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Relativ tief waren die zehn Skelette im Süden von Unterhaching in der Erde vergraben.

Sensationeller Fund: Die Prinzessin von Unterhaching

Als Archäologen und Denkmalschützer vor fünf Jahren ein kleines Gräberfeld bei Unterhaching (Kreis München) sicherten, wussten sie noch nicht, was für eine sensationelle Entdeckung sie gemacht hatten. Jetzt steht fest: „Es ist ein Jahrhundertfund“, so Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung.

Der Unterhachinger Landwirt, der im Dezember 2004 mit den Aushubarbeiten für seinen Aussiedlerhof im Süden der Gemeinde begann, ahnte, dass im Untergrund eine Überraschung lauern könnte. Denn in der Region wurden schon oft Überreste uralter Siedlungen gefunden. Und tatsächlich: Als in dem lehmigen Boden dunkle Flecken entdeckt wurden, alarmierte der Architekt das Landesamt für Denkmalpflege. „Ein Glücksfall“, sagt Jochen Haberstroh vom Landesamt. „Oft räumt ein Bagger das ungesehen weg.“

Der Landwirt erhielt eine Entschädigung

Doch so konnte sich eine Grabungsfirma bei eisiger Kälte an die Arbeit in dem 20 auf 40 Meter großen Friedhof machen. In zwei Wochen wurden die insgesamt zehn Gräber in großen Erdklumpen geborgen. Der Fund sah im ersten Moment gar nicht außergewöhnlich aus. Als sich die Archäologen im Labor an die Feinarbeit machten, stellte sich aber schnell die Einmaligkeit heraus. Der Landwirt als Eigentümer erhielt schnell eine Entschädigung: „Wir konnten ihn überzeugen, dass der Fund landesgeschichtlich von immenser Bedeutung ist“, sagt Haas-Gebhard.

Die Adlerfibel kommt als Leihgabe nach München.

Denn die Entdeckung ist aufsehenerregend. Die vier Männer, fünf Frauen und ein acht bis zehn Jahre altes Mädchen gehörten offenbar zu einer hochrangigen Familie mit engsten Verbindungen in den Mittelmeerraum. Vor allem die Frauen waren mit unglaublichen Kostbarkeiten beigesetzt worden – allen voran die zentral beerdigte Frau, die intern nur „Prinzessin von Unterhaching“ genannt wird. Sie hatte zwei runde so genannte Fibeln bei sich, also Gewandnadeln ähnlich wie Broschen, mit der Abbildung von Raubvögeln, reich verziert mit Gold, Perlen und Edelsteinen aus Indien. „Es gibt bisher nichts Vergleichbares, vielleicht annähernd die Adlerfibel von Domagnano aus dem germanischen Nationalmuseum“, sagt Haas-Gebhard. Dazu wurden weitere Fibeln mit christlichen Symbolen gefunden, außerdem konnten dank modernster Analyse-Methoden des Landeskriminalamts Reste von feinster Seide und Goldstickereien aufgespürt werden.

Vor allem die Zeit, zu der die zehn Menschen in Bayern gelebt haben, hat die Archäologen elektrisiert: die Jahre 480 bis 520. „Da wissen wir nicht viel, da gibt es keine schriftlichen Quellen“, sagt Haas-Gebhard. Denn als im Jahr 476 das weströmische Reich unter dem Ansturm der Ostgoten zusammenbrach, zogen sich die römischen Soldaten aus Bayern zurück. Die Unterhachinger Familie könnte eine Gruppe übriggebliebener Römer sein, neu angekommene Ostgoten oder sogar ein frühbajuwarisches Herrschergeschlecht – das ist alles Spekulation. „Wir prüfen, wo sie herstammen, die Ergebnisse erwarten wir in Kürze“, so Haas-Gebhard.

Die Familie war reich und mächtig

Nur eines ist sicher: Die Unterhachinger waren reich und mächtig. „Es lässt sich nachweisen, dass sie einen Rang in der militärischen Hierarchie hatten und Waffenträger waren. Sie müssen einen militärischen Auftrag gehabt haben und Truppen unter ihrem Befehl.“

Verletzungen weisen die Skelette aber nicht auf, die Menschen sind also nicht im Kampf gefallen. Und auch Waffen fanden sich auf dem Friedhof nicht – mit Ausnahme eines „mickrigen Schwerts“, wie Haas-Gebhard sagt. „Aber es ist eine der raffiniertesten Waffen der damaligen Zeit, nämlich ein Giftdolch mit Vertiefungen in der Klinge.“ Hinweise aus der Literatur besagen, dass eine fränkische Königin im 6. Jahrhundert einen Rivalen mit so einem Giftdolch beseitigt hat.

Spannend wie ein Krimi seien die fast fünf Jahre der Arbeit gewesen, an der vier Wissenschaftler und acht Restauratoren von Staatssammlung und Denkmalpflege gearbeitet haben. „So eine Möglichkeit bekommt man nur einmal im Leben“, sagt Haas-Gebhard. Ab Januar werden die lange geheimgehaltenen Funde in einer großen Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung zu sehen sein. Dazu kommen Leihgaben aus dieser Zeit aus Indien, China und Ägypten, auch die Adlerfibel wird zu sehen sein. Sogar der Louvre in Paris schickt Pretiosen. „Alle großen Museen rücken ihre besten Stücke heraus. Das zeigt, wie wertvoll unser Fund ist“, freut sich Haas-Gebhard.

von Boris Forstner

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