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Der Bestatter Jürgen Z. wird in den Gerichtssaal geführt.

Bestatter hat Ehefrau erschlagen und verbrannt

Hof/Selb - Der Bestatter Jürgen Z. hat seine Ehefrau brutal erschlagen und verbrannt. Dennoch bestreitet er, sie absichtlich getötet zu haben. Wie makaber der Mörder vorging und was er nach dem Mord tat:

War es heimtückischer Mord oder eine Verkettung unglücklicher Umstände, eine Affekthandlung? Seit Mittwoch muss sich ein Bestatter aus Selb wegen Mordes verantworten. Der 49-Jährige soll seine Frau erschlagen und ihre Leiche samt ihres Autos im Wald verbrannt haben.

“Es war wie die Explosion eines Vulkans, der sich über Jahre hinweg angestaut hat“, schildert der Angeklagte. “Ich war selbst erschrocken und fassungslos; ich wusste überhaupt nicht, was los ist“, erklärt der 49-Jährige am Mittwoch zum Auftakt des Prozesses um den Mord an seiner ein Jahr älteren Frau vor dem Landgericht Hof. “Ich wollte sie niemals verletzen oder gar töten, unter keinen Umständen“, beteuert er.

Ganz anders beurteilt Oberstaatsanwalt Reiner Laib die Bluttat am 31. Oktober des vergangenen Jahres im Keller eines Einfamilienhauses in Selb. Er geht vielmehr davon aus, dass der Angeklagte absichtlich, heimtückisch und aus niederen Beweggründen solange mit einem Holzscheit auf seine Frau eingeschlagen hat, bis sie tot war. Auch das Motiv ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft klar: Er wollte mit einer Brasilianerin ein neues Leben beginnen. Und er wollte - weil er zuvor weit über seine persönlichen Verhältnisse gelebt hatte - mit der Lebensversicherung seiner Frau sowie dem Verkauf des gemeinsamen Hause seine finanziellen Probleme lösen.

Unstrittig ist, dass die Eheleute seit geraumer Zeit getrennte Wege gingen. Seit einer Rückenerkrankung im Jahr 2005 habe sich seine Frau immer mehr zurückgezogen, berichtet der Bestatter. “Sie wollte sich nicht helfen lassen; Sie war überhaupt nicht mehr bereit, mit mir über irgendetwas zu diskutieren“, sagt er - auch nicht über eine Scheidung. Stattdessen nahmen ihre Wutausbrüche zu. “Meiner Frau war es egal, wo ich war und was ich tat“, ergänzt der Angeklagte.

Von einem Verhältnis seiner Frau seit einem Kuraufenthalt im Jahr 2008 will der Angeklagte erst in der Untersuchungshaft erfahren haben. Er selbst lernt im Frühjahr 2009 in Nürnberg eine Brasilianerin kennen. Zweimal besucht er die Mutter einer behinderten Tochter in ihrem Heimatland. Von Mai bis Oktober telefoniert er 953 Mal mit der Frau - weitgehend auf Geschäftskosten. Mit der Brasilianerin findet er - wie er sagt - endlich wieder jemanden, der ihm zuhört und mit dem er über seine Probleme reden kann.

Am Nachmittag des 31. Oktober 2009 schürt er die Holzheizung im Keller an. “Ich hörte es rumpeln“, schildert der Angeklagte. “Sie ist die Kellertreppe runtergestürzt.“ Sie blutet, er hebt sie auf, doch sie weigert sich, mit ihm zum Arzt zu fahren. “Dann redet sie sich in Rage, holt einen Glasgegenstand aus dem Schrank, schlägt auf mich ein, schreit mich an und beleidigt mich wie noch nie zu vor“, erklärt der 49-Jährige. Er nimmt ein Stück Holz, schlägt zu, seine Frau fällt zu Boden. Eine Absicht bestreitet er: “Da stand ich da und sie lag da.“

Weitestgehend unstrittig ist das weitere Geschehen. Als der Angeklagte merkt, dass sie tot ist, schleppt er seine Frau “in Angst und Panik“ in ihr Auto und beseitigt die Blutspuren im Keller. Als es Dunkel ist, fährt er in den Wald, nimmt einen Benzinkanister und schüttet ihn aus.

“Dann habe ich es entfacht, bin nach Hause gegangen, habe meinen Jogginganzug, meine Latschen und alles was ich an hatte runtergerissen und in den Brenner geworfen - und das war alles“, sagt er. Später will er wiederholt noch ihre Stimme gehört haben. Er habe seine Frau und ihr Auto gesucht. Schließlich sei er zu einer Geburtstagsfeier gefahren, weil er glaubte, sie sei bereits da.

 Für den Prozess sind - entgegen ersten Angaben - neun Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil ist für Mitte Dezember geplant.

dpa

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