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Hinter einem Aktenordner versteckte der Angeklagte sein Gesicht, während Rechtsanwalt Robert Alavi (l.) die Verteidigungsstrategie mit ihm besprach

Sex-Täter geht TV-Sender ins Netz

München - Ein Buchverleger (34) aus München ist wegen versuchtem sexuellen Missbrauchs an Kindern zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte mit einer vermeintlich 13-Jährigen gechattet. Später traf er die junge Frau und begrapschte sie. RTL 2 filmte beide.

„Tatort Internet“ heißt die umstrittene Sendung auf RTL 2, die es sich mit Unterstützung der Ehefrau des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg zur Aufgabe gemacht hat, Pädophile auffliegen zu lassen. Mehrere Männer lockte die federführende TV-Redakteurin Beate Krafft-Schöning in ihre „Falle“. Gestern wurde vor dem Münchner Amtsgericht gegen einen von ihnen verhandelt.

Der 34-jährige Selbstständige war im Internet-Chat auf die „13-jährige Sara“ gestoßen. Das Mädel faszinierte ihn, er blieb mit ihr in Kontakt - unwissend, dass am anderen Laptop keine Jugendliche saß, sondern die 49-jährige Journalistin. Über seinen Verteidiger Robert Alavi ließ der Angeklagte zu Prozessauftakt erklären, dass er sehr wohl von einer älteren Person ausgegangen sei, als er sich im April 2010 zu deren elterlicher Wohnung nach Unterhaching (Kreis München) aufgemacht hätte. Ihre Wortwahl und die Vorliebe für Literatur und Klavierkonzerte hätten ihn sehr wohl zu dem Schluss gebracht, dass es sich nicht um ein Kind unter 14 Jahren handelte.

Doch bei dem Besuch des Mädchens in der vermeintlich sturmfreien Bude hakte er wegen des Alters nicht nach. Er umarmte sie sofort. Das Kind wurde von einem Lockvogel gespielt. Dabei handelte es sich um die 18-jährige Stieftochter der Journalistin, die wesentlich jünger wirkte. „Schon der erste Kuss war recht heftig für Menschen, die sich gar nicht kennen“, sagte später Amtsrichter Andreas Forstner bei der Urteilsbegründung. Im Badezimmer soll der Angeklagte dann nach dem Händewaschen richtig zur Sache gegangen sein und das Mädchen nicht nur erneut geküsst, sondern es auch am Busen angefasst haben. Diese Szene fing allerdings keine der 29 versteckten Kameras ein, die nur im Wohnzimmer installiert waren. Das Gericht war auf „Saras“ Aussage angewiesen.

In der Erklärung des Verteidigers hieß es dann auch, dass es im Bad zu keinerlei Anzüglichkeiten gekommen sei, „Sara“ stattdessen „provozierend in der Tür stand“. Doch die heute 19-jährige Zeugin schilderte immer wieder so glaubwürdig die Übergriffe, dass der Richter ihr diese Tat sehr wohl abnahm. Dafür sprach auch das übrige Gehabe des Angeklagten zu Beginn des Besuchs und während des vereinbarten Pizzaessens im Wohnzimmer.

Als „Sara“ schließlich das Fernseh-Team aus einem Nebenraum holte und der Mann von der Redakteurin mit dem soeben stattgefundenen Treffen konfrontiert wurde, blieb er gelassen. „Wie wollen Sie das mal ihren Kindern erklären“, fragte Beate Krafft-Schöning vor laufender Kamera, „dass Sie sich mit einem Mädchen treffen, das kaum wesentlich älter als ihre Söhne ist?“ Der Angeklagte sah darin kein Problem. „In jedem Menschen steckt ein Untier“, antwortete er. Und die Neugierde für ein junges Mädchen, „die hat man, die kann man keinem kleinen Kind beibringen“, sagte er.

Als Bewährungsauflage muss er 3000 Euro zahlen. Ob er in Berufung geht, war gestern noch unklar.

Angela Walser

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