen Kapitäns-Dynastie. „Mein Vater, mein Opa, mein Ur-Opa, alle sind sie zur See gefahren“, erzählt Skibba. Nur er, er wollte zunächst gar nicht. Trotz des Familiennamens. Jörg Skibba hat in Bayern Maler und Lackierer gelernt. Doch auf dem Bau wollte er nicht für immer bleiben, irgendwann rief ihn dann zwar nicht die Ostsee, dafür aber der Starnberger See.

Der Katamaran erreicht gerade einen seiner Stops auf dem Weg von Starnberg nach Seeshaupt und retour. Engel- Arlt, zurück vom Mittagessen, wirft sich ein Regencape über, verlässt die Brücke und geht raus an die Reling. Dort steht ein zweites Pult mit Joysticks zum Steuern. Der Kapitän muss das 500-Tonnen- Schiff einparken. Rückwärtsseitwärts. „Ein Bub hat mich mal beim Manövrieren beobachtet und dann zu seiner Mutter gesagt: ,Mama, der macht das besser als Du mit dem Auto‘ “. Starnberger Seemannsgarn.
Ein bisschen später taucht an Steuerbord eine gelbe Villa auf: „Die hat mal Loriot gehört“, weiß der Kapitän. Der wollte einen Seezugang haben, der Staat wollte ihm keinen geben. „Da hat der die Villa wieder verkauft.“ Ein guter Kapitän kennt eben nicht nur sein Schiff, sondern auch das Ufer.

PATRICK WEHNER

Wussten Sie schon...? Das kleine ABC zum Starnberger See

Der Starnberger See ist der fünftgrößte See Deutschlands. Aufgrund seiner Durchschnittstiefe ist er aber der zweitwasserreichste.

Am Schnapszahl-Tag 08.08.08 haben auf der Roseninsel im Starnberger See acht Paare im Halbstundentakt geheiratet.

Bei archäologischen Grabungen auf derselben Insel wurde ein bronzener Angelhaken entdeckt, genauso wie ein Einbaum, den Wissenschaftler auf das 8. oder 9. Jahrhundert vor Christus datierten.

Für Motorbootgenehmigungen gibt es ein festes Kontingent von 255 privaten Lizenzen – und eine Liste mit einer Wartezeit von rund 25 Jahren.

Der Starnberger See hieß nicht immer Starnberger See, sondern Würmsee. Erst seit 1962 trägt er offiziell diesen Namen. Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich dieser mehr und mehr durch, als er durch eine Eisenbahnlinie vom ehemaligen „Starnberger Flügelbahnhof“ vom Hauptbahnhof München aus nach Starnberg erreicht werden konnte.

Der See mit einer Fläche von 56,36 Quadratkilometern gehört dem Freistaat Bayern.

Aufgrund der geringen Anzahl von Zuflüssen dauert es rund 21 Jahre, bis der Starnberger See sein Wasser einmal komplett gewechselt hat.

Die Tipps

Buchheim-Museum in Bernried: Ein Muss für alle, die von langweiligen Museen genug haben.

Zwischen den ganzen Villen kann der geneigte Badegast immer wieder ein lauschiges Plätzchen zum Baden finden. Einfach ein bisschen herumspazieren.

Ein rund 50 Kilometer langer Radweg lädt dazu ein, eine Tour rund um den Starnberger See zu machen. Dabei kommen Sie natürlich auch an den ganzen Highlights wie dem Sisi-Schloß in Possenhofen und dem König Ludwig II.-Gedenkkreuz in Berg vorbei.

Neben dem Kreuz, das an die Stelle erinnert, an der der Kini umgekommen ist, findet sich noch die schöne Votivkirche. Für die „Preußen“: In der Nähe steht auch der Bismarckturm.

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