Söder fährt den harten Kurs

Spahn überlegt laut über FFP2-Masken-Aus: Söder schäumt vor Wut

  • Thomas Eldersch
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Sinkende Infektionszahlen und niedrige Inzidenzen in Bayern sorgen dafür, dass sich viele Bürger eine Abschaffung der Maskenpflicht wünschen. Doch die Regierung sträubt sich.

München - In Bayern geht inzwischen ganz natürlich der Griff vor dem Aufbruch neben Portmonee, Handy und Handtasche auch zur FFP2-Maske*. Die strenge Maskenpflicht begleitet die Menschen im Freistaat nun schon seit Anfang des Jahres. Viele haben sich damit arrangiert - doch der Ruf nach der Abschaffung - auch aufgrund der niedrigen Inzidenzwerte* - wird in Bayern immer lauter.

CSU-Landesregierung hält an der FFP2-Maskenpflicht fest

Den Stein ins Rollen gebracht hat - neben vielen Forderungen aus der Bevölkerung - auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er sagte am Montag gegenüber Zeitungen der Funke Media Gruppe, dass er den Zeitpunkt, ein Ende der Maskenpflicht einzuleiten, für gekommen hält. Als ersten Schritt nannte er den Verzicht auf den Mund-Nasen-Schutz im Freien. In Regionen „mit sehr niedriger Inzidenz und einer hohen Impfquote“ könne die Maskenpflicht „nach und nach“ auch drinnen beendet werden. Zahlreiche Politiker und Virologen stimmten in den Kanon mit ein.

Dabei spricht Spahn von dem Ende einer einfachen, klinischen Maske im Alltag und nicht von der in Bayern fast überall geltenden, strengeren Regel zum Tragen einer FFP2-Maske. Und wenn man die bayerischen Politiker über das Thema reden hört - zumindest die der CSU* - dann sieht es düster aus, mit einer baldigen Abschaffung. Landeschef Markus Söder* sagte am Montag auf einer Pressekonferenz dazu: „Ich wundere mich ein bisschen über die Bundesregierung.“ Der Bund mache „ohne jede Zuständigkeit“ Vorschläge für einen Bereich, für den die Bundesländer verantwortlich seien.

Und auch sein Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) will weiter an der FFP2-Maskenpflicht festhalten. „Ich nehme das wahr, dass da schon eine Art Wettbewerb stattfindet, wer schneller und öfter eine Aussage zu dem Thema trifft“, merkte er bei einem Pressetermin am Montag an. Klar ist aber auch, „dass wir eine Delta-Mutation haben“ und die sei viel ansteckender. Bayern setze deshalb weiter auf den Kurs der Vorsicht. Außerdem habe man erst kürzlich größere Lockerungen verkündet.

FFP2-Maskenpflicht soll an Schulen fallen - auch die Freien Wähler sind dafür

Mit den Lockerungen hat Holetschek recht. In vielen Bereichen des Alltags kann auf die Maske verzichtet werden. Sei es beim Sport oder beim Essen im Restaurant. Auch in vielen Außenbereichen - beispielsweise im Zoo - ist die Pflicht größtenteils aufgehoben worden. Daher verwundert es kaum, dass immer mehr Eltern eine Abschaffung auch für die Schulen fordern.

Die Initiative Familien schreibt in einer Pressemitteilung: „Hunderttausende Schüler und Schülerinnen in ganz Bayern können sieben und mehr Stunden am Tag schlechter atmen.“ Sie fordern daher, sich ein Vorbild an den andern Bundesländern zu nehmen und beispielsweise bei einer stabilen Inzidenz unter 35 bei weiterführenden Schulen auf FFP2-Masken zu verzichten. In Grundschulen solle die Pflicht inzidenzunabhängig komplett fallen. Und im Außenbereich sowieso. „Es kann nicht sein, dass wir den Unterricht in die nächste Wirtschaft verlegen müssten, damit die Kinder ihre Maske abnehmen können.“

Getragen wird diese Forderung von den Politikern der Freien Wähler. Kultusminister Michael Piazolo hatte bereits vor einigen Tagen die Aufhebung der FFP2-Maskenpflicht am Platz und im Freien ins Spiel gebracht. Nur im Schulgebäude sei sie noch sinnvoll. „Voraussetzung dafür ist eine Inzidenz, die deutlich unter 50 liegt.“ So sieht es auch sein Parteichef Hubert Aiwanger. Jedoch mache die CSU bislang keine Anstalten, an der Reglung etwas ändern zu wollen. Am heutigen Dienstag trifft sich die Staatsregierung erneut, um über die Corona-Lage in Bayern zu sprechen. Dass dabei eine Lockerung in Sachen Maskenpflicht beschlossen wird, ist eher unwahrscheinlich. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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