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Marita Eisenmann-Klein,  Fachärztin für plastische Chirurgie. 

Fachärztin über Schönheitswahn und was noch viel wichtiger ist 

Interview zum Weltfrauentag: Die Sehnsucht nach Schönheit

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München - Frauen unter Optimierungszwang: Zum Weltfrauentag erklärt Marita Eisenmann-Klein, Fachärztin für plastische Chirurgie, woher die ständige Unzufriedenheit kommt – und was noch viel wichtiger ist als körperliche Attraktivität.

Frauen haben es heutzutage nicht leicht. Sie sollen toll aussehen, topfit sein – in jeder Lebenssituation eine gute Figur machen. Die Grenze zwischen freiwilliger Optimierung und Optimierungszwang ist fließend. Zum heutigen Weltfrauentag erklärt Marita Eisenmann-Klein, Fachärztin für plastische Chirurgie, woher die ständige Unzufriedenheit kommt – und was noch viel wichtiger ist als körperliche Attraktivität.

Wie viele Frauen kennen Sie, die mit sich völlig zufrieden sind?

Die meisten von uns haben ein Körpermerkmal, mit dem sie unzufrieden sind. Mit zunehmendem Alter steigt zwar das Selbstwertgefühl und die allgemeine Zufriedenheit. Aber bei denen, die körperlichen Veränderungen kritisch gegenüberstehen, kann auch der Wunsch, etwas zu verändern größer werden.

Woher kommt die ständige Unzufriedenheit?

Sie liegt in uns selbst. Studien haben ergeben, dass Neugeborene ein attraktives Gesicht doppelt so lange anschauen wie ein unattraktives Gesicht. Das Gefühl für Ästhetik ist also angeboren. Wir haben eine Sehnsucht danach, etwas Angenehmes zu sehen.

Und die Bilder in den Medien spielen keine Rolle?

Nur in gewisser Hinsicht. Vor hundert Jahren gab es eine Dorfschönheit, mit der man sich nicht vergleichen musste. Jetzt wird man ständig mit Vorbildern konfrontiert, die noch dazu oft technisch aufbereitet sind.

Wie hat sich unser Schönheitsideal gewandelt?

Ich bestreite, dass es etwas wie ein Schönheitsideal gibt. Es gibt aber Werte, die sich in Jahrhunderten nicht verändert haben. Weibliche Attraktivität hängt in hohem Maße mit kindlichen Merkmalen zusammen. Bei Männern sind es eher Dominanzmerkmale. Interessant ist, dass gerade ein globaler Schönheitsbegriff entsteht: Ethnisch bedingte Merkmale werden unabhängig von der eigenen Herkunft für attraktiv gehalten. Das war vor einigen Jahrzehnten nicht denkbar. Die Welt ist inzwischen einfach vernetzter.

Sind Schönheit und Attraktivität dasselbe?

Nein. Körperliche Attraktivität öffnet einem Türen. Aber für Schönheit fehlt noch etwas. Charisma zum Beispiel ist nicht durch Attraktivität zu erreichen. Dazu kommt, wie ein Mensch kommuniziert oder auf andere zugeht. Man muss noch mehr bieten, um interessant zu sein. Dieser besondere Glanz, den Menschen haben können, macht Schönheit aus. Diesen Status ohne körperliche Attraktivität zu erreichen, ist aber schwieriger.

Sind Sie als ästhetische Chirurgin noch kritischer mit sich als andere Frauen?

Ja, natürlich. Meine Patienten würden auch sicher nicht das Gefühl haben, dass ich mich gut in sie hereinversetzen kann, wenn ich eine krumme Nase hätte. Das geht aber nicht so weit, dass jede Falte wegmuss. Aber es ist mir wichtig, ein angenehmes Aussehen zu haben. So wie uns allen.

Ist der Schönheitswahn ein reines Frauenproblem? Oder werden auch Männer immer kritischer mit sich?

Der Druck auf Männer wird größer, wenn auch subtil. Das geht mit Spielzeugfiguren los, die einen Attraktivitätsschub erfahren haben. Aber ich bin überzeugt: Es wird nie so sein, dass die Hälfte der Patienten von Schönheitschirurgen Männer sein werden. Bei Frauen wird das Aussehen deutlich mehr gewertet.

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