Sensationsfund: Die Höhle der Lust

Bamberg/München - Nackte Frauen an der Höhlenwand? Ein archäologischer Sensationsfund gibt den Forschern große Rätsel auf.

Diese Rundungen, und daneben diese etwas längliche Form – mit etwas Fantasie kann man schon nachvollziehen, was unsere Steinzeit-Vorfahren in den Gesteinsformationen in einer Höhle im Landkreis Bamberg gesehen haben. Weibliche Körper und männliche Geschlechtsorgane nämlich!

Sensationsfund in Oberfranken

Archäologischer Sensationsfund in Oberfranken

Die Form der Steine wirkte offensichtlich im doppelten Sinne anregend auf die vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren dort hausenden Neandertaler: Sie wurden künstlerisch tätig und ritzten zahlreiche Darstellungen von stilisierten nackten Frauen in die Höhlenwände. Das behauptet zumindest der Archäologe Bernhard Häck, Höhlen-Experte des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD), in der Zeit. Er geht mit seiner Deutung aber noch einen Schritt weiter: Das Herrenmagazin aus dem Spätpaläolithikum, spekuliert er, könnte darauf hinweisen, dass die Höhle ein „Ort der Lust“ war, in dem unsere Mehrfach-Ur-Großeltern Fruchtbarkeitsfeste feierten. Zustände wie im alten Rom, lange bevor es das alte Rom gab!

Landeskonservator Dr. Sebastian Sommer lehnt die erotische Interpretation der Linien und wiederkehrenden Muster allerdings ab: „Es ist ja schon schwierig nachzuvollziehen, was unsere Väter und Großväter zu irgendetwas gedacht haben“, sagte er am Donnerstag. „Da ist man sehr in der Gefahr, sich zu verrennen.“

Egal, was sie wirklich bedeuten: Die Striche in der Höhlenwand sind eine archäologische Sensation, handelt es sich doch um den ersten Fund steinzeitlicher Höhlenkunst in Deutschland! Das gab am Donnerstag das BLfD bekannt. In Südfrankreich und Nordspanien gäbe es vergleichbare Höhlen, doch die oberfränkische sei nicht nur in Bayern und Deutschland, sondern in ganz Zentraleuropa die erste mit dieser historischen Bedeutung.

Die etwa 80 Meter lange Höhle selbst hatten Forscher bereits 1991 entdeckt. Sie beeindruckt durch vielfältige Gesteinsformationen, die sich in den vergangenen 150 Millionen Jahren gebildet haben: Nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ löste eindringendes Wasser den Kalkstein nach und nach auf und gestaltete ihn auf diese ganz besondere Weise, die die Neandertaler möglicherweise als sinnlich empfanden. Die Ritzzeichnungen selber, mit Steinwerkzeugen in den Fels gehauen, sind jedoch so schwer zu erkennen, dass sie lange Zeit unbeachtet blieben.

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Darüber ist Dr. Sommer auch froh, denn immer wieder zerstören Höhlenbesucher unabsichtlich oder aus purer Lust am Vandalismus archäologische Funde. Da war es günstig, dass die etwa 80 Meter lange Sensations-Höhle (deren genaue Lage nicht verraten wird, da sie sich in privatem Besitz befindet) so schwer zugänglich ist. Zum Schutz der steinzeitlichen Kunstwerke wird die Höhle jetzt verschlossen, die Linien im Stein mithilfe komplizierter Ausleuchtungsverfahren und 3-D-Einmessungen weiter untersucht. Demnächst wissen wir dann vielleicht noch mehr über den vermeintlichen Steinzeit-Playboy an der Höhlenwand. 

HN

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