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Der Igel steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Tierarten in Bayern.

Artenschutzdebatte im Landtag

Sind Hase und Igel die Dinosaurier von morgen?

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In einer lebhaften Diskussion im Landtag streiten die Fraktionen über die Maßnahmen zum Artenschutz in Bayern. Es hagelt dabei Vorwürfe gegen den Kurs der Staatsregierung.

München – Während CSU und Freie Wähler weiter auf den Weg der Freiwilligkeit setzen wollen, fordern Grüne und SPD vehement schärfere Vorgaben für die Landwirtschaft.

Magerl (Grüne): Frust über zahllose abgelehnte Anträge

Es sind die letzten Wochen des Abgeordneten Christian Magerl im bayerischen Landtag. Nach sechs Wahlperioden kehrt das Grünen-Urgestein dem Parlament im Herbst den Rücken. Gestern wollte er eigentlich gar nicht sprechen – und das, obwohl es um das Leib-und-Magen-Thema des langjährigen Umweltausschuss-Vorsitzenden ging: den Artenschutz. Doch als sich die aktuelle Stunde im Plenum eigentlich schon dem Ende neigte, trat Magerl doch noch einmal ans Rednerpult. Es hatte sich etwas angestaut. „Das ist vielleicht meine letzte Rede zum Thema Artenschutz“, sagte er. Und die wenigen Minuten nutzte er, um seinen Frust über zahllose abgelehnte Anträge zum Artenschutz aus drei Jahrzehnten an die CSU zu formulieren. „Sie können gesundreden, was Sie wollen.“ Der Zustand der bayerischen Artenvielfalt sei nach wie vor schlecht. „Ich kann Ihnen nur eins ins Stammbuch schreiben: Sechs, setzen!“

Der Feldhase: Auch seine Bestände schrumpfen immer weiter. Es fehlt an Lebensraum.

Zuvor hatte sich Umweltminister Marcel Huber (CSU) unter lauten Zwischenrufen gegen die Kritik vonseiten der Grünen und der SPD gewehrt. Der Vorwurf: Die Staatsregierung zeige seit Jahrzehnten zu wenig Engagement, um den Rückgang der Tier- und Pflanzenarten in Bayern zu stoppen. Ein Blick in die Roten Listen würde genügen, um die dramatische Situation für Flora und Fauna im Freistaat zu erkennen. „Wenn das so weitergeht, werden Hase und Igel die Dinosaurier von morgen sein“, prognostizierte Ludwig Hartmann von den Grünen. Und Florian von Brunn (SPD) warf der CSU Lobbypolitik auf Kosten der Natur vor. „Umweltschutz muss sich für die Bauern endlich lohnen.“ Mit dem Prinzip der freiwilligen Anreize, das die Staatsregierung verfolge, sei dem Artenrückgang nicht beizukommen, sind sich SPD und Grüne einig. Es brauche eine grundlegende Reform der Agrarpolitik und mehr Engagement gegen den Klimawandel.

Minister Huber: „Prinzip der Freiwilligkeit funktioniert“

Huber sieht das anders. „Das Prinzip der Freiwilligkeit funktioniert“, sagte er mit Blick auf die rund 90 000 Hektar Fläche, die mittlerweile nach Kriterien des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet wird und die künftig noch verdoppelt werden soll. Mit Artenschutzprogrammen habe man etwa beim Weißstorch, der Zwerglibelle oder dem Turmfalken schon große Erfolge erzielt. Mit 25 neuen Artenschutzprogrammen soll das zum Beispiel auch bei Schmetterlingen, holzbewohnenden Käfern oder Moorlibellen gelingen. „Wir wollen die Trendwende“, betonte Huber und verwies dabei aber auch auf die Verantwortung des Bundes und der EU. „Der Artenschutz ist eine Querschnittaufgabe.“

Unterstützung für diesen Kurs gab es von den Freien Wählern. So sieht Benno Zierer zwar „dringenden Handlungsbedarf“. Er plädierte aber ebenfalls für freiwillige Anreize statt für „Gängelung“. Bessere Beratungsangebote für die Landwirtschaft würden ebenso helfen wie ein umweltverträglicheres Freizeitverhalten eines jeden Einzelnen.

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