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Abbruchreif ist das Haus der Bernbachers heute. Gebaut werden darf auf dem Grundstück nicht mehr. Bald fließt dort der Simbach.

Folgen der Flutkatastrophe in Niederbayern

Simbach: Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

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Zwölf Monate nach der verheerenden Flut von Simbach am Inn ist die Normalität noch nicht in den Ort zurückgekehrt. Während die einen mit dem Wiederaufbau zugange sind, gibt es für andere in ihrer Heimat keine Zukunft.

Auf dem Balkon brachte das Ehepaar Bernbacher bis zur Rettung bange Stunden zu.

Simbach am Inn – Die Fotos vom Haus der Bernbachers in Simbach am Inn gingen vor einem Jahr um die Welt. Am 1. Juni 2016 verwandelte ein Jahrtausendhochwasser den niederbayerischen Ort in eine Wüste aus Schlamm und Geröll. Tausende Bretter und Holzstämme aus einem flussaufwärts gelegenen Sägewerk schwemmte der bis dahin harmlose Simbach wie Mikadostäbchen mitten durch die Kleinstadt. Das Haus des Ehepaars Bernbacher stand dieser Holzflut genau im Weg. Vom Wasser eingeschlossen, das Knarzen und Splittern der sich bis zum Giebel türmenden Holzmassen im Rücken, fürchteten Christian und Margarete Bernbacher drei Stunden um ihr Leben. Dann retteten sie sich am Seil eines Hubschraubers über den Balkon. Fünf Simbacher ertranken an dem Tag in den Wassermassen.

Anstelle des Hauses fließt bald der Simbach

Den Kreuzberger Weg 5, die Adresse der Bernbachers, wird es bald nicht mehr geben. Das ohnehin schwer beschädigte Haus muss – wie gut ein Dutzend weitere Gebäude – einer Erweiterung des Bachbetts zum Überschwemmungsschutz weichen. Samt Grundstück haben es der Techniker (53) und die Arzthelferin (51) an das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf verkauft. „Das hat uns psychisch total niedergehauen“, erinnert sich Christian Bernbacher an die Wochen und Monate nach der Flut. Nun lebt das Paar auf der österreichischen Seite des Inns, wo es ein Haus kaufen konnte – einige Kilometer weg vom Fluss.

Der Tag danach: Christian Bernbacher schaufelt Schlamm aus dem Elternhaus seiner Frau in Simbach. Bis zum Giebel türmen sich Bretter und Stämme, die der Simbach aus einem Sägewerk flussaufwärts angeschwemmt hat.

In Simbach stehen heute viele Häuser leer, die Fenster sind mit Holzplatten vernagelt. Am Mauerwerk lässt sich ablesen, wie hoch der Schlamm stand. Neben den Haustüren sind noch die aufgesprühten blauen Kreuze zu sehen. Mit ihnen hatten die Retter die Gebäude markiert, nachdem sie sie nach Opfern und Überlebenden durchsucht hatten. Die Flut hat den tiefer gelegenen Teil des Orts in eine Geisterstadt verwandelt. Bis zu fünf Meter hoch stieg das Wasser, nachdem oberhalb der Stadt nach tagelangem Regen ein Damm gerissen war. „Wir haben noch einige Jahre zu tun, um wieder Normalzustand in Simbach zu haben“, sagt Bürgermeister Klaus Schmid.

Doch aufgegeben haben die Simbacher ihre Heimatstadt nicht: Die ersten Bewohner seien wieder in ihre Häuser zurückgekehrt, sagt der Bürgermeister. „Der Schritt zur Normalität ist da.“ Etliche Häuser sind eingerüstet, es wird gebaut, abgerissen, saniert.

Für die Metzgerei Feyrer ist der 1. Juni dreifacher Schicksalstag

Wie in der Metzgerei Feyrer. Dort sind Handwerker mit den letzten Einrichtungsarbeiten beschäftigt. Denn die Inhaber Alois und Helga Feyrer haben einen Termin für die Neueröffnung: den heutigen 1. Juni, Schicksalsdatum für die Metzgerfamilie. 1983 feierten sie an dem Tag ihre Geschäftseröffnung. Genau 33 Jahre später riss der Simbach die schweren Metallplatten weg, mit denen die Metzgerei gegen die Flut verbarrikadiert war, zermalmte die Fleischtheke und ruinierte die teuren Kühlgeräte und Produktionsmaschinen. Den Jahrestag der Flut nehmen die Feyrers zum Anlass für den Neubeginn. „Es war ein schwieriges Jahr. Und wir sind froh, dass es vorbei ist“, sagt Helga Feyrer.

Andere Geschäftsleute und Anwohner winken ab, wollen über die Flut nicht mehr sprechen. „Es ist ganz unterschiedlich. Jeder verarbeitet es auf seine eigene Art und auf sein eigenes Herz hin“, sagt der Bürgermeister. Bei den einen gebe es noch Bedarf, sich die Seele freizureden. Andere wollten nichts mehr davon hören und sehen.

Da ist es hilfreich, dass endlich auch die letzten Schlammberge beseitigt worden sind. 5,3 Millionen Kubikmeter Wasser und Dreck seien durch Simbach geschossen, bilanziert Schmid. Das entspricht dem doppelten Volumen der Cheopspyramide. Erst kurz vor dem Jahrestag war der Schlamm raus aus der Stadt. Und eines Tages werden wohl auch die blauen Kreuze von den Hauswänden verschwunden sein, die wie Mahnmale an die Katastrophe von 2016 erinnern.

mit dpa

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