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Alpinpolizist Oliver Anzböck mit Teilen des Skies und der Lederschuhe

An der deutsch-österreichischen Grenze

Skelett nach 80 Jahren aus Höhle geborgen

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Glanegg/Salzburg – Ungewöhnlicher Rettungseinsatz am Untersberg im Salzburger Land: Höhlenexperten haben dort gestern ein Skelett samt uralter Skiausrüstung aus einer Tiefe von 300 Metern geborgen. Doch das Rätsel ist damit noch nicht gelöst.

Es war eine ungewöhnliche Bergungsmission, die die Höhlenretter am Dienstag am Untersberg an der deutsch-österreichischen Grenze im Salzburger Land in Atem gehalten hat. Nicht etwa, weil der Einsatz besonders spektakulär gewesen wäre. „Nach zwölf Stunden waren die Kollegen wieder draußen“, sagt Oliver Anzböck, Einsatzleiter bei der Alpinpolizei Salzburg. Umso spektakulärer ist das, was die Retter aus dem 300 Meter tiefen Schacht nahe der Schweigmühlalm in einem Bergesarg ans Tageslicht gehievt haben: Ein menschliches Skelett, ein Paar genagelte Lederschuhe sowie die Überreste eines Holzski mit Riemenbindung und des dazugehörigen Skistocks. Erinnerungen an Ötzi drängen sich auf.

Doch ganz so alt ist der Skelettfund im Untersberg dann doch nicht. „Es sieht aktuell danach aus, dass die Knochen aus den 1930er- oder 1940er-Jahren stammen“, sagt Anzböck. Zuerst waren die Experten von einer 40 bis 50 Jahre alten Leiche ausgegangen. Doch die sehr nostalgisch wirkende Ausrüstung aus Leder und Holz deutet darauf hin, dass der Skifahrer schon vor 70 oder 80 Jahren auf der Untersberg-Abfahrt durch einen Spalt 50 Meter abgestürzt ist. Schmelz- und Regenwasser haben die Leiche dann über die Jahre weitere 250 Meter in die Tiefe gespült.

Gefunden hatte das Skelett ein Geologe, der vor gut zwei Wochen in die noch nicht komplett erkundete Höhle abgestiegen war. Diese befindet sich übrigens im selben Bergmassiv wie die Riesending-Schachthöhle, aus der der verunglückte Höhlenforscher Johann Westhauser in einer insgesamt elf Tage dauernden Aktion im Juni gerettet worden war.

Am Dienstagvormittag kletterten dann drei Experten der Salzburger Höhlenrettung und zwei Alpinpolizisten in die Tiefe, um den ungewöhnlichen Fund zu dokumentieren und vorsichtig an die Oberfläche zu ziehen. Zentimeter für Zentimeter, um die ohnehin stark verwesten Stücke nicht noch mehr zu beschädigen.

Ein Polizeihubschrauber flog das Skelett samt Ausrüstung gestern Vormittag ins Tal. Dort sollen nun Gerichtsmediziner das tatsächliche Alter der Leiche sowie ihre Herkunft klären. „Vielleicht bringt uns eine DNA-Analyse weiter“, sagt Einsatzleiter Anzböck. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden sich in diesem Fall nicht großartig von anderen Todesfällen unterscheiden. Allerdings dürften sich die Gerichtsmediziner bei dem Skifahrer aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg eher wie Archäologen vorkommen.

Auch Anzböck kann sich an keine Bergung einer so alten Leiche erinnern. Trotzdem seien die zahlreichen Spalten und Höhlen, die den Untersberg durchziehen, immer wieder einmal Menschen zum Verhängnis geworden. „Der Berg ist innen total durchlöchert“, sagt der Alpinpolizist. Drei Personen wurden seit 1970 als vermisst gemeldet. „Und die gehen uns leider immer noch ab.“

Einen noch viel älteren Verschollenen haben die Retter jetzt geborgen. Und doch ist unklar, ob ihn auch heute noch jemand vermisst. Anzböck gibt die Hoffnung nicht auf: „Vielleicht ist ja doch noch einer entfernt mit ihm verwandt.“

Sebastian Grauvogl

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