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Geschmacklos oder witzig?

Sixt: Irre Werbung mit Gustl Mollath

München - Geschmacklos oder witzig? Der Autovermieter Sixt hat den aus der geschlossenen Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath ungefragt zur Werbefigur gemacht.

Der aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath macht jetzt unfreiwillig Werbung. Der Autovermieter Sixt setzt auf die Popularität des 56 Jahre alten Nürnbergers. Eine Anzeige in der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag) zeigt ein Porträt Mollaths mit dem Text „Wenn hier jemand verrückt ist, dann Sixt mit seinen Preisen“. Der Autovermieter hatte in der Vergangenheit wiederholt Politiker unabgesprochen vor seinen Werbekarren gespannt.

Mollaths Anwalt Gerhard Strate sagte am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, das Zitat in der Anzeige sei frei erfunden. Sein Mandant sei von der Werbeaktion überrascht worden. „Wir werden presserechtlich dagegen vorgehen. Das ist ein dreister Rechtsbruch“, unterstrich der Jurist. Vor allem die Verwendung des Begriffs „verrückt“ halte er im Zusammenhang mit seinem Mandanten für höchst problematisch.

Ein Sixt-Sprecher räumte am Montag ein, dass die Werbung mit Mollath nicht abgesprochen sei. Das Unternehmen gehe aber davon aus, dass Herr Mollath mittlerweile eine öffentliche Person sei. Damit sei auch die Werbung ohne sein Einverständnis machbar. Im Gegensatz zu Politikern sehe man aber einen Unterschied - und biete auch deswegen ein Honorar. „Wir werden heute auf Herrn Mollath zugehen und ihm ein Honorar für die Anzeige anbieten.“

Auch in den Augen von Strate ist die Werbung mit dem Mollath-Porträt nicht mit früheren Sixt-Webeanzeigen vergleichbar, die prominente Politiker zeigen. „Der Fall Mollath hat andere Komponenten“, unterstrich Strate. Daher sei auch die Rechtsprechung zu früheren Sixt-Anzeigen nicht auf den Fall Mollath anwendbar.

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen und vor einer knappen Woche entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde von Mollaths Anwalt hin zugleich angeordnet, das Verfahren gegen den 56-Jährigen Maschinenbauer in Regensburg neu aufzurollen. Mit der Aufhebung eines früheren Urteils kam Mollath noch am selben Tag frei.

Mollath soll nach dem Nürnberger Urteil aus dem Jahr 2006 unter anderem seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben. Er sieht sich als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe hingewiesen habe. Mollath hatte 2003 seine Frau, eine Vermögensberaterin bei einer Bank, und andere wegen unsauberer Geschäfte angezeigt. Die Vorwürfe wurden nicht weiterverfolgt, erwiesen sich später aber teilweise als zutreffend.

dpa

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