+
Die Bergbahn Brauneck in den Bayerischen Voralpen.

Neue Studie

„Seilbahnen sind der Motor des Tourismus“

München - Mit den Seilbahnen der Republik geht es bergauf, quasi im doppelten Sinne. Laut einer neuen Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) an der LMU München gehören sie zu den treibenden Faktoren regionaler Wirtschaft.

Für Bayern gilt das besonders – naturgemäß stehen hier die meisten Anlagen deutschlandweit. Allein bei den Seilschwebebahnen sind es 111 von 169.

„Seilbahnen sind ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor für eine touristisch geprägte Region“, sagte der Instituts-Vorsitzende Bernhard Harrer gestern bei der Präsentation der Studie in München. Besonders überrascht habe ihn die Tatsache, dass viele andere Wirtschaftszweige in den betreffenden Gebieten profitieren. Die Aussage, der Skifahrer fahre die Piste runter und gebe sonst nichts aus, gelte nicht.

Befragt wurden Gäste und Seilbahnunternehmer in der Wintersaison. Das Ergebnis: Der durchschnittliche Skifahrer gibt nur etwa ein Viertel seines Tages-Budgets für den Skipass aus. Das meiste Geld fließt in Unterkunft, Verpflegung oder Dienstleistungen, wobei der Wert bei Übernachtungsgästen mit 84 Prozent höher ist als bei denen, die nur einen Tag bleiben – hier sind es 57 Prozent. Unterm Strich sorgen die Seilbahnnutzer in Deutschland für einen Umsatz von 382,4 Millionen Euro – allein im Winter. Zahlen nur für den Freistaat stehen noch aus.

Anlass zur Bescheidenheit gibt das nicht. Peter Huber, Vorstandsvorsitzender des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS), spricht denn auch von der Bergbahn als „Motor für den Tourismus im ländlichen Raum“. Die Nutzerzahlen geben ihm recht. Allein für die Wintersaison verzeichnet die Studie 5,6 Millionen so genannte Ersteintritte. Gezählt wurde eine Fahrt pro Skipassbesitzer und Tag. Tendenz weiter steigend.

Vor allem Hotels und gastronomische Betriebe sind die Profiteure dieser Entwicklung. Für jeden Tausender, den eine Seilbahn erwirtschaftet, macht die regionale Wirtschaft 4500 Euro Umsatz; die Kosten für die Ausrüstung sind hier nicht mitgerechnet. In Jobs ausgedrückt, heißt das: Ein Arbeitsplatz bei der Seilbahn schafft 4,2 Arbeitsplätze in anderen Branchen. Bei 1200 Festangestellten und ähnlich vielen Saisonarbeitern, die für deutsche Seilbahnunternehmen arbeiten, nicht unbedeutend.

Kurz bevor in einigen Gebieten der Seilbahnbetrieb startet, poliert der VDS also sein Image auf. Aber nicht alle Seilbahnen geben Anlass zum Jubeln. Gerade kleine Bahnen haben es häufig schwer. Bayerns Wirtschaftsministerium hat 2009 extra ein Förderprogramm aufgelegt, weil die Anlagen laut einer Ministeriums-Sprecherin „nicht mehr dem Komfort und der Beförderungsleistung entsprechen“, die etwa in Österreich angeboten wird. 10,5 Millionen Euro seien seitdem investiert worden, um Anlagen zu modernisieren oder zu erneuern. Dafür sei man dankbar, sagte Peter Huber, obwohl einige kleine Seilbahnen in den vergangenen Jahren schließen mussten.

Der Blick soll in die Zukunft gehen. Unter anderem auch mit einem neuen Ausbildungsberuf, den der VDS anbietet. Neun Lehrlinge werden derzeit zum „Industriemechaniker im Einsatzgebiet Seilbahntechnik“ ausgebildet, allein vier auf der Zugspitzbahn. Nur der Anfang, sagt Huber.

Marcus Mäckler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unwetterwarnung: Orkanböen in Schwaben und Oberbayern
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für Montag vor Unwettern mit extremen Orkanböen in den bayerischen Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern gewarnt.
Unwetterwarnung: Orkanböen in Schwaben und Oberbayern
Winter sorgt für viele Unfälle in Bayern
Wegen Glätte und frostigem Wind ist es am Wochenende in Bayern zu zahlreichen Unfällen gekommen. Auf der Zugspitze gab es einen eisigen Rekord.
Winter sorgt für viele Unfälle in Bayern
14-Jährige fliehen mit Moped vor Polizei
Zwei 14-Jährige auf einem Moped haben sich mit der Polizei im oberpfälzischen Amberg eine Verfolgungsjagd geliefert. Die Beamten hatten das Moped kontrollieren wollen, …
14-Jährige fliehen mit Moped vor Polizei
Bargeldlose Buße: Strafe künftig einfach mit Karte zahlen
Autofahrer im Freistaat können ihre Knöllchen von der Verkehrspolizei ab Montag auch mit Karte bezahlen. Das Zahlen wie im Supermarkt geht zwar noch nicht direkt beim …
Bargeldlose Buße: Strafe künftig einfach mit Karte zahlen

Kommentare