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Ski-Saisonstart wegen 2G plus vor dem Aus - Liftbetreiber setzen ihre Hoffnungen auf Aiwanger

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Von: Dominik Göttler, Markus Christandl, Katharina Bromberger

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Der Schnee wäre da, doch ob im Skigebiet Garmisch Classic überhaupt die Saison startet, ist völlig offen. Die 2G-plus-Regeln seien nicht kontrollierbar, heißt es bei Bayerns Seilbahnbetreibern.

München – Auf dem Gipfel der Zugspitze* kommt es in diesen Tagen zu kuriosen Situationen. Skifahrer, die über die österreichische Seite gemäß den 2G-Regeln auf der Piste unterwegs sind, dürfen auf bayerischer Seite zwar die Gastronomie nutzen – nicht aber die Skilifte. Denn da gilt 2G plus und somit ist ein Testnachweis nötig. „Das muss man den Leuten erst mal erklären“, stöhnt Matthias Stauch, Chef der Bayerischen Zugspitzbahn.

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Corona: 2G plus ist in den bayerischen Skigebieten nicht machbar

Während auf der Zugspitze der Skibetrieb seit Mitte November läuft, ist es im tiefer gelegenen Skigebiet Garmisch-Classic völlig unklar, ob die Skisaison heuer überhaupt startet – obwohl die Wetterbedingungen* aktuell kaum besser sein könnten. In vielen bayerischen Skigebieten sieht es ähnlich aus. Der Tenor: Ein Skiwinter mit der derzeit vorgeschriebenen 2G-plus-Regelung sei nicht machbar. „Das Plus bringt uns zum Verzweifeln“, sagt Stauch. Denn im Gegensatz zum Zugspitz-Skigebiet gibt es beim Garmisch-Classic viel mehr Zugänge, an denen überall kontrolliert werden müsste.

Bei den Oberstdorf-Kleinwalsertal Bergbahnen im Allgäu (dazu gehören etwa die Nebelhorn- und die Fellhornbahn) beginnt die Wintersaison in Bayern am 17. Dezember, am Wochenende lief am Söllereck ein dreitägiger Testbetrieb. Die Erfahrung mit 2G plus sind laut Sprecher Jörn Homburg bislang „desaströs – vom wirtschaftlichen Standpunkt her und vom hygienischen“. In normalen Zeiten brauche der Skifahrer im Idealfall 30 Sekunden für den Durchlauf an der Kasse. Im Testlauf mit den neuen Regeln dauerte es vier bis sieben Minuten pro Person. „Teststatus vorzeigen und überprüfen, Impfausweis oder Zertifikate vorzeigen und überprüfen, dazu mit dem Personalausweis abgleichen.“ Das ziehe sich und in der Zeit werde die Schlange hinter dem Kartenkäufer immer länger. Die Erfahrungen aus den ersten drei Tagen hält Homburg für „erschreckend“. Er hofft auf ein Einsehen der Staatsregierung, dass man von 2G plus auf 2G wechsele, „wir sind ja ein Freiluftsport“.

Corona: Die Seilbahnbetreiber hoffen auf ein Signal aus der Staatskanzlei

Auch in den Skigebieten von AlpenPlus (Brauneck, Spitzingsee, Sudelfeld) wären die Bedingungen für einen Saisonstart perfekt. „Aber ob wir genug Personal herbekommen, um die 2G-plus-Regeln an jedem Zustieg zu kontrollieren, wissen wir nicht“, sagt Sprecherin Antonia Asenstorfer. „Viele Saisonkartenbesitzer wollen zudem ihre Karten zurückgeben, weil sie sagen, sie gehen lieber nach Österreich*.“ Dort gibt’s die Pistengaudi ohne tagesaktuellen Test. Allein aus Gründen der Fairness hofft deswegen auch Asenstorfer auf ein Signal aus der Staatskanzlei.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger* (FW) schürt die Hoffnung auf Erleichterungen. Er werde sich weiter dafür einsetzen, dass die Seilbahnbetriebe in Bayern mit 2G in die Saison starten können, teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage mit. In der CSU ist man zwar durchaus genervt von Aiwangers Vorstößen. In der Ski-Frage deutet sich aber Bewegung an. Der CSU-Wirtschaftspolitiker Walter Nussel bestätigt, dass es vergangene Woche einen Praxischeck mit Vertretern aus vier Ministerien an der Zugspitzbahn gab. „Mein Vorschlag ist 2G statt 2G plus“, sagt der Abgeordnete. Es sei nicht vermittelbar, dass bundesweit 3G bei Fahrten bis zur Seilbahn gelte, dann aber in Bayern 2G plus ab der Gondel. Das Thema liege nun zur Endabstimmung in der Staatskanzlei, möglicherweise befasse sich das Kabinett schon heute damit*.

Im Skigebiet Garmisch-Classic soll die Entscheidung über den Saisonstart spätestens am 15. Dezember fallen. Bis dahin wird nur für den Leistungssport präpariert, die sonstigen Vorbereitungen laufen „mit angezogener Handbremse“. Heißt: keine Dauerbeschneiung, lediglich ein paar zusätzliche Schneedepots. Für alles andere sei die Lage zu unsicher. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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