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Beliebtes Motiv: Immer mehr Jugendliche steigen auf Gleise, um dort Fotos oder Selfies zu machen. Für die Bilder riskieren sie ihr Leben.

Trend unter Jugendlichen

Riskante Selfies auf dem Gleis beunruhigen Polizei 

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Augsburg - Fotos, die das Leben kosten können: Die Bundespolizei hat vor kurzem zwei Mädchen bei ihrem Shooting von den Bahngleisen geholt. Die riskanten Selfies liegen im Trend.

Zwei Mädchen stehen sich gegenüber und halten sich fest an beiden Händen. Zwischen ihnen verlaufen Schienen, die erst am Horizont enden. Die Mädchen lachen sich glücklich an, ihre Zahnspangen glitzern in der Sonne. Die Aufnahme davon haben die beiden auf dem Foto-Netzwerk Instagram hochgeladen. „Für immer“ steht darunter.

Es sind stimmungsvolle Bilder, die in sozialen Netzwerken mit dem Hashtag „Gleis“ versehen sind. Den Verfassern geht es um Freundschaft, Freiheit. Sie leben den Moment. Andere nutzen die Kulisse als Fashion-Blogger und präsentieren mit hochhackigen Schuhen und Schmollmund neueste Trends.

Posierende Mädchen sorgen für Streckensperrung

Der Bundespolizei bereiten diese Fotos große Sorgen. „Es ist ein lebensgefährlicher Trend“, sagt Thomas Gigl, Sprecher der Bundespolizei in Nürnberg. Seinen Angaben zufolge sind 27 Kinder und Jugendliche seit Januar 2014 allein im Großraum Augsburg ins Gleis gestiegen. Vergangene Woche fotografierten sich zwei Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren gegenseitig auf den Schienen in Augsburg-Oberhausen. Nachdem ein Lokführer Personen auf den Gleisen gesichtet hatte, wurde die Strecke sofort für Züge gesperrt, die Bundespolizei suchte den Bereich ab und beendete das Fotoshooting der Heranwachsenden.

„Gott sei Dank ist das glimpflich ausgegangen“, sagt Gigl. Die Mädchen hatten das Risiko, das sie eingegangen sind, nicht richtig eingeschätzt. „Ein Zug fährt immens schnell“, sagt der Polizeisprecher. Bei einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometer sei der Bremsweg etliche hundert Meter lang. „Bei der Geschwindigkeit bleibt nicht viel Reaktionszeit, um wegzukommen.“

Leichtsinn und Gedankenlosigkeit

Mit Präventionsarbeit versucht die Bundespolizei dem gefährlichen Selfie-Trend Einhalt zu gebieten. Mike Kaiser ist jeden Tag an Schulen und klärt über die Gefahren auf, die von Gleisen und Oberleitungen ausgehen. „Meist steckt Leichtsinn und Gedankenlosigkeit dahinter: Die Heranwachsenden denken, da kommt nur ab und zu ein Zug“, sagt der Präventionsbeauftragte der Bundespolizei Nürnberg. Denn neben dem Fahrplan finden unvorhersehbare Rangierfahrten auf den Strecken statt und auch stillgelegte Gleise werden regelmäßig genutzt.

Kaiser wird nun auch die Schule der beiden Mädchen aus Augsburg-Oberhausen besuchen. Aus bisherigen Präventionsgesprächen weiß Kaiser: „Oft sind die Schüler betroffen, weil ihnen die Gefahr nicht bewusst war.“ Denn nicht alle Aktionen auf Gleisen gehen glimpflich aus: Vergangenen Oktober starb ein 13-Jähriger durch einen Stromschlag, weil er auf einen Kesselwagen am Rangierbahnhof in Nürnberg geklettert war. Zwei Jahre zuvor erfasste ein Güterzug zwei Mädchen (14 und 15 Jahre) bei Dortmund. In der Nähe der Unglücksstelle fand die Polizei eine Kamera.

Jugendliche wollen cool sein

Neben Präventionsmaßnahmen sei aber auch wichtig, Jugendlichen mehr Verantwortung in anderen Bereichen zu geben, sagt Markus Paulus, Professor für Entwicklungspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Risikoverhalten entsteht häufig als Ausgleich dafür, dass sie körperlich mehr können, als sie sozial dürfen“, sagt Paulus. Zudem hielten sich Jugendliche für unverwundbar. Sie denken, „auch wenn andere sterben, mir passiert das nicht“. Sie reagieren emotionaler als Erwachsene, erklärt Paulus. „Das, was einen zum Nachdenken bringt, ist weniger durchsetzungsfähig.“ Mit Gleis-Selfies wollen die Jugendlichen sich selbst aufwerten und in der Gruppe als cool dastehen. Mädchen ahmen Bilder aus Modezeitschriften nach. „Dafür sind sie extrem empfänglich.“

Susanne Weiß

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