Kritik von Verband

Sind die Schulen schon im "Gammelmodus"?

Nürnberg - Am Ende des Schuljahrs: Die Noten stehen fest, die Sonne brennt vom Himmel und die Sommerferien sind in Sicht. Aber noch wird unterrichtet - oder etwa nicht? Ein Kritiker meint: Es wird nur noch „gegammelt“. Lehrer weisen diesen Vorwurf zurück.

Knapp vier Wochen vor der Zeugnisvergabe sind Bayerns Schulen nach Ansicht eines Verbands in den Leerlauf übergegangen, weil die Noten jetzt feststehen. „Fallen die Zensuren weg, schleicht sich ein Gammelmodus ein, gegen den man fast machtlos ist“, sagte der Vorsitzende der Aktion Humane Schule, Jonas Lanig, den „Nürnberger Nachrichten“ (Samstag). Regulärer Unterricht sei kaum noch möglich.

„Schulen sind hilflos in dieser Situation, außer Unterricht können sie nämlich nichts“, kritisierte der ehemalige Deutschlehrer. „Ich habe es in 36 Jahren als Lehrer nicht ein einziges Mal erlebt, dass diskutiert wurde, was in den letzten Wochen passieren könnte.“ Dabei könne man jetzt Themen ansprechen, die „nicht ins Fachraster passen, aber viel mit dem Alltag der Schülerinnen und Schüler zu tun haben“ - zum Beispiel digitale Welten, Drogen oder Gesundheit.

Das bayerische Kultusministerium wies die Kritik am „Gammelmodus“ als „einseitig überzogen“ zurück. „Dass man am Ende des Schuljahrs - gerade auch jetzt wegen der Hitze - mal einen Gang zurückschaltet, ist verständlich“, sagte am Sonntag der Ministeriumssprecher Ludwig Unger. Viele Schulen nutzten diese Wochen, um nicht nur Unterricht zu machen, sondern auch Exkursionen oder Veranstaltungen, die dem Zusammenhalt der Klassen dienten.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zeigte sich am Sonntag überrascht von der Kritik. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann räumte zwar ein, dass der Zeitraum zwischen Notenschluss und Ferienbeginn für Lehrer eine Herausforderung darstelle. Trotzdem werde in dieser Zeit nicht gegammelt. Viele Pädagogen nutzten die Zeit für ein vom Notendruck befreites, stressfreies Lernen. Manche Lehrer holten Schulstoff nach, andere böten Projekttage an.

Aber auch Ausflüge etwa in Kletterparks hätten ihren Sinn. Dabei lasse sich unter anderem Teamfähigkeit lernen. Und selbst Ausflüge in Schwimmbäder und Seen oder Übernachtungspartys gehörten zum Schulleben dazu. „Nach einer längeren Phase sehr angespannten Lernens muss es an der Schule auch mal entspannte Phasen geben, in denen man etwas zusammen unternimmt und zusammen feiert“, sagte die Lehrervertreterin.

dpa

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