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Karl D.

Sex-Täter im Interview: "Habe nie Therapie verweigert"

Heinsberg/Geretsried - Eine „Zeitbombe“ will er nicht sein: Der Sexualstraftäter von Geretsried, Karl D., hat sein erstes Interview gegeben. Gegenüber „Spiegel TV“ beteuert er, sich keiner Therapie verweigert zu haben. Doch das stimmt nicht.

150 Einwohner versammelten sich am Sonntagabend vor dem Haus im nordrhein-westfälischen Heinsberg-Randerath, wo Karl D. bei seinem Bruder untergekommen ist. „Raus, Du Sau“, lautete eine der Parolen. Kaum zu Hause, konnten sich die Demonstranten Karl D. hautnah ansehen. Reporter von „Spiegel TV“ waren unter fast konspirativen Umständen ins Haus gelangt und hatten den Vergewaltiger befragt. Wie in einem Gefängnis fühle er sich, sagte D., und räumte zerknirscht ein: „Ich glaube nicht, dass ich hier bei meinem Bruder bleibe, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Er habe auch nie vorgehabt, dauerhaft zu bleiben. Sein Bruder habe das Haus gekauft, ihm habe er einfach nur „helfen“ wollen („weil ich Zeit hab“). Dann kommt eine Passage, in der der Reporter nach den Therapien fragt.

Zur Erinnerung: Dass D. alle Therapien abgelehnt habe, gilt der Staatsanwaltschaft als wichtiges Indiz für die Unbelehrbarkeit des Mannes, von dem eine Rückfallgefahr ausgehe. Ganz anders stellt es D. in dem Interview dar: Eine Therapie jetzt sei wohl nicht möglich, sagte er dem Interviewer. „Wer zahlt die? Da hapert es.“ Er würde aber eine machen, fragt der Reporter zurück. „Ja.“ Er habe „auch nie eine verweigert“.

Nie verweigert? Die Justizvollzugsanstalt Straubing, in der D. 14 Jahre lang einsaß, kennt die ganze Wahrheit. Im Fall von Sexualstraftätern mit mehr als zwei Jahren Gefängnishaft ist es sogar Gesetz, sozialtherapeutische Maßnahmen anzubieten. So auch bei Karl D.: In seinem Vollzugsplan war festgeschrieben, ihm jedes halbe Jahr eine Sozialtherapie für Sexualstraftäter anzubieten, erklärt der Sprecher des Justizministeriums, Stefan Heilmann. Bayernweit gibt es 152 Therapie-Plätze für Sexualstraftäter – D. hätte einen haben könne. Allein: Er lehnte ab, jedes halbe Jahr aufs Neue.

2007 reichte es der Anstaltsleitung: Sie verfügte, D. zwangsweise in eine Therapie einzufügen. Vorgesehen war ein gruppenpsychotherapeutischer Ansatz mit Gestalttherapie, ein soziales Kompetenztraining, Anti-Gewalt-Training sowie Teilnahme an Angeboten wie etwa Entspannungstraining oder Kreativprogrammen. D. sollte fortan halbtags wie andere Häftlinge auch arbeiten, die andere Hälfte des Tages an der Therapie teilnehmen.

Aber nach drei Monaten gab die Anstaltsleitung auf. „D. ist durch destruktives Verhalten so stark auffällig geworden, dass der Versuch nach drei Monaten abgebrochen wurde“, berichtet Ministeriumssprecher Heilmann. Er habe sich „auf keinen Therapieaspekt eingelassen“.
Eine mögliche Erklärung des Justizministeriums: D. hat die brutale Vergewaltigungen zweier Mädchen 1994 in Geretsried nie zugegeben, er betrachtet sich nach eigener Aussage als unschuldig. „und wer unschuldig ist, hat keine Therapie nötig“. Daraus folgt: Reue ist von D. wohl nicht zu erwarten, jetzt nicht, und in der Zukunft nicht. Das ist eine weitere Aussage von D. im Interview wohl nur folgerichtig: Vor ihm brauche „keiner Angst zu haben“, fügte D. an. Er werde außerdem ja ständig überwacht.

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