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Innen- und Verkehrsminister Herrmann stellte in Nürnberg in einem Pilotprojekt spezielle Sichtschutzwände vor, die Unfallstellen von neugierigen Blicken abschirmen sollen.

Mobile Barrieren

Sichtschutzwände sollen gegen dreiste Unfall-Gaffer helfen

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Schaulustige sind bei schweren Unfällen ein Problem für die Rettungskräfte, zuletzt auch beim schweren Busunglück auf der A9 bei Münchberg. Neue, mobile Sichtschutzwände sollen helfen.

München – Erst am vergangenen Freitag war es wieder soweit. Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Ottobrunn auf der A 99. Absicherung für den Rettungsdienst. Auf der Rampe zur A 8 bei Hofolding steht ein Auto auf dem Seitenstreifen mit Warndreieck und Warnblickanlage. „Dem Fahrer ging es gesundheitlich nicht gut“, sagt Feuerwehrkommandant Eduard Klas. Und während sich die Rettungskräfte um den Mann kümmerten, stockte auf den vier Spuren der A 99 der Verkehr. Weil die Autofahrer neugierig waren und teilweise ihr Handy zückten, um den Einsatz zu filmen. „Man kann nur noch den Kopf schütteln“, sagt Klas. Die Gaffer und ihre Sensationsgier sind für die Feuerwehrmänner längst zum lästigen Alltag geworden.

Mit ihren Aktionen behindern Gaffer nicht nur den Verkehr, indem sie zusätzliche Staus auslösen oder durch Abbremsen neue Unfälle verursachen. Sie stören auch oft die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit oder blockieren Rettungswege. Und verletzen die Persönlichkeitsrechte der gefilmten und fotografierten Opfer.

Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) will reagieren. Zwei der 29 Autobahnmeistereien in Bayern werden in einem Pilotprojekt mit Sichtschutzwänden ausgestattet, um Unfallstellen vor neugieren Blicken zu schützen. Bis zu 100 Meter lange Sichtbarrieren können bei schweren Unfällen aufgebaut werden. In anderen Bundesländern wird das längst praktiziert, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel seit 2015.

Testen dürfen die neuen Sichtschutzwände die Autobahnmeistereien Herrieden und Münchberg. Bis Ende 2018 soll das Konzept dort „auf Herz und Nieren“ geprüft werden, sagte Herrmann, bevor der bayernweite Einsatz vorangetrieben wird. In Münchberg werde außerdem eine Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk erprobt. Dessen Helfer sollen den Aufbau der Sichtschutzwände übernehmen, falls die Autobahnmeisterei nach einem Unfall die Barrieren nicht zeitnah aufstellen kann.

Hintergrund ist nicht zuletzt der schwere Busunfall Anfang Juli auf der A 9 im Landkreis Hof, bei dem 18 Menschen starben. Bei der Brandkatastrophe hatten neugierige Autofahrer die Zufahrt für Rettungskräfte erschwert. Vor lästigen Gaffer hatten sich die Rettungskräfte dort noch selbst geholfen – ohne Sichtschutzwände. Feuerwehrfahrzeuge wurden vor dem ausgebrannten Wrack geparkt und Planen gespannt. So konnten die Leichen ohne die Blicke von Gaffern geborgen werden.

„Die Situation ist leider unverändert“, sagt Eduard Klas, der schon vor einem Jahr die zunehmende Gaffer-Problematik beklagt hatte (wir berichteten). Dass seitdem die Strafen erhöht wurden, sei zwar richtig, bringe im Alltag allerdings wenig. „Die Polizei hat in dem Moment schließlich anders zu tun, als die Personalien von Schaulustigen aufzunehmen“, sagt Klas.

Seine Feuerwehr hat sich bereits vor zwei Jahren für rund 800 Euro einen Sichtschutz zugelegt, weil sich die Fälle gehäuft hatten. „Wir nehmen sie regelmäßig her“, sagt er. Nicht nur, um Staus zu verhindern, sondern auch um die Würde der Verletzten zu wahren. „Wer will in so einer Situation schon zur Kinovorstellung für die Passanten werden.“

Die Initiative des Verkehrsministers findet Klas grundsätzlich gut. Allerdings fände er es sinnvoller, wenn statt den Autobahnmeistereien die Feuerwehren mit einem solchen Sichtschutzsystem ausgestatten würden. „Wir sind es schließlich, die als erstes am Unfallort sind. Bis die Meistereien kommen, dauert es oft eine Weile.“

Die größte Hoffnung setzt Klas aber in eine technische Lösung. Auf der Salzburger Autobahn A 8 zwischen dem Autobahnkreuz München-Süd und der Anschlussstelle Holzkirchen wird derzeit probeweise über das Verkehrsleitsystem auf das Bilden einer Rettungsgasse bei Staus hingewiesen wird. „So etwas wird am ehesten wahrgenommen.“

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