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Serie zum Ersten Weltkrieg

Alpenkrieg: Front mit Fernblick

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München - Tod in den Südtiroler Bergen: Im Alpenkrieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien starben auch bayerische Soldaten. Zum Beispiel Theodor Bergholtz. Er war erst 18.

Der 23. Mai 1915, kein Tag wie jeder andere in diesem mörderischen Krieg. An der deutsch-französischen Westfront gibt es „Nahkämpfe, die für uns günstig verlaufen“, wie der deutsche Heeresbericht vermeldet. An der Ostfront: russische Nachtangriffe. Blutige Kämpfe auch an der österreichisch-russischen Front und auf See – bei den Dardanellen beschießen sich Türken und Engländer; ein U-Boot sinkt. Und dann noch eine Horrornachricht: Italien löst sich aus dem Dreibund mit Deutschland und Österreich-Ungarn und tritt auf Seiten der Entente gegen Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg ein. Eine neue Front – der Alpenkrieg beginnt.

Noch im

Tod in den Bergen: Theodor Bergholtz.

Mai 1915 wird das eilig aufgestellte Deutsche Alpenkorps unter Konrad Krafft von Dellmensingen nach Südtirol verlegt, um bis zum Eintreffen der regulären österreichischen Truppen („Kaiserjäger“) die Front stabil zu halten. Insgesamt mehrere zehntausend Mann, zumeist Bayern, aber auch Preußen, Sachsen und Württemberger. Für sie war der Krieg in den Bergen eine ganz neue Erfahrung. Das spiegelt sich in mehreren Tagebüchern wider, die unserer Redaktion zugeschickt wurden, und in denen die Soldaten ihre Reiseerlebnisse notierten. Der Krieg als Tourismus: Brennerpass, Franzensfeste, Pustertal, überhaupt die hohen Berge: der Ortler, der Monte Cristallo, die Drei Zinnen, alle über 3000 Meter hoch – „es waren wunderschöne Flecken des Landes Tirol“, schrieb Franz Sailer aus Königsdorf, dessen bayerisches Infanterie-Leib-Regiment mit dem Zug anreiste.

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Elendiger Krieg: Zeichnung von Theodor Bergholtz

„Diese Fahrt war schon sehr interessant“, notierte ein anderer Soldat, der junge Johann Neumayr aus Oberalting bei Starnberg. Er war ganz erstaunt, als er sah, wie Geschütze zerlegt und mit Tragtieren den Berg hinauf transportiert wurden – in diesem Fall ging es über abenteuerliche Steige bis zum Festungsbauwerk Haideck im Sextener Tal. Nicht weit entfernt, bei Innichen, lag seit 26. Mai 1915 der erst 18 Jahre alte Theodor Bergholtz eingegraben in seiner Stellung. Bergholtz war mehr Künstler denn Kriegernatur. Seine Familie wohnte in Wien. Aber als patriotischer Deutscher drängte sein Vater Gustav – er war Direktor der Kabelwerke von Siemens-Schuckert – auf die Kriegsteilnahme seines Sohnes. Widerwillig, denn er hätte lieber an der Kunstakademie studiert, folgte der Sohn. Auch er war ein „Leiber“, also Soldat beim bayerischen Infanterie-Leib-Regiment, eingesetzt am Kreuzberg, wo sich Österreicher, Bayern und Italiener auf gegenüber liegenden Berghängen belauerten. Über Jahre erstarrte die Front. „Ein weit höherer Prozentsatz an Toten als in normalen Verbänden gab es beim Alpenkorps aufgrund von Lawinen, Muren, Erfrierungen, aber auch Abstürzen beim Klettern“, erklärt der Historiker Thomas Müller vom Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt.

Die Familie Bergholtz am Grab von Theodor.

Wir wissen nicht, wie es Theodor Bergholtz am Kreuzberg erging. Drei Monate erlebte er den Krieg am Berg. Am 26. August aber, nachmittags um 14.30 Uhr, erlitt er einen Bauch- und Armschuss. Kameraden schafften ihn noch nach unten, ins Feldlazarett Innichen. Aber einen Tag später war er tot. Die Familie hat Vater Gustav den frühen Tod des Sohnes nie verziehen. „Theodor wurde verheizt“, sagt Michael Bergholtz, ein Arzt in München, ganz nüchtern. Die Familie Bergholtz hat im Jahr 2007 das Grab des Verwandten in Innichen entdeckt und besucht. Ein Bayer in Südtirol – und ein ganz unheroischer Tod in den Bergen.

Ab September 1915 wurde das Deutsche Alpenkorps wieder abgezogen. Der nächste Einsatzort war kaum besser: Verdun.

Dirk Walter

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