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Ständig im Netz: Viele Kinder und Jugendliche sind über Smartphones den ganzen Tag online.

Experte klärt über Smartphone und Co. auf

So viel Internet ist gut für Kinder

München - Einer aktuellen Studie zufolge besitzt jeder dritte Jugendliche ein internetfähiges Handy. Doch wie viel Online ist gut für Kinder? Das verrät der Experte im Interview mit dem Münchner Merkur.

Das Internet ist immer dabei. Auch bei jüngeren geht der Trend zum Smartphone. Die neue Allgegenwärtigkeit des Internets stellt Eltern vor die Frage: Wie viel Online ist gut für mein Kind? Darüber sprachen wir mit dem Leiter des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, Thomas Rathgeb (42).

Ständig online zu sein – schafft das bei Jugendlichen neue Verhaltensweisen?

Das Internet gehört bei ihnen zum Alltag. Jugendliche organisieren viel über das Internet, insbesondere über soziale Netzwerke. Das Smartphone ist inzwischen Teil ihrer normalen Lebenswirklichkeit. Das beginnt beim Aufstehen – man lässt sich über das Handy wecken, hört Musik, telefoniert, verschickt SMS, schaut ins Internet. Über den Tag verteilt gibt es da eine große Bandbreite an Möglichkeiten.

Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?

Primär ist es erst mal ein Gerät mit sehr, sehr vielen Möglichkeiten. Diese nutzen zu können, ist sicher von Vorteil.

Wo sehen Sie Risiken?

Im Hinblick auf jüngere Jugendliche und Kinder sollte man sich vergegenwärtigen, dass es beim Internetzugang über mobile Geräte keine Jugendschutzprogramme gibt. Hier lassen sich keine Sicherheitsvorkehrungen wie beim PC treffen.

Ab welchem Alter sollte man ein Kind denn ins Internet lassen?

Kinder müssen heute oft schon für die Grundschule im Netz recherchieren. In vielen Schulen ist der Umgang mit dem Internet daher Gang und Gebe.

Und in der Freizeit?

Die Kontrollmöglichkeiten der Eltern sind da sehr eingeschränkt. Wichtig ist, dass man das erste Mal mit den Kindern gemeinsam ins Netz geht. Dass man gemeinsam eine E-Mail-Adresse anlegt und das Kind Schritt für Schritt in die verschiedenen Programme begleitet. Dass man für Fragen und bei Schwierigkeiten zur Verfügung steht und das Kind auch auf Probleme hinweist. Es muss wissen, dass es sich im Zweifelsfall immer an die Eltern wenden kann. Ein gutes Angebot zum Thema Sicherheit im Netz findet man unter www.klicksafe.de.

Und wie ist das mit Chatrooms? Da ist ja nichts kontrollierbar, und man kann auch nicht ständig daneben sitzen.

Hier gibt es altersgerechte Angebote wie das moderierte Kindernetz (www.kindernetz.de). Außerdem sollten sich Eltern informieren, welche Chats wie funktionieren oder welche Probleme es da geben könnte – zum Beispiel über die Seite www.chatten-ohne-risiko.net. Chat ist nicht gleich Chat. Man sollte wissen, was da läuft. Das gleiche gilt für soziale Netzwerke.

Wie viel Zeit sollte einem Kind oder Jugendlichen vor dem PC oder am Smartphone eingeräumt werden?

Die Zeit ist nicht das Entscheidende. Es kommt vielmehr darauf an, was das Kind tut. Es kann im Internet Filme anschauen, spielen, chatten, aber auch Hausaufgaben machen. Oder wenn jemand zum Beispiel Filmen als Hobby hat, dann kann auch das Schneiden von Sequenzen eine kreative Tätigkeit sein.

Also macht das Internet die Schlauen schlauer und den weniger Schlauen verengt es die Perspektive?

Das ist sehr pauschal. Aber man sollte durchaus positive und sinnvolle Angebote machen. So wie man dem Kind ein Buch in die Hand drückt, kann man es auch auf eine spezielle Seite verweisen. www.klick-tipps.net zum Beispiel liefert aktuelle Angebote. Auf diese Weise kann man Kinder zu einer sinnvollen Nutzung des Netzes führen.

Lauert im Internet eine Suchtgefahr?

Sucht ist ein vielschichtiges Problem. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie viel Zeit jemand im Netz verbringt, sondern vor allem um die Gründe dafür. Wenn also im richtigen Leben Probleme auftauchen wie mangelnde Kontakte, Vernachlässigung von Schule und Freunden, dann sollten Eltern genauer hinschauen. Oder wenn das Netz zu einer Flucht vor realen Problemen wird, wenn der Computer oder das Smartphone hergenommen werden, um etwas zu kompensieren. Das können natürlich auch Wechselwirkungen sein, in dem Sinne, dass ein Mangel an Freunden zu viel Internet, und zu viel Internet zu weniger Freundschaften führt.

Wenn Kinder also mit den Richtigen kommunizieren, sehen Sie keine Probleme?

Man muss immer schauen, wo sie sich bewegen. Aber wenn das der Freundeskreis ist, ist dagegen nichts zu sagen. Die Frage ist eher, muss das Kind wirklich unterwegs online sein? Geht das nicht auch von zu Hause aus, wo man bessere Schutzmöglichkeiten am PC hat? Das Handy entzieht sich natürlich der Kontrolle. Daher sollte die Frage, was für ein Gerät das Kind braucht und zu welchem Zweck, ganz am Anfang stehen.

-Ist der Austausch über soziale Netzwerke eigentlich nützliche Kommunikation oder weitgehend überflüssig?

Positiv ist, dass die jungen Leute kommunizieren, dass man sich Netzwerke schafft und auch weiß, was die Freunde machen. Problematisch ist allerdings, wie mit diesen Informationen hinsichtlich von Persönlichkeitsrechten umgegangen wird. Also welche Bilder ins Netz gestellt und welche Kommentare über andere gemacht werden.

Also eine Art Etikette im Netz?

Ja, es gibt im Netz wie im richtigen Leben Regeln, was man tun sollte und was man besser lässt. Und auch im Internet gibt es den Tatbestand der Beleidigung.

Muss man sich Sorgen machen, wenn ein Kind gar kein Interesse am Internet hat?

Das kann eine persönliche Entscheidung sein, für die es Gründe geben mag. Aber ich glaube schon, dass es von Vorteil ist, einen Computer bedienen zu können und sich im Netz zurechtzufinden. Sowohl im Beruf als auch im täglichen Leben: Ob es um Überweisungen geht, um den Kauf eines Bahntickets oder das Erlangen von Informationen – der Computer ist inzwischen fest im Alltag verankert. Insofern sollte man hier kompetent sein.

Das Interview führte Monika Reuter

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