Skigebiete in Bayern

Wintertourismus eingebrochen

München - Skifahrer meiden Bayerns Skigebiete. Der Grund: Sie sind zu klein und altmodisch. Die Zahl der Übernachtungen ist daher weiter gesunken, und das trotz staatlicher Zuschüsse für Bahnen und Lifte.

Der Wintertourismus in Bayerns Skigebieten hat im Gegensatz zum allgemeinen Trend in den vergangenen zehn Jahren Einbußen erlitten. Die Zahl der Gästeankünfte ist weniger stark gestiegen als im bayernweiten Schnitt - und die Zahl der Übernachtungen sogar um gut sieben Prozent gesunken. Zählten die Tourismusgemeinden mit Skigebieten im Winterhalbjahr 2005/06 noch knapp 6,3 Millionen Übernachtungen, waren es im Winterhalbjahr 2013/14 nur noch 5,8 Millionen. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage von Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann hervor.

Über die Gründe für das unterdurchschnittliche Abschneiden der Skigebiete lässt sich das Wirtschaftsministerium nicht aus. Manche Gastronomen und Skischulbetreiber in den Wintersportorten verweisen mit Bedauern darauf, dass viele Urlauber aus Ländern wie China oder dem Mittleren Osten, in denen Skifahren weitgehend unbekannt ist, nur im Sommer nach Bayern kämen.

Die Grünen schließen aus den Daten, dass Subventionen für Seilbahnen und Schneekanonen hinausgeworfenes Geld sind. „Die Bayern-Urlauber setzen auf Natur, Wandern, Kultur und Wellness“, sagte Hartmann. „Die CSU-Regierung aber pumpt Millionen in Seilbahnen und Beschneiungsanlagen und betreibt damit Umweltvandalismus im Alpenraum. Das Wettrüsten in den Bergen ist gegen die Hochgebirgskonkurrenz in Tirol längst verloren.“

Hartmann verweist auf eine vom Wirtschaftsministerium zitierte GfK-Studie, wonach nur für acht Prozent der deutschen Bayern-Urlauber der Wintersport überhaupt eine Rolle spielt.

Im Sommer hat nach den Daten des Wirtschaftsministeriums zwar der Tagestourismus in den Skigebieten sehr stark um 35 Prozent zugelegt. Doch Hoteliers und Campingplätze in den jeweiligen Gemeinden haben auch davon vergleichsweise wenig: Im Sommer 2014 gab es lediglich 7,4 Prozent mehr Übernachtungen als acht Jahre zuvor - im Vergleich zum übrigen Bayern ein unterdurchschnittliches Plus. Denn landesweit wurden 2014 gut sechs Millionen mehr Übernachtungen gezählt als 2006, ein Anstieg von 13,4 Prozent.

Der Bayern-Tourismus sei eine Konjunkturlokomotive, die von der CSU-Regierung derzeit zielgerichtet aufs Abstellgleis manövriert werde, moniert deswegen Grünen-Fraktionschef Hartmann. Im ökologisch verträglichen und ressourcenschonenden Urlaub liege die Zukunft. „Bayerns Postkartenlandschaft ist der Trumpf, den wir hier ausspielen können.“

Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer (CSU) verteidigt in dem Schreiben seines Ministeriums die Zuschüsse für die Skigebiete: In den vergangenen beiden Jahrzehnten sei in den Nachbarländern - vor allem in Österreich - mit staatlicher Hilfe massiv investiert worden. In der Folge hätten die bayerischen Wintersportorte einen Einbruch bei Übernachtungs- und Besucherzahlen erlitten - „mit teilweise existenzbedrohenden Auswirkungen auf Hotels und Gastronomie“.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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