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Joachim Herrmann (3. von links) überreicht die Staatsangehörigkeitsurkunde an fünf neue Bürger Bayerns: Margaret Bernadette Schimming (v.l., Großbritannien), Elena Strljic (Kroatien), Benjamin David Brown (Großbritannien), Mohamed Salem El Haillaji (Mauretanien) und Irena Lekavski (Bosnien-Herzegovina).

Statistik zur Staatsangehörigkeit

Das sind Bayerns neueste Bürger

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München - 14.394 Menschen sind im vergangenen Jahr in Bayern eingebürgert worden. Immer mehr dieser neuen Bürger im Freistaat stammen aus der EU. Der Brexit macht sich besonders bemerkbar.

Benjamin David Brown ist, das kann man so sagen, ein echter Bayer. Hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen. Er ist 19 Jahre alt, lebt in Riemerling (Kreis München) und studiert Sinologie und orthodoxe Theologie. Aber er ist nicht nur Bayer, auf dem Papier ist er auch Brite. Sein Vater stammt aus London, seine Mutter aus Nordirland, sie kamen als Englischlehrer nach Deutschland. Benjamin Brown hat die britische Staatsangehörigkeit. Aber seit ihm Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag die bayerische Verfassung und das deutsche Grundgesetz in die Hand gedrückt hat, auch die deutsche. Und wie fühlt er sich? „Wie ein Europäer“, sagt er und lächelt.

14.394 Menschen sind im vergangenen Jahr in Bayern wie Benjamin Brown eingebürgert worden. Das verkündete Herrmann am Donnerstag bei der Vorstellung der Einbürgerungsstatistik. Es ist ein Anstieg von 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt bewegen sich die Einbürgerungszahlen aber seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau, erklärt der Innenminister.

Über ein Drittel aller Eingebürgerten kommt aus der EU. Aus den Ländern Rumänien, Polen und Kroatien wurden die meisten Menschen eingebürgert. Danach folgten Italiener und Griechen. Besonders auffällig ist der Anstieg bei den britischen Staatsangehörigen: 313 Briten erhielten in Bayern den deutschen Pass – fast viermal so viele wie im Jahr zuvor. „Viele Briten haben lange hervorragend integriert in Deutschland gelebt, ohne die deutsche Staatsangehörigkeit anzustreben“, sagt Herrmann. „Die Brexit-Pläne scheinen nun ein Umdenken zu bewirken.“

So ging es auch Benjamin Brown. „Ich habe schon länger überlegt“, sagt er, „aber der Brexit hat mir den letzten Push gegeben, zur Einbürgerungsbehörde zu gehen.“ Die britische Staatsangehörigkeit behält er. „Ich bin froh, dass ich mich nicht für eines der beiden Länder entscheiden muss. Irgendwie gehört beides zu mir.“

Für Menschen außerhalb der EU ist es wesentlich schwieriger, beide Staatsbürgerschaften zu behalten. „Die Vermeidung von Mehrstaatigkeit ist ein wesentlicher Grundpfeiler unseres Staatsangehörigkeitsrechts. Daran halten wir fest“, sagt Herrmann. Bemerkbar macht sich das bei der größten Gruppe von Eingebürgerten außerhalb der EU: den Türken. 1852 Türken erhielten im vergangenen Jahr in Bayern die deutsche Staatsbürgerschaft. Die türkische Staatsbürgerschaft durften aber nur 51 von ihnen zusätzlich behalten.

Die Grünen fordern nach Veröffentlichung der neuen Statistik ein aktives Zugehen der Ausländerbehörden auf Migranten. „Einbürgerung ist ein Instrument erfolgreicher Integration“, so die integrationspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Margarete Bause, „und hier hat Bayern erheblichen Nachholbedarf.“ Im Vergleich zu anderen Bundesländern schöpfe Bayern das Einbürgerungspotenzial mit 1,67 Prozent am schlechtesten aus. Mit einer aktiven Einbürgerungskampagne könne man Migranten stärker an den Staat binden.

Zwei Staatsbürgerschaften hat seit Donnerstag auch Irena Lekavski. Die 30-Jährige lebt in Nürnberg und arbeitet nach einem Volkswirtschaftsstudium als Sales-Managerin. Seit 1991 lebt sie in Deutschland, geboren ist sie in Bosnien-Herzegowina. Eigentlich wollte sie schon lange den deutschen Pass. „Aber die ganzen Formalien in Bosnien sind aufwendig und teuer.“ Also hat sie sich erst nach dem Studium daran gemacht. Hauptgrund für den Antrag war der Wille zur Wahl. „Ich will in dem Land, in dem ich lebe, auch mitbestimmen können“, sagt sie. Den bosnischen Pass behält sie dennoch. „Das Land ist in Trümmern – der Pass ist so etwas wie das einzige, das man noch davon hat.“ In der Hand hat sie ihre neue Staatsbürgerschaftsurkunde. „Jetzt bin ich völlig integriert“, sagt sie und lacht. „Ein schönes Gefühl.“

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