Corona in Bayern

Gegenwind für Söder: Bayerischer Corona-Hotspot legt eigenen Fahrplan vor - „Fünf Schritte aus der Pandemie“

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Markus Söder gilt in der Corona-Krise als Hardliner. Der CSU-Chef will vorsichtig öffnen und sich an der Inzidenz orientieren. Ein bayerischer Hotspot hat andere Pläne.

Update vom 19. März: Siegfried Walch, Landrat von Traunstein, hat einen Entwurf vorgelegt. Er trägt den Titel: „Neue Corona-Öffnungssystematik - Fünf Schritt aus der Pandemie“ und zeigt einen Weg aus der Krise auf. Der Plan fordert, weniger auf Inzidenzen zu schauen und den Fokus auf Impfen und Öffnen zu setzen (siehe Erstmeldung).

Das Konzept wurde bereits an das Bundesgesundheitsministerium, das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Bayerische Staatsregierung übermittelt, wie chiemgau24.de* berichtet. Eine Antwort gab es wohl noch nicht. Markus Söder hatte in der Vergangenheit aber immer wieder betont, dass die Inzidenz der verlässlichste Wert sei.

Gegenwind für Söder: Bayerischer Corona-Hotspot legt eigenen Fahrplan vor: „Fünf Schritte aus der Pandemie“

Erstmeldung vom 18. März: München - Gibt es in Bayern einen kleinen Aufstand gegen Markus Söder*? Der Ministerpräsident und CSU-Chef gilt in der Corona*-Krise eher als Hardliner. Er spricht mit Blick auf mögliche Lockerungen regelmäßig von „Vorsicht und Umsicht“. Bei den nächsten Öffnungsschritten setzt er auf die Notbremse. Heißt: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz* über 100, müssen Lockerungen zurückgenommen werden.

Corona in Bayern: Gegenwind für Markus Söder aus den eigenen Reihen?

Gegenwind bekommt Söder nun offenbar aus den eigenen Reihen. Siegfried Walch (CSU*), Landrat von Traunstein (Inzidenz über 140) hat ein Papier vorgelegt. Titel des Entwurfs: „Neue Corona*-Öffnungssystematik - Fünf Schritte aus der Pandemie.“ Die Kernforderungen sind impfen, öffnen und vor allem: Nicht mehr so sehr auf die Inzidenzen schauen. Söder hingegen hatte die Inzidenz als den verlässlichsten Wert bezeichnet, an dem man sich orientieren könne - noch bevor die Krankenhäuser überfüllt werden. Bei einer Pressekonferenz sagte er dazu: „Wer auf Todesraten wartet, hat die Zeit verpasst zu handeln.“

Der erste Schritt des Entwurfs - einzusehen auf der Website des Landratsamtes - basiert darauf, dass bis zum 15. April 70 Prozent der Menschen in der Priorisierungsgruppe 1 vollständig geimpft sind. Ist das der Fall, werden Lockerungen möglich. Unter anderem sollen dann alle Schulen und Kitas mit Hygienekonzepten öffnen können. Auch der Einzelhandel dürfte mit FFP2-Maskenpflicht* und Kundenbegrenzung aufsperren. Restaurants dürften ihre Außenbereiche öffnen, Gäste müssen vorher einen Termin machen und einen tagesaktuellen negativen Selbstest* vorlegen - aber nur, wenn sich zwei Hausstände treffen. Auch Treffen mit einem weiteren Hausstand wären möglich, ganz ohne begrenzte Personenzahl.

Traunstein mit Fünf-Punkte-Plan gegen Corona: Impfen und öffnen

Im zweiten Schritt sollen bis zum 1. Mai dann 70 Prozent der Menschen in Priorisierungsgruppe 2 geimpft sein, was weitere Lockerungen möglich machen würde. Unter anderem dürfte der Einzelhandel ganz ohne Flächenbegrenzung öffnen. Nach wie vor müssten Kunden jedoch FFP2-Masken tragen. Restaurants dürften nun auch ihre Innenbereiche öffnen, Gäste müssen dazu vorher einen Termin machen. Kultur- und Freizeiteinrichtungen dürften dem Entwurf zufolge ebenfalls öffnen, Voraussetzung sind Hygienekonzepte, gleiches gilt für Hotels.

Im dritten Schritt sollen dann Menschen der Priorisierungsgruppe 3 bis zum 1. Juni vollständig geimpft sein. Dadurch wären Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen möglich, alle Kontaktbeschränkungen würden entfallen.

Bericht: Werden Öffnungen ausgesetzt und der Lockdown verlängert?

Corona in Bayern: Fünf-Punkte-Plan gegen die Pandemie - Impfen und lockern

Bis zum 1. Juli soll für 70 Prozent der Gesamtbevölkerung ein Impfangebot zur Verfügung stehen, wie es zum vierten Schritt weiter heißt. Dann sei Herdenimmunität erreicht. Flächendeckende Beschränkungen würden entfallen. Kreisverwaltungsbehörden können jedoch reagieren, wenn es örtliche Corona*-Ausbrüche gebe.

Im fünften Schritt soll der gesamten Bevölkerung ein Impfangebot zur Verfügung stehen - bis zum 1. September. Eingriffsmöglichkiten der Behörden sollen dann auf ein „Normalmaß“ zurückgefahren werden, heißt es.

„Wir haben ein eigenes Konzept vorgelegt, um damit einen konstruktiven Beitrag zu den aktuellen Debatten zu leisten“, so Landrat Walch in einer Pressemitteilung. Markus Söder hat sich zu dem Fünf-Punkte-Plan aus Traunstein bisher noch nicht geäußert.

Eine andere Stadt in Bayern hat bereits einen Drei-Punkte-Plan aufgelegt - Grund sind die hohen Corona-Zahlen* der vergangenen Tage. (kam)*Merkur.de/bayern und chiemgau24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/dpa-Bildfunk

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