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Gute Pflege oder schlechte Pflege? In Bayern werden Seniorenheime von zwei Stellen geprüft: von Landratsämtern und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung

Seniorenheime wollen weniger Kontrollen

München - Betreiber privater Seniorenheime wollen seltener kontrolliert werden. Das jetzige System sei undurchsichtig und stressig für Personal und Bewohner.

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Testet die Heimaufsicht ein Altenheim, kann das Urteil so ausfallen: „Die Bewohner wirkten gepflegt. Auf persönliche Vorlieben (Kleidung, Schmuck) wurde sichtlich eingegangen. Ein freundlicher, ruhiger, sehr liebevoller Umgangston herrschte vor.“ Was wäre das wohl in Schulnoten? Ein Einser? Nach diesem Noten-System bewertet der MDK Altenheime, das ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherung. Diese Zweiteilung ist zu kompliziert, findet der Arbeitgeberverband Pflege. Und zwei Kontrollen seien zeitaufwändig. Präsident Thomas Greiner fordert eine Vereinfachung: Heimaufsicht und MDK sollen anhand eines vereinheitlichten Systems eine gemeinsame Kontrolle durchführen.

Der Arbeitgeberverband Pflege, der seit 2009 die acht größten privaten Pflegeunternehmen in Deutschland vertritt, verspricht sich davon nach eigenen Angaben mehr Transparenz. Doch erst kürzlich hatte der Verband seine Mitglieder angehalten, gegen die Veröffentlichung von Prüfberichten zu klagen – mit Erfolg. Der Verwaltungsgerichtshof urteilte Mitte Januar, dass die Heimaufsichtsbehörden die Testergebnisse nicht mehr einfach ins Internet stellen dürfen. Seither müssen die Landratsämter, bei denen die Heimaufsicht angesiedelt ist, jeden Träger um Erlaubnis bitten – mit dem Ergebnis, dass nur noch vereinzelt Prüfberichte auf den Internetseiten einzusehen sind. Ist das Transparenz? „Wenn kein Bericht öffentlich ist, ist das auch ein Signal für den Verbraucher“, sagt Helmut Braun, Geschäftsführer des Verbandes.

Nach Ansicht von Winfried Fischer vom MDK zeigt die Klage, dass der Verband sich nicht transparenzfördernd verhalte. Doch Präsident Greiner betont, man habe nichts gegen die Veröffentlichung – allerdings sollten Heimaufsicht und MDK gemeinsam „verständliche Berichte“ verfassen. Wird nur einmal kontrolliert, reduziere man zudem den Prüfungsstress für Pflegepersonal und Senioren. Allerdings: Wie oft eine Einrichtung pro Jahr kontrolliert wird, konnte Greiner gar nicht sagen.

Das zuständige bayerische Sozialministerium verteidigt die Zweiteilung des Prüfsystems. Die Heimaufsicht frage die Leistung ab, die bei den Senioren ankommt, teilte ein Sprecher mit. Der MDK hingegen teste, welche Leistungen der Pflegeversicherung erbracht werden. Bewusst gingen die staatlichen Kontrolleure nicht nach einem starren Schema vor: Die Kontrolleure urteilten „auf Basis ihres Sachverstandes und ihrer Erfahrungen“. Problematisch am Noten-System des MDK sei, dass schlechte Noten in einem Bereich mit guten Noten in einem anderen Bereich ausgeglichen werden können. „Pflegefehler lassen sich so hinter der Gesamtnote verstecken“, sagte der Ministeriumssprecher.

Der MDK, dessen Prüfberichte im Internet zum Beispiel unter www.pflegeheimnavigator.de zu finden sind, ist grundsätzlich zu einer Kooperation mit den staatlichen Kontrolleuren bereit. Weil sowohl das Notensystem des MDK als auch die ausformulierten und schwer vergleichbaren Berichte der Heimaufsicht Schwächen hätten, hält Fischer ein Punktesystem für praktikabel.

Was die Veröffentlichung der Prüfberichte angeht, arbeitet das Sozialministerium „an einer Konkretisierung der Rechtslage“. Ziel: Auch Träger, die nicht an Transparenz interessiert seien, will man so verpflichten, die Testergebnisse Verbrauchern zugänglich zu machen.

Von Carina Lechner

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