Steht vor Gericht: Der frühere Würzburger Generalmusikdirektor Jin Wang.

Sex-Dirigent: "Bin unschuldig"

Würzburg - Im Prozess gegen den früheren Würzburger Generalmusikdirektor Jin Wang wegen sexueller Nötigung soll am Dienstag  das Urteil fallen. Was Staatsanwaltsschaft und Verteidigung fordern:

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Im Prozess gegen den früheren Würzburger Generalmusikdirektor Jin Wang wegen sexueller Nötigung einer Studentin soll an diesem Dienstag (18. Januar) das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft forderte am Montag vor dem Landgericht Würzburg eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Die Verteidigung dagegen plädierte auf Freispruch. Wang betonte in seinem Schlusswort: “Ich bin unschuldig und ein Opfer politischer Intrigen.“ Ihm wird vorgeworfen, 2007 eine junge Frau in einem Treppenhaus in Würzburg sexuell bedrängt zu haben. Der Dirigent sprach von einvernehmlichen Zärtlichkeiten.

Die Studentin hatte den Vorfall nicht selbst zur Anzeige gebracht, die Anklagebehörde war erst nach Hinweisen der Stadt aktiv geworden. Für Wang ist das der Beleg, dass man ihm übel mitspielen wollte in Würzburg. Im November 2008 war er von seinem städtischen Arbeitgeber fristlos entlassen worden, die Kündigung wurde später in eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses umgewandelt.

“Seine Annäherungen waren ihr nicht recht“, betonte Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen in seinem Plädoyer. Die Studentin habe kein Motiv dafür, falsche Angaben zu machen. Der Verteidiger Wangs erklärte, die Frau habe sich bei ihren Aussagen in Widersprüche verwickelt. Zudem habe sie schon früher vor Kommilitoninnen mit Männergeschichten geprahlt, um mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Sie habe bei den Schilderungen der Begegnung mit Wang schlichtweg “übertrieben“. Das mutmaßliche Opfer sei “psychisch auffällig“, sagte der Anwalt.

Auch Wang wollte in seinem Schlusswort die Aussagen der jungen Frau entkräften. Seine Verteidigerin - Wang ließ sich von zwei Anwälten vertreten - etwa musste aufstehen und eine Kuss-Szene mit ihm andeuten. Wang wollte damit beweisen, dass man einem Kuss-Versuch auch hätte ausweichen können. Außerdem seien viele sexuelle Handlungen, die die Studentin ihm vorgeworfen hatte, anatomisch gar nicht durchführbar. “Sie müssen hier keine sexuellen Handlungen andeuten“, rief der Kammervorsitzende Claus Barthel den Dirigenten zur Ordnung.

Die mehrstündigen Plädoyers waren eine ähnlich zähe Angelegenheit wie der gesamte Prozess. Das Verfahren hatte sich hingezogen, weil vor allem Wangs Verteidigung immer wieder neue Anträge gestellt hatte. Schließlich erklärte das Gericht am Montag auch einen von der Verteidigung beauftragten psychiatrischen Sachverständigen für befangen.

“Das ist eine anstrengende und in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Hauptverhandlung“, sagte Oberstaatsanwalt Raufeisen zu Beginn seines Plädoyers. “Alle werden aufatmen, wenn das hier zumindest vorerst zum Abschluss kommt“, ergänzte Wangs Verteidigerin.

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