+
Das Gemälde "Soldat mit der Gasmaske" stammt vom Maler Max Rabes. Das Original ist im Besitz des Bayerischen Kriegsmuseums Ingolstadt.

Serie zum Ersten Weltkrieg

Gas, die tödliche Albtraumwaffe

  • schließen

Raubling - Gas: Das war für Soldaten im Ersten Weltkrieg die Albtraumwaffe schlechthin. Die deutsche Armee war die erste, die Gas konzentriert auf den Schlachtfeldern Flanderns einsetzte.

Der Soldat Martin Dunz stammte aus Griesbach in Niederbayern. Im Krieg war er in Frankreich und Belgien eingesetzt. Dann kam der unheimliche, nicht greifbare Feind über ihn – Gas. Dunz, damals 26, erlitt am 25. Juli 1917 bei Hooge (östlich von Ypern in Flandern/Belgien) eine Gasvergiftung. „Gaskrank“ lautet der Eintrag in seiner Kriegsstammrolle, die im Bayerischen Kriegsarchiv verwahrt wird. Er kam in eine Krankensammelstelle, konnte aber ein halbes Jahr später zu seiner Kompanie zurückkehren.

Martin Dunz in Uniform mit Auszeichnungen. Er wurde 1917 durch einen Gasangriff verletzt.

Ein Brechdurchfall im April 1918 beendete seinen Weltkriegs-Einsatz dann endgültig – Martin Dunz kam ins Reservelazarett in Landau in der Pfalz, wo er langsam gesund werden konnte. An die Front musste der zum Unteroffizier beförderte Soldat nicht mehr. Er überlebte also. „Nur eine Hand blieb steif“, erinnert sich seine Schwiegertochter Irmgard Dunz, die heute in Raubling (Landkreis Rosenheim) lebt. Dunz hatte, so zumindest ist es in der Familie überliefert worden, gleichzeitig einen Durchschuss in der Hand erlitten. Die Waffe war den meisten Zeitgenossen höchst suspekt: Anders als Tanks (Panzer), Flugzeuge oder die neuen Maschinengewehre war Gas etwas Schleichendes, Unheimliches, nicht Fassbares. Giftgas war eine Antwort auf die Unbeweglichkeit des Stellungskrieges, schreibt der britische Historiker David Stevenson. Deutschland muss sich dabei „vorhalten lassen, es zuerst auf den Schlachtfeldern benutzt zu haben“.

Der Vater des Gaskriegs war der deutsche Chemiker Fritz Haber (1868-1934), der den Ammoniak als Düngemittel erfand, aber auch erste Versuche mit Phosgen und Chlorgas machte. Im Weltkrieg war er als Leiter einer „Spezialtruppe für Gaskampf“ eingesetzt. Am Nachmittag des 22. April 1915 setzte die deutsche Truppe bei der Schlacht um Ypern erstmals Chlorgas ein. Die Deutschen hatten warten müssen, bis der Wind richtig weht – von Ost nach West, und nicht (wie es vorrangig der Fall war) von West nach Ost. Die Windlage war also entscheidend: Wehte der Wind gar nicht, so konnten eigene Soldaten im Vorwärtssturm geschädigt werden.

Der Wind war aber nur einer von vielen Problemen, die der Gaskrieg mit sich brachte. Die eingesetzten Chemikalien waren mitunter so aggressiv, dass sie die Geschosshüllen zerfraßen. Sie waren bei der Truppe daher äußerst unbeliebt. Außerdem: Strategische Vorteile brachte der Gaseinsatz keiner der Frontparteien. Stattdessen traten die Feindstaaten in einen verbissenen Wettlauf um die beste Gasmaske ein. Eine aberwitzige Entwicklung: Auch für die an der Front eingesetzten Pferde gab es versuchsweise Gasmasken.

Gas erzeugte psychischen Schrecken – der blanke Horror. Erich Maria Remarque hat das in seinem Buch „Im Westen nichts Neues“ unübertroffen prägnant beschrieben: „Jetzt schleicht der Schwaden über den Boden und sinkt in alle Vertiefungen. Wie ein weiches, breites Quallentier legt er sich in unseren Trichter, räkelt sich hinein.“ Die tatsächlichen Opferzahlen durch das „Quallentier“ waren zwar gravierend, aber nicht exorbitant: Etwa eine halbe Million Verluste, davon etwa 25 000 Todesfälle an der Westfront, etwa 10 000 Mann Verlust in Italien und eine unbekannte Anzahl in Russland. Strittig war, ob der Einsatz von Gas im Einklang mit der Haager Konvention von 1899 stand – Haber wurde von den Alliierten nach 1918 zeitweilig als Kriegsverbrecher gesucht.

Hier finden Sie alles zum Thema "Erster Weltkrieg"

Auch der Weltkriegs-Soldat Hitler wurde in der Nacht von 13. auf 14. Oktober 1918 in der Nähe von Ypern – dort, wo es die ersten Gasangriffe überhaupt gegeben hatte – Opfer eines Senfgasangriffs. Schon in den Monaten zuvor war seine Einheit, das Regiment List, immer wieder Gasattacken ausgesetzt gewesen. Hitlers Vorgesetzter, ein Major Anton von Tubeuf, berichtete: „Sehr zerrüttend auf die Nervenkraft wirkten die sich immer wiederholenden Überfälle durch Gasminen und Gasgranaten.“

Hitler war nach dem Angriff zunächst fast erblindet. Nach einer Erstbehandlung im Feldlazarett in Flandern kam er am 21. Oktober 1918 ins Preußische Reserve-Lazarett in Pasewalk bei Stettin in Pommern. Dort erlebte er drei Wochen später das Kriegsende.

Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Motorradfahrer stößt mit Lastwagen zusammen und stirbt
Zell am Main - Ein Motorradfahrer ist in Unterfranken frontal mit einem Laster zusammengeprallt und gestorben. Der Biker wollte gerade Überholen, als es zu dem schlimmen …
Motorradfahrer stößt mit Lastwagen zusammen und stirbt
Mann findet große Geldsumme und reagiert sehr edelmütig
Biessenhofen - Von wegen, das Geld legt nicht auf der Straße: Ein 57-Jähriger hat bei einem Bahnübergang im schwäbischen Biessenhofen einen satten Geldbetrag gefunden. …
Mann findet große Geldsumme und reagiert sehr edelmütig
Sattelzug kippt um und verursacht hohen Schaden
Auf der A7 verursachte ein Sattelzug einen Unfall mit hohem Sachschaden. Dem Fahrer wurde nicht grundlos der Führerschein entzogen.
Sattelzug kippt um und verursacht hohen Schaden
Drogenkurier mit fünf Kilogramm Amphetamin erwischt
Eine Verkehrskontrolle beim Autobahnkreuz Nürnberg wurde einem ungarischen Drogenkurier zum Verhängnis. Seine Ware wird er wohl nicht mehr transportieren können.
Drogenkurier mit fünf Kilogramm Amphetamin erwischt

Kommentare