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Muss sich im Stall etwas ändern? Oder muss den Menschen nur besser erklärt werden, wie Landwirtschaft heute funktioniert? Darüber wurde am Dienstag in München diskutiert. 

Thema Nutztierhaltung

So debattieren Bayerns Milchbauern über ihre Zukunft

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Die Nutztierhaltung in Deutschland hat ein Imageproblem. Darüber sind sich die Vertreter verschiedenster Interessensgruppen weitgehend einig. Aber welcher Weg führt aus der Krise? Braucht es den großen Umschwung?

München – Man kann dem Verband der Bayerischen Milchwirtschaft (VBPM) nicht vorwerfen, dass er für seine Podiumsdiskussion einen Referenten eingeladen hat, der nur die Verbandsmeinung herunterbetet. Mit Folkhard Isermayer, dem Präsidenten des ans Bundeslandwirtschaftsministerium angeschlossenen Thünen-Instituts in Braunschweig, stellte am Dienstag in München ein Mann seine Thesen in den Raum, der für einen großen Schritt in der Agrarpolitik wirbt. Sein Denkanstoß: Deutschland brauche eine nationale Nutztierstrategie. Eine politische Vision, die vorgibt, wie der Hase – beziehungsweise Schwein und Rind – künftig laufen soll. Nur so lasse sich der gesamte Sektor wieder auf einen Stand bringen, der von der breiten Bevölkerung akzeptiert werde. Und möglicherweise ließe sich damit auch so mancher Landwirt aus dem „Hamsterrad des Strukturwandels“ befreien.

Es ist ein Brocken, den Isermayer den Diskussionsteilnehmern vom VBPM, dem Bayerischen Bauernverband (BBV), der Verbraucherzentrale Bayern und dem Landwirtschaftsministerium hinwirft. Und bereitwillig arbeiten sich die Diskutanten daran ab. Denn dass die Diskussion um eine angemessene Tierhaltung so schnell nicht abreißen wird, darin sind sich die Teilnehmer einig. Wie berechtigt die öffentliche Kritik ist – da gehen die Meinungen schon wieder auseinander.

Der schwäbische BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle glaubt jedenfalls nicht, dass die Bevölkerung die gesamte Nutztierhaltung infrage stellt. „Gerade in Bayern haben 80 Prozent der Betriebe eine Größe von unter 50 Hektar“, sagt er. Im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands könne hier nicht von reinen Großbetrieben die Rede sein, die viele Menschen skeptisch beäugen. „Wir sind in weiten Teilen Bayerns da, wo der Verbraucher hin will. Aber er weiß das oft gar nicht.“

Hubert Bittlmayer, Amtschef des Landwirtschaftsministeriums, beobachtet durchaus eine Veränderung in der Gesellschaft beim Blick auf die Landwirtschaft – und gesteht ein, dass man dies womöglich lange nicht wahrgenommen habe. Mittlerweile seien aber Veränderungen angestoßen – als Stichworte nennt er die Ferkelkastration oder die Anbindehaltung. „Die Kunst dabei ist aber die praktische Umgestaltung.“ Verbote seien schnell ausgesprochen, aber gleichzeitig müsse die Politik darauf achten, dass dadurch nicht die kleinen Betriebe auf der Strecke bleiben.

Verbraucherschützerin Jutta Saumweber sprach sich für eine Haltungskennzeichnung im Milchmarkt aus, wie man sie bereits bei den Eiern kenne – und stellte fest, dass die vielen Labels, die eigentlich Informationen zur Haltung geben sollen, den Verbrauchern oft unbekannt seien. Nur wenn der Kunde verlässliche Informationen bekomme, sei er auch bereit, mehr Geld auszugeben.

René Guhl vom VBPM entgegnete Isermayer, dass alle Absatzmärkte beibehalten werden müssten. „Es gibt nicht den einen Verbraucher. Manche wollen den Schweinebraten von der glücklichen Sau, andere wollen einfach nur eine Sättigungsbeilage.“ Der Staat könne das Problem mit einem nationalen Alleingang nicht lösen.

Hubert Bittlmayrs Bilanz fasste die Diskussion zusammen: „Ist alles katastrophal? Nein. Müssen wir etwas ändern? Ja. Und dafür brauchen wir eine klare Zielvorstellung.“

Die neue Superkuh kommt aus Bayern

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