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Teure Farbenpracht am Münchner Neujahrshimmel: Die Deutschen geben immer mehr Geld für Feuerwerke aus.

Silvester: Darum wird es heuer besonders laut

München - Knaller-Liebhaber aufgepasst: Silvester könnte heuer besonders laut und farbenprächtig werden. Eine neue EU-Regelung erlaubt mehr Schwarzpulver in Feuerwerken. Ein Experte spricht von einem "Riesenunterschied".

Heute beginnt die Jagd auf „Goldene Blumeneffekte“, „Glitzersterne mit Silberwirbeln“ oder „Schnellfeuer mit Knisterwolke“. Wie jedes Jahr startet der Verkauf der Feuerwerksraketen zwei Tage vor Silvester – und die Kunden plündern die Regale. Für den Jahreswechsel 2009 ließen sich die Deutschen das Spektakel am Nachthimmel 113 Millionen Euro kosten. Das waren knapp vier Millionen Euro mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen: Eine neue EU-Regelung lässt Otto-Normal-Verbraucher fast ähnlich aufwändig knallen wie Pyrotechnik-Profis. Künftig sind kraftvollere Feuerwerke erlaubt.

Die Gesetzesänderung gilt in Deutschland seit Anfang des Jahres. Das bevorstehende Silvester ist also das erste Spektakel, für das es die neuen Produkte auf dem legalen Markt zu kaufen gibt. Hintergrund ist das Ziel der Europäischen Union, Sicherheitsvorschriften in den Mitgliedsländern weitgehend zu vereinheitlichen. Für Deutschland wirkt sich dies auf sogenannte Batteriefeuerwerke aus. Das sind aus mehreren Röhrchen bestehende Klötze, die nur einmal angezündet werden und dann ein längeres Feuerwerk abschießen. Eine solche „Cakebox“ (englisch für „Kuchenschachtel“) darf künftig 500 Gramm Effektladung enthalten. Nationales Gesetz erlaubte bislang nur 200 Gramm. „Das Feuerwerk wird dadurch deutlich farbenprächtiger und länger“, erklärt Klaus Gotzen, Geschäftsführer beim Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI). Von einem „Riesenunterschied“ spricht Enrico Enzmann, Feuerwerks-Experte aus Geretsried im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Silvester rund um den Globus

So begrüßen die Menschen das neue Jahr

Auch in Verbundfeuerwerken, bei denen gleich mehrere Batterien auf einer Plattform verbunden sind, dürfen zweieinhalb mal so viel Treib- und Leuchtmittel enthalten als bisher erlaubt. Die stärkeren Verbundfeuerwerke ballern und zischen bis zu drei Minuten. Gefährlicher seien die leistungsfähigeren Feuerwerke nicht, sagt Gotzen.

Die Hauptzielgruppe für die Pyrotechnik-Branche sind eigentlich Männer zwischen 18 und 35 Jahren sind – aber auch Frauen begeistern sich immer mehr für Knaller und Böller. „Der weibliche Anteil hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, bestätigt Gotzen. „Vor allem die Batterien scheinen es ihnen angetan zu haben, weil man die Effekte lange genießen kann und die Handhabung einfach ist.“

Illegale Knaller vor allem wegen Inhalt gefährlich

So glanzvoll der Glitzerregen am Himmel und die Fontänen auf dem Boden sein können, so groß ist die Verletzungsgefahr. Vor allem Eltern sollten Raketen und Böller nicht in die Hände von Kindern geben. Bestimmte Produkte (Klasse „PII“) dürfen nur von Volljährigen abgebrannt werden. Für ein sicheres Abbrennen von Feuerwerk sind Leichtsinn und Alkohol keine guten Voraussetzungen, so das Landeskriminalamt (LKA). Auch auf dem Schwarzmarkt sieht die Polizei eine unberechenbare Gefahr: Sicherheitsbehörden in Bayern stellen zunehmend Einfuhr, Handel und Verwendung illegaler Pyrotechnik fest. Erst gestern beschlagnahmten Beamte bei Schirnding im oberfränkischen Kreis Wunsiedel rund 1000 verbotene Knallkörper. Drei Burschen aus Köln wollten sie illegal aus Tschechien einführen. Doch das ist strafbar, warnt das LKA. Diesen Produkten fehle in der Regel die Zulassung der Bundesanstalt für Materialprüfung (sogenannte BAM-Kennzeichnung).

Gefährlich sind die illegalen Knaller vor allem wegen des Inhalts: Sprengstoffexperten des LKA stellten fest, dass bei Böllern und Raketen aus der Tschechischen Republik beispielsweise als Explosivstoff gesundheitsgefährdende Blitzknallsätze auf Chloratbasis statt wie in Deutschland üblich Schwarzpulver verwendet wird. Das LKA empfiehlt: Ohne BAM-Zulassung kein Raketen-Kauf.

Von Carina Lechner

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