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Der Tatort: Am Wertstoffhof Wasserburg hat das Ehepaar Sch. die Klobürste im falschen Container entsorgt.

Bußgeld verfolgt Ehepaar bis nach Südafrika

Skurriler Streit um eine Klobürste

Wasserburg - Die Stadt Wasserburg geht rigoros gegen Müllsünder vor. Mit Videokameras und Detektiven wird der Wertstoffhof überwacht. Das hat jetzt ein Ehepaar zu spüren bekommen, das dort „illegal“ eine Klobürste entsorgt hat.

Wenn es abends kühler wird am Kap der guten Hoffnung, die Freunde beim Barbecue zusammensitzen, dann muss sich Manfred Sch. (74) nicht betteln lassen, diese Geschichte zu erzählen. Sie endet meist mit dem Vorzeigen eines Bußgeldbescheids über 30 Euro aus Bayern, aber auch manchmal mit der Feststellung: „Ach Manfred, das hast du doch erfunden!“. Hat er nicht, die Geschichte seiner Klobürste, die er zwar weggeworfen hat, die ihn aber von Oberbayern aus bis in die Nähe von Kapstadt verfolgt. Dort, wo der ausgereiste Manfred mit seiner Ursula nun das Leben genießt.

Wie die „tz“ berichtet, war die Ausreise eben das Problem an diesem Septembermontag 2012. Am Abend sollte der Flieger gehen. Das Ehepaar aus der Gemeinde Soyen (Kreis Rosenheim) hatte die Wohnung geräumt und Wertstoffe ordnungsgemäß entsorgt. Doch eine Sache blieb übrig – eine Klobürste. Nun hat der Wertstoffhof in Soyen nur Freitag und Samstag offen. Das Ehepaar dachte: Der Wasserburger Wertstoffhof könnte die Bürste abnehmen – doch auch der war zu, denn es galten geänderte Zeiten.

Dann nahm das Verhängnis seinen Lauf. „Was machen wir mit der Klobürste?“ Manfred und Ursula hielten kurz Kriegsrat, der im abschließendem Befehl an die Gattin gipfelte: „Wirf sie rein!“. Was die zwei Ausreisewilligen, die den Container als Nicht-Wasserburger gar nicht hätten nutzen dürfen, auch nicht wussten: Der Container wird überwacht, mal mit Kamera, mal von Privatdetektiven, mal mit beiden. Die Videoüberwachung ist rechtlich gedeckt, an den Containern kleben ordnungsgemäß Hinweisschilder. Hintergrund: Immer wieder war es vorgekommen, dass Restmüll in den Container für Kunststoffverpackungen gelangt war, was zu Problemen mit Abnehmern geführt hatte.

Seit der Überwachung hat die Müllmoral zugenommen. Bernhard Schachner, in der Stadt zuständig für die Abfallwirtschaft, berichtet von 200 Bußgeld-Fällen pro Jahr. Oft seien diese nicht von harmloser Natur. „So wurden unter anderem schon Tüten mit Schlachtabfällen in den Container geworfen.“ Das machte 800 Euro Bußgeld aus. Inzwischen kassiert die Stadt, nach einem Bericht des OVB, knapp 20 000 Euro pro Jahr durch die Überwachung. Gewinne würden nicht gemacht, es werden damit die Kosten der Überwachung gezahlt. Falls etwas übrigbleibt, kommt dies jungen Familien in der Stadt zugute. Doch einigen Bürgern gehen die Methoden zu weit. Gerne werden sich Legenden erzählt, von der Breze etwa, die ein Kind versehentlich hineingeworfen hatte und die die Mama in Schwierigkeiten brachte.

So ein Bußgeld-Bescheid flatterte auch dem Ehepaar Sch. ins südafrikanische Haus. Dass dieser überhaupt seinen Weg ans Kap fand, war einem Nachsendeantrag für die Post geschuldet. Die Stadt hatte den Bescheid an die letzte Adresse des Ehepaars geschickt, von dort ging es per Elf-Stunden-Flug weiter.

Das Verfahren wurde nach Bekanntwerden der Umstände nicht weiter verfolgt. Manfred Sch. denkt zwar jetzt: „Gott sei Dank muss ich nicht mehr in einem Land leben, in dem Klobürsten eine solche Karriere hinlegen.“ Andererseits ist es halt auch eine skurrile Geschichte, die er in seiner Einlassung an die Stadt so beendet: mit freundlichen Grüßen aus Afrika.  

aw/age

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