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Unterwasser-Einsatz im tiefsten Winter: Die Taucher Zimmermann (l.) und Brönner am Inn-Kanal in Töging, Dezember 1924. Kraftakte für die Wasserkraft.

Der Inn und seine Kraftwerke: Video

Der Ausbau der Wasserkraft ist wieder zum Streitfall geworden. Ob an der Salzach oder am Lech – überall dort, wo wegen der Energiewende neue Kraftwerke geplant werden, schießt der Widerstand wie Pilze aus dem Boden.

Hier finden Sie einen historischen Film über den Bau des Kraftwerks Töging

Man hätte halt gerne unverbaute, idyllisch mäandernde Flüsse – wie anno dazumal. Und tatsächlich kann man es sich gar nicht mehr vorstellen, wie das wäre, einen unverbauten Lech zu haben. Oder gar einen frei fließenden Inn, der ja früher einmal schiffbar war.

Das erste Kraftwerk war auch gleich das, architektonisch gesehen, schönste: 1919-1924 entstand das Kanalkraftwerk Jettenbach-Töging, das sogenannte „Wasserschloss“. Es entstand zur Stromerzeugung für die Metallschmelze „Innwerk, Bayerische Aluminium AG“. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute die Innwerk AG weitere Kraftwerke: 1948-1951 bei Neuötting, danach bei Stammham, Rosenheim, Feldkirchen und Perach. Weitere Standorte folgten.

Heute gibt es am Inn ein Dutzend Kraftwerke, und einen Konzern, der seine Geschichte ordentlich aufarbeitet. Der österreichische Konzern „Verbund“ hat sich 2009 in einem Bieterkrimi, der eine eigene Betrachtung wert wäre, die Kraftwerke von der Eon-Wasserkraft gesichert. Eon hatte sie von den Bayernwerken übernommen. In die Hände der Österreicher fielen 2009 auch unzählige historische Akten und Fotos. Leider wanderte historisches Archivgut bei Unternehmen oft in dem Schredder – man will ja keine Betriebsgeheimnisse, auch wenn sie lange zurückliegen, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. „Verbund“ jedoch nahm Kontakt mit dem Staatsarchiv München auf. Lobenswert!

Das Archiv konnte mehrere tausend historische Foto-Glasplatten übernehmen. Ölverschmierte Arbeiter, tonnenschwere Turbinenteile, Bagger, rauchende Werkloks – ein Stück Industriezeitalter kann besichtigt werden. Die Arbeit am Kraftwerk war Schwerstarbeit, das sieht man. Ein Bild zeigt einen Taucher in einem antiken Taucheranzug. Das baugleiche Nachfolgemodell aus den 1950er Jahren sei „immer noch voll funktionsfähig“, versichert der Konzern. Der Anzug, ergänzt um Eisenschuhe, wurde zuletzt im September bei einem Tauchgang beim Donaukraftwerk Jochenstein (bei Passau) eingesetzt.

Sogar ein Film von den Bauarbeiten aus den Jahren 1920 bis 1924 blieb erhalten – auch das ein einzigartiger Fund. Es ist schon so, wie es der Geschäftsführer der Verbund Innkraftwerke GmbH, Michael Ammer, sagte: „Die überaus wertvollen Fotografien eröffnen ausdrucksstarke und aufschlussreiche Blicke hinter die Kulissen des Kraftwerksbaus.“

Dirk Walter

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